Branchen-ERP

Andreas Mühlbauer,

OEM-Vorgaben im Griff

Automobilzulieferer müssen einerseits die eigenen Planungs- und Fertigungsprozesse im Griff zu haben, andererseits vor allem die steigenden Anforderungen der OEMs erfüllen. Ohne leistungsstarke informationstechnische Strukturen ist das kaum mehr möglich. Ein Spezialist für Drahtformtechnik hat daher ein neues ERP-System eingeführt, das den Zulieferer mit ausgereiften Branchenfunktionalitäten unterstützt. Von Karsten Wette

Automobilzulieferer müssen einerseits die eigenen Planungs- und Fertigungsprozesse im Griff zu haben, andererseits vor allem die steigenden Anforderungen der OEMs erfüllen. Ohne leistungsstarke informationstechnische Strukturen ist das kaum mehr möglich. © PSI

Der Automobilzulieferer Lenz, Kämper  – kurz Lenzkämper  – beliefert weltweit Hersteller wie Volkswagen, Seat, Škoda, Audi oder BMW mit Drahtbiegeteilen aller Art. Dazu zählen unter anderem Gurtumlenkbeschläge, Bremsseilhalter oder Verzurrösen. Neben der technischen Beratung zählen auch die Fertigung von komplexen Schweißbaugruppen und Hybridbauteilen zum Leistungsspektrum des Zulieferers. Die Abnehmer der einbaufertigen Komponenten sind wiederum OEMs, zum Teil aber auch Unternehmen anderer Industriesparten. Es sind aber vor allem die Automobilhersteller, die Zulieferer an strenge Restriktionen und Vorschriften binden. So gibt es beispielweise Vorgaben hinsichtlich des Datenaustauschs, der Packmittelstrukturen und Rückverfolgbarkeit der Lieferteile oder es sind bestimmte Zertifikate nachzuweisen. Ein leistungsfähiges ERP-System spielt hierbei eine zentrale Rolle. Faktoren wie Flexibilität, Offenheit und Skalierbarkeit miteingeschlossen. Das alte System war an seine Grenzen gestoßen, sodass die Geschäftsführung die Einführung einer neuen ERP-Lösung ausschrieb. Robert Lenz, kaufmännischer Geschäftsführer von Lenzkämper, erinnert sich: „Wir wollten einen Branchenstandard, der sowohl funktional als auch technologisch alles mitbringt, was es einerseits für unsere internen Prozesse und andererseits für die Kommunikation mit den Herstellern bedarf. Und natürlich sollten unternehmensseitig die Strukturen für eine langfristige Zusammenarbeit gegeben sein.“ Funktional bedeutet das beispielsweise die Anbindung an die OEM-Portale, mobile Anwendungen, eine durchgängige Chargenverfolgbarkeit oder die Abbildung der geforderten Packstrukturen.

Anzeige

Packmittelverwaltung schafft Transparenz

Letztlich fiel die Wahl auf das ERP-System PSIpenta des Berliner ERP- und MES-Anbieters PSI Automotive & Industry. Mit dem neuen System, das die Auftragsabläufe von der Anlage des OEM-Abrufs via EDI-Schnittstelle über die Fertigung, Verpackung und den Versand bis hin zur Rechnungsstellung und der Bearbeitung von Reklamationen durchgängig unterstützt, arbeiten heute 50 der 100 Mitarbeiter. Besonders wichtig sind hierbei vor allem jene Module und Strukturen, die speziell die Erfüllung der vielfältigen OEM-Anforderungen unterstützen – etwa die stringenten Vorgaben für die komplexen Packmittelstrukturen. Die Vorgaben sind in den Rahmenverträgen mit den Automobilherstellern definiert und können von Kunde zu Kunde und von Abruf zu Abruf variieren.

Das neue ERP-System bildet diese Anforderungen mittels der sogenannten Packmittelverwaltung ab. So errechnet es anhand der Produktions- oder Versandmengen den Bedarf an Packmitteln und löst entsprechende Anforderungen aus. „Zudem führen wir über dieses Modul pro Geschäftspartnerschaft ein sogenanntes Packmittelkonto, in dem der gesamte Bestand verwaltet wird, Umpackprozesse gesteuert werden und die Rückverfolgbarkeit der Waren bis zum Einzelpackstück gewährleistet ist“, beschreibt Holger Diedrich, EDV und Controlling bei Lenzkämper. „Heute haben wir immer eine ausreichende Stückzahl der geforderten Packmittel vorrätig. In der Vergangenheit sind wir hier manchmal ins Schwitzen gekommen. Insbesondere Reklamationen können nun deutlich schneller bearbeitet und Strafen vermieden werden.“

Auch die Auswärtsvergabe ist für Lenzkämper von besonderer Bedeutung. Mit ihr bildet das Unternehmen zum Beispiel die externe Vergabe spezieller Oberflächenbehandlungen ab. Kommen jene Teile zurück, überführt sie das System direkt in die kundengerechte Packmittelstruktur oder in den Versand. Deutlich effizienter sind zudem zahlreiche Abläufe durch die Nutzung der mobilen Erweiterungen des ERP-Systems. Sie ersetzen Papier-Dokumente oder Excel-Listen. So kommen sowohl für die Materialentnahme als auch für Gutmengenmeldungen Handscanner zum Einsatz: „Wann immer wir heute Material aus dem Lager entnehmen, wird dieses einfach gescannt und automatisch auf den Auftrag gebucht“, erläutert Judith Moos, Key-Userin der ersten Stunde. „Das Gleiche gilt, wenn ein Fertigungsauftrag abgearbeitet ist und in den Versand weitergeleitet wird. Auch hier kommen die Handscanner zum Einsatz“, ergänzt Moos. Indem das ERP-System die nötigen Daten für Analysen liefert und auswertet, ist es inzwischen nicht zuletzt auch zum Enabler für Optimierungen geworden. Beispielsweise nutzt das Unternehmen die integrierte Kostenrechnung als Ausgangspunkt, um herauszufinden, welche Aufträge viel Zeit, Geld und Aufwand erfordert haben und an welchen Stellschrauben für effizientere Prozesse gedreht werden muss.

Das neue ERP-System hat auf vielen Ebenen für spürbare Verbesserungen gesorgt. Zudem betonen die Verantwortlichen die leichtere Rückverfolgbarkeit bis zum Einzelpackstück, die schnellere und einfachere Bearbeitung von Reklamationen, die Integration der mobilen Anwendungen sowie die zahlreichen Auswertungsoptionen. Letztlich zeugt die Zufriedenheit auch von dem gut funktionierenden Support-Portal und der wertvollen Unterstützung der PSI-Berater. „Wir profitieren immer wieder vom Automotive-Know-how unserer Ansprechpartner, die eben nicht nur das eigene System kennen, sondern vor allem auch wissen, wie die OEMs ticken und auf welche VDA-Normen und Zertifizierungen vielleicht gerade wieder umgestellt werden muss“, sagt Diedrich. Lenzkämper setzt mit seinem neuen ERP-Standard auf ein System, das den Zulieferer auch langfristig für die Anforderungen seiner anspruchsvollen Kunden wappnet.

Karsten Wette, Divisionsleiter Automotive bei PSI Automotive & Industry / am

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige