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Artikel und Hintergründe zum Thema

Linearlager

Standard für Individualisten

Die Konstrukteure von Möve Metall nutzen einen fertigen Baustein zur Sitzherstellung, der auf auf Drylin Linearlagern von Igus basiert. Bei dieser Lagertechnik bilden Kunststoffbuchsen mit inkorporiertem Schmierstoff eine Gleitpaarung mit hartanodisiertem Aluminium. Die Besonderheit: Auch wenn jeder Sitz anders ist, ist die Befestigen des Sitzes auf dem Werkstückträger eine Standardlösung.

Wer in den 1960er Jahren das Mercedes-Spitzenmodell 600 Pullman kaufte, mussten seinen Chauffeur nach Körpergröße und Beinlänge aussuchen, denn der Fahrersitz des Luxusautos ließ sich nicht verstellen. Heute sind selbst in der Kompaktklasse die Sitze vollgepackt mit Stellmotoren und -mechanismen fürs Verstellen in Höhe, Neigung, Lehnenwinkel etc. – alles für den Komfort und die Sicherheit des Fahrers. Und es kommen immer mehr Funktionen dazu, so sind die Sitze bei Fahrzeugen der Oberklasse noch zusätzlich mit Beheizung, Belüftung und Massagefunktion ausgestattet. Für Möve Metall ist dieser Trend sehr erfreulich, denn jede zusätzliche Komponente und Funktion im Sitz muss montiert und getestet werden.

Das Unternehmen, ein Spezialist im Sondermaschinenbau, arbeitet für zahlreiche Hersteller von Autositzen und Innenraum-Komponenten und setzt auf die Standardisierung von Konstruktions- und Funktionselementen. Bei der Verriegelung der Sitze auf den Werkstückträgern und in den Prüfanlagen kommt fast immer ein selbst konstruiertes Modul zum Einsatz, das auf Drylin-Linearlagern von Igus basiert.

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Die zunehmende Anzahl von Funktionen im Sitz erhöht auch die Variantenvielfalt in der Sitzfertigung – was dazu führt, dass auch in der hoch automatisierten Automobilproduktion diese Tätigkeit noch weitgehend von Hand ausgeführt wird. Dabei arbeiten die Werker mit vielseitigen Werkstückträgern, auf denen der Sitz mit seinen mechanischen und elektrischen Komponenten Schritt für Schritt montiert wird. Die Träger erlauben das Drehen und Neigen des Sitzes, der im Endzustand bis zu 45 Kilogramm wiegt, in jede gewünschte Richtung.

Die Werkstückträger durchlaufen die gesamte Sitzfertigung und werden an jeder Station gedreht, gekippt oder geklappt – je nachdem wo der Werker ein Bauelement montiert oder auch eine elektrische Leitung anschließt.

Immer gleich verriegelt

Da jeder Sitz anders aufgebaut ist, werden auch die Werkstückträger stets individuell konstruiert. Um diese Aufgabe zu erleichtern und auch Kosten im Engineering sowie in der Fertigung zu reduzieren, ist Möve Metall jedoch immer auf der Suche nach internen Standardlösungen.

Auf dem Werkstückträger wird der Sitz mit allen mechanischen und elektrischen Komponenten Schritt für Schritt montiert.

Eine solche Lösung hat man für das Befestigen des Sitzes auf dem Werkstückträger gefunden. Der Werker schiebt dabei den Sitzrahmen auf zwei Schienen und klemmt ihn an vier Positionen fest. Dafür reichen zwei Drehbewegungen um 90 Grad mit der Hand. Aus dieser Ausgangsstellung heraus kann man den Sitz dann an jeder Station in die ergonomisch optimale Position drehen und kippen.

Ursprünglich wurden solche Lösungen individuell konstruiert. Jetzt nutzen die Konstrukteure einen fertigen Baustein auf Basis von Drylin Linearlagern. Diese Lagertechnik, bei der Kunststoffbuchsen mit inkorporiertem Schmierstoff eine Gleitpaarung mit hartanodisiertem Aluminium bilden, hat zahlreiche Vorteile. Diese Systeme sind so ausgelegt, dass Partikel durch die Lagerbewegung selbst aus der Kontaktfläche weggeschoben werden und diese so sauber bleibt. Hartanodisiertes Aluminium zeichnet sich durch gute Verschleißeigenschaften, hohe chemische Beständigkeit und einen hohen Härtegrad aus.

Der Verzicht von Schmiermitteln schont die empfindlichen Sitzbezüge. Die verwendeten Linearlager arbeiten auf Gleitelementen und garantieren so eine optimale Lastverteilung. Dadurch entsteht eine wesentlich größere Kontaktfläche, die eine deutlich geringere Flächenpressung zur Folge hat. Ein wesentlicher Vorteil: Ein Fressen ist vollkommen ausgeschlossen.

Die Lager sind so wartungsfreundlich und außerdem gut zugänglich. Da der Bauraum für Verriegelungselemente oft begrenzt ist, passt es bestens, dass man die Bund- und Deckschienen zum Beispiel durch Fräsen und Bohren bearbeiten kann. Das schont Materialien, reduziert Ausfallzeiten und spart Kosten.

Mit den Standzeiten der Lager sind die Verantwortlichen von Möve Metall rundum zufrieden. Bis jetzt gab es keinerlei Reklamationen, Laufzeiten von fünf Jahren und mehr sind die Regel. Und wenn doch einmal ein Lager defekt sein sollte, bekommt man weltweit über igus eine Austauschbuchse, die sich leicht montieren lässt.

Durchgängiger Standard für lineare Bewegungen

Aufgrund dieser Eigenschaften setzt Möve Metall inzwischen bei allen verschiebbaren Systemen der Werkzeugträger Drylin-Linearlager ein. Ob es sich um einfache Rückbänke für die Kompaktklasse oder um edle Fahrersitze von Luxusfahrzeugen, um Transport- oder Montagepaletten handelt: Das Grundkonzept der Verriegelung auf dem Werkstückträger ist immer gleich, und immer sorgen diese Lager für die lineare Beweglichkeit.

Als Engineering-orientiertes Unternehmen arbeitet Möve Metall kontinuierlich daran, auch diese Lösung zu verbessern. Dabei arbeitet man eng mit igus zusammen. Beide Unternehmen haben schon mehrfach gemeinsame Versuche durchgeführt – auch mit dem Ziel festzustellen, wo die Einsatzgrenzen liegen.

Mit Blick auf die nahe Zukunft haben beide Unternehmen guten Grund für Optimismus: Wenn die Autos irgend wann einmal autonom unterwegs sind, müssen die Sitze zusätzliche Verstellmöglichkeiten und Funktionen bieten. Das bedeutet komplexere Werkstückträger und zusätzliche Prüfanlagen – und weiteren Einsatz der bewährten Linearachsen. bs

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