Auftragsfertigung

Ochsenfurter Zehnkampf

Das Zulieferunternehmen Kinkele gehört hierzulande zu den großen Auftragsfertigern. Es realisiert stählerne Großbauteile, komplexe Funktionseinheiten und auch ganze Anlagen für Kunden in 30 verschiedenen Branchen. Über das aktuelle Leistungsspektrum des Familienbetriebs unterhielt sich SCOPE-Redakteur Michael Stöcker mit Vertriebsleiter Steffen Schwerd.

Vertriebsleiter Steffen Schwerd: „Urdeutsche Tugenden“.

SCOPE: Herr Schwerd, wie würden Sie das Leistungsspektrum Ihres Unternehmens skizzieren?

Schwerd: Wir definieren uns als mittelständischer Auftragsfertiger und Zulieferer mit Zehnkampf-Qualitäten; als Sondermaschinenbauer komplexer Komponenten und anlagentechnischer Funktionseinheiten mit Gewichten von 1,0 bis 50 Tonnen; als Spezialist für Großteile und Losgröße 1. Und wir realisieren Projekte, die anderen zu mächtig, zu kompliziert oder zu schwer sind. Das Wort „Sonder“ ist unser Standard!

SCOPE: Mit welchen fertigungstechnischen Kompetenzen decken Sie diese Bandbreite ab?

Schwerd: Unsere Kernkompetenzen sind das Schweißen, Zerspanen, Lackieren und Montieren großer Bauteile aus Stahl, Edelstahl oder Aluminium – inklusive Qualitätssicherung. Zu unseren Spezialitäten zählen das CNC-Fräsen auf bis zu 22 Meter Länge und das CNC-Drehen von Ringen oder Flanschen mit Durchmessern von bis zu 5,0 Metern. Grundsätzlich treten wir stets ab Fertigung in Aktion, also nach der Konstruktion durch den Kunden. Von da an liefern wir Bauteile, Baugruppen, Rumpfanlagen oder komplette Maschinen – und zwar an jeden Ort der Erde. In unserer 2007 errichteten, 14 Meter hohen Montagehalle können wir mächtige Bauteile oder ausladende Anlagen wie etwa Ausrüstungen für Stahl- und Walzwerke und Prüfstände für Industrie oder Forschung herstellen und montieren.

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SCOPE: Sie montieren also auch komplette Anlagen?

Schwerd: Ja, die Palette reicht von Prototypen für Branchen wie Wehrtechnik und Spezialfahrzeugbau oder Anlagen für die Verfahrenstechnik über Solarbeschichtungsanlagen und Papierverarbeitungsmaschinen bis hin zu Baustoffplatten-Fördersystemen, Maschinengestellen und Spezialvorrichtungen.

SCOPE: Wer sind Ihre wichtigsten Abnehmergruppen?

Schwerd: Hier sind wir breit aufgestellt, der Branchenmix verändert sich aber konjunkturell bedingt jedes Jahr. Etwa 25 Prozent unseres 2008er-Umsatzes machten wir mit der Vakuumtechnik, also Herstellern von Beschichtungsanlagen für Glas oder Blech. Die zweitgrößte Gruppe ist die Förder- und Lagertechnik. Wichtig sind zudem die Hersteller von Kraftmaschinen, Turbinen und Kesseln, die Bau- und Baustoffindustrie, die Luftfahrttechnik sowie der Werkzeugmaschinenbau. Etwa 95 Prozent unserer Abnehmer sind in Deutschland ansässig. Rund 80 Prozent der von uns realisierten Teile gehen aber in den Export. Derzeit bedienen wir etwa 250 Kunden in 30 Branchen.

SCOPE: Und stets fungiert Kinkele als verlängerte Werkbank der Produktion des Kunden?

Schwerd: Nein, das wäre zu einfach dargestellt! In der Realität sind Kundenbeziehung und Auftragssituation differenzierter. Mal nimmt man uns im Rahmen von Entwicklungsprojekten für den Bau von Prototypen oder Testständen in Anspruch; mal decken wir einzelne oder mehrere Abschnitte einer Prozesskette ab oder erledigen die Vormontage; mal übernehmen wir ganze Produktbereiche und fahren die Serienproduktion für Kunden inklusive Beschaffung und Logistik in Eigenregie.

SCOPE: Wie kriegen Sie diese Ansprüche produktionslogistisch unter einen Hut?

Schwerd: Das erfordert eine gewisse Flexibilität, aber darauf sind wir seit jeher eingestellt. Doch nicht die Produktionsmittel sind entscheidend, sondern das Erfahrungspotential unserer gut ausgebildeten Facharbeiter! Das ist sicher eine unserer Stärken. Interessanterweise nutzt man uns aber auch nicht in jeder Konjunkturphase auf die gleiche Weise.

SCOPE: Wie dürfen wir das verstehen?

Schwerd: Während eines Konjunkturaufschwungs oder einer rezessiven Phase schlägt beispielsweise stets die große Stunde des Prototypenbaus und der Prüftechnik. Da sind wir in der Losgröße 1 gefordert. In einer wirtschaftlichen Hochphase, in der überproportionale Stückzahlen nachgefragt werden, sind es dann unsere Produktions- und Fertigungskapazitäten, die verstärkt angefordert werden. Und bei einer Talfahrt setzen uns die Kunden oft im Rahmen von Outsourcing-Maßnahmen ein, um ihre eignen Produktionskosten zu reduzieren. Wir stehen in jeder Situation als Auftragsfertiger zur Verfügung.

SCOPE: Mit welchen Erwartungen blicken Sie in die nächsten Monate?

Schwerd: Auch wir sind durch die veränderte Marktsituation zum schnellen Handeln und Anpassen unserer Leistungsmöglichkeiten gezwungen. Die Schnellen werden die Langsamen überholen und die Produktiven werden die wenigen Aufträge über das beste Preis-Leistungs-Verhältnis erkämpfen können. Diesem Wettkampf stellen wir uns – als Zehnkämpfer sind wir das Ringen in mehreren Disziplinen gewohnt, und gemeinsam mit unseren Kunden setzen wir urdeutsche Tugenden wie ordentliche Qualität und kurze Termine zu besten Preis um!

HMI, Halle 17, Stand G24

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