Interview mit Clemens Iller

China-Krise belastet Schmolz + Bickenbach

Die an der Schweizer Börse notierte SCHMOLZ + BICKENBACH AG veröffentlichte in diesen Tagen eine Gewinnwarnung. In einem Interview erläutert Clemens Iller, CEO der SCHMOLZ + BICKENBACH Gruppe in Luzern, die Hintergründe.

Clemens Iller, CEO der SCHMOLZ + BICKENBACH Gruppe in Luzern

Die SCHMOLZ + BICKENBACH Gruppe hat heute eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Was sind die gesamtwirtschaftlichen Hintergründe dieser Entwicklung?

Clemens Iller:
Die negative Geschäftsentwicklung basiert im Wesentlichen auf vier global wirksamen Entwicklungen, die wir nicht beeinflussen können und die miteinander verknüpft sind. Der wichtigste Faktor ist mit Sicherheit die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft, die aufgrund der Größe des Marktes negative Auswirkungen auf die weltweiten Rohstoffpreise hat. Die Unsicherheit in Bezug auf die weitere Entwicklung der chinesischen Wirtschaft führt zu einem zögerlichen Bestellverhalten einiger Kundengruppen, insbesondere aus der Automobilbranche und deren Zulieferern. Zudem führen niedrige Preise für Rohstoffe und Legierungselemente zu weiterem Druck auf die Basispreise und damit auch auf die Margen unserer Produkte. Als weiterer Faktor sind die niedrigen Öl- und Gaspreise zu nennen, aufgrund derer das Öl- und Gasgeschäft fast zum Erliegen gekommen ist und sich bis Jahresende auch nicht erholen dürfte.

Welche Rolle spielt der Wechselkurs des Schweizer Franken für die Entwicklung?

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Clemens Iller: Der Wechselkurs war insbesondere zu Beginn des Jahres ein sehr großes Problem, da unsere Schweizer Gesellschaften Steeltec und Swiss Steel zu 80 Prozent in den Euroraum exportieren. Inzwischen hat sich der Kurs des Euro gegenüber dem Franken teilweise erholt, sodass der Druck hier etwas geringer geworden ist, wobei das vorherige Wechselkursverhältnis von 1.20 EUR/CHF noch lange nicht wieder erreicht ist.

Wie ist die Lage in einzelnen Branchen und wie wirkt sich dies auf Ihr Geschäft aus?

Clemens Iller: Besonders hart getroffen wurden wir insbesondere in den Einheiten, die direkt an den Geschäften der Öl- und Gasindustrie hängen – also der Energiebranche. Durch den niedrigen Ölpreis gingen die Ordereingänge der Fracking-Unternehmen deutlich nach unten. In Deutschland ist seit einiger Zeit aber auch der Maschinenbau in schwereres Fahrwasser geraten, weil neben dem chinesischen Markt insbesondere der russische stark eingebrochen ist.

In der aktuellen Situation müssen Konzernleitung und Verwaltungsrat eng zusammenarbeiten. Wie ist ihr Verhältnis zum Verwaltungsrat?

Clemens Iller: Der Verwaltungsrat steht voll und ganz hinter der SCHMOLZ + BICKENBACH Gruppe. Daher sind wir uns alle darüber einig, dass wir diese durchaus schwierige Phase nun gemeinsam meistern werden. Zugleich arbeiten wir in der SCHMOLZ + BICKENBACH Gruppe an weiteren Verbesserungen unserer Kostenpositionen.

Die Unternehmen der SCHMOLZ + BICKENBACH Gruppe genießen in der Industrie einen Ruf als Produzent innovativer Spezialstähle. Wie werden Sie diesen wichtigen Wettbewerbsvorteil in den nächsten Jahren noch weiter ausbauen?

Clemens Iller: Die derzeitige Entwicklung bestätigt uns letztlich erneut in unserer Strategie – als Anbieter hochwertiger Spezialstähle werden wir nie über den Preis allein konkurrenzfähig sein. Sämtliche Kunden beziehen unsere Produkte aufgrund der hohen technischen Qualität, die wir ihnen bieten können. Daher haben wir unsere Entwicklungsaktivitäten innerhalb der Gruppe seit einiger Zeit gebündelt und verstärkt. Mit unseren insgesamt rund 400 Ingenieuren in den einzelnen Tochterunternehmen, die gemeinsam an Entwicklungen für einzelne Branchen und Unternehmen arbeiten, sind wir einer der Innovationstreiber in der Stahlbranche. Hinzu kommt, dass die Anforderungen der Kunden immer spezifischer werden, sodass wir gezielt Lösungen für bestimmte technische Herausforderungen entwickeln. Langfristig ist die SCHMOLZ + BICKENBACH Gruppe damit für die nächsten Jahre gut aufgestellt. kf

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