Part Factory

Neues B2B-Portal vermittelt Lohnfertiger

Part Factory heißt Deutschlands erste Smart Service Plattform für Lohnfertigung. Wir sprachen mit ihrem Gründer Dr. Dirk Friedrich über das Konzept.

Für Ingenieure und Konstrukteure, die am Aufwand verzweifeln, metallische Drehteile oder Frästeile einzeln bzw. in kleinen Serien hochwertig, günstig und schnell fertigen zu lassen, kann Part Factory eine Lösung sein.

Herr Dr. Friedrich, wie kam es zur Part Factory Idee?

Friedrich: Ich wollte mich schon immer selbstständig machen. Da man dafür etwas braucht, was man besser als andere kann, war mir klar, dass ich aufgrund meiner Ausbildung etwas mit Maschinenbau starte. Die Idee zu Part Factory kam mir auf einer längeren Autofahrt mit meinem Geschäftspartner, als wir beide für die Grindaix GmbH unterwegs waren. Sie ist mein erstes Unternehmen, eine Ausgründung der renommierten RWTH-Aachen und beschäftigt sich mit der Optimierung von Kühlschmierstoff-Systemen in der metallverarbeitenden Produktionstechnik. Wir hatten selbst Bedarf an einzelnen Präzisionsteilen und erkannten, dass der Aufwand für die Suche nach Lohnfertigern in keinem Verhältnis zum Auftragswert stand – sich also nicht rechnete. Es fehlte an einem Mittler, der Auftraggeber und Lohnfertiger in wirtschaftlich gesundem Rahmen zusammenbringt. Diese Lücke wollte ich schließen. Doch von der Idee bis zum Livegang von Part Factory als erste B2B-Plattform für Lohnfertigung hat es insgesamt 4,5 Jahre gedauert. Das Storyboard, die Programmierung und die Testphase fraßen Zeit. So eine Plattform ist ja kein 1:1-Webshop von der Stange und darum auch nicht mal eben so gemacht. Sie ist eine komplette Eigenentwicklung, die uns bis dato unvergleichbar macht und nicht einfach kopierbar ist: einfache Bedienung mit drei Klicks für den Anwender im Frontend – hochkomplexer Algorithmus im Backend.

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Warum kam vor Ihnen keiner auf die Idee?

Die Maschinenbau-Branche ist behäbig und tendenziell nicht sehr innovativ. Die konservativen deutschen Maschinenbauer scheuen sich oftmals davor, neue Sachen anzupacken. Im Studium habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass meine Kommilitonen sehr rational und oft wenig emotional handeln. Das ist auch in Ordnung so und damit ist Deutschland weltweit sehr erfolgreich: Wir durchdenken Sachen ganz genau und arbeiten exakt. Neuerungen haben es in dem Umfeld jedoch schwer, denn Innovation heißt immer auch Fehlerquelle. In Kalifornien an der Stanford University zum Beispiel sieht das ganz anders aus: Dort sprudeln die Ideen nur so und kreative Ausgründungen sind an der Tagesordnung. Was ich damit sagen will: Wer etwas Neues beginnt, muss sich eine anfängliche Fehlerquote zugestehen und darf nicht zu pedantisch sein. Hätten wir nicht den Eigenbedarf gehabt, wären wir vielleicht nicht auf die Idee gekommen, uns mit dem Markt zu beschäftigen. Aber der ist enorm: 60 Mrd. Euro werden jährlich insgesamt in Deutschland für Fremdfertigung ausgegeben. Zehn Prozent davon fällt auf Einzelteile und Kleinserien mit bis zu 200 Teilen. Auf diesen Markt von sechs Mrd. Euro fokussieren wir uns.

Wer bestellt bei Part Factory?

Alle herstellenden und verarbeitenden Unternehmen in Europa von klein bis groß. Es gibt dort immer wieder und gern in Urlaubszeiten Lieferengpässe für mechanische Bauteile, die sich beispielsweise ein deutscher Maschinenbauer nicht leisten kann. Diesen Bedarf können wir mit unserer Dienstleistung auffangen. Wir beobachten den Trend weg von der eigenen internen Fertigung hin zur externen Vergabe von Lohnfertigungsaufträgen. Viele Kunden machen das, weil die Lieferzeiten intern produzierter Präzisionsteile doppelt so hoch sind wie unsere. Das hängt oftmals mit dem Aufbau solcher Unternehmen und der dortigen Bürokratie zusammen. Darum lädt der Kunde seine Bauteilzeichnung bei uns hoch. Nun kann er sich sicher sein, dass der Zeitrahmen eingehalten wird: Innerhalb von drei Tagen liegt ihm ein schriftliches Angebot vor. Wird der Auftrag dann bestätigt, sind präzise Produktion und fristgerechte Lieferung garantiert. Der Bedarf an Lohnfertigung ist enorm, das können wir schon nach den ersten Monaten im Web sagen.

Kann man auch mehr als eine Zeichnung bei Ihnen zeitgleich einstellen, quasi mehrere Kleinteilserien mit einem Mal starten?

Ja, daran arbeiten wir. Ab Frühjahr 2015 kann man das bei uns auch mit drei Klicks tun. Der Kunde lädt dann beispielsweise 50 Zeichnungen in einem PDF gesammelt hoch und bekommt einen Gesamtpreis. Dies reduziert seine Aufwände erneut. Nach der Eingabe des Auftrags screenen wir unser Netzwerk an Lohnfertigern und fragen dort je nach Befähigung und Kapazität oft nur wenige Einzelteile an, nicht zwingend den Gesamtauftrag. Der Kunde merkt von alledem nichts und erhält für seine Anfrage nur ein Angebot: Doch je mehr Bauteile ein Lohnfertiger je Auftrag fertigen kann, umso preiswerter wird der Auftrag für den Kunden. Bei einem Auftrag mit 50 Teilen werden ganz andere Lieferpreise angeboten, weil der Auftragnehmer nicht 50 Pakete an verschiedene Empfänger packt, sondern nur ein Paket in einen LKW lädt. Natürlich wird es auch weiterhin möglich sein, seine Zeichnungen einfach einzeln hochzuladen. Die Anzahl der Zeichnungen je Anfrage steht dem Kunden frei.

Gibt es Exoten unter den angefragten Bauteilen?

Durchaus! Normalerweise haben wir es mit Teilen zu tun, die bis zu 31 kg wiegen können, damit sie in genormte UPS-Pakete passen. Aber wir sind offen für alle Maße und Gewichte. Was unsere Lohnfertiger für möglich erachten, kann gefertigt werden. Beim bisher größten Bauteil ging es um einen zehn Zentner schweren Brückendrehkranz, der sechs Meter im Durchmesser hatte. Aber auch filigrane Ersatzteile für hochwertige Musikinstrumente wurden schon angefragt. Es ist wirklich sehr abwechslungsreich: Kein Präzisionsteil gleicht dem anderen. Für die Verwendung im Fahrzeugbau oder beim Militär lassen wir jedoch aus rechtlichen und ethischen Gründen nicht fertigen. Die Auftraggeber müssen diese Verwendung für ihr Bauteil per Klausel im Bestellverfahren ausschließen.

Was tun Sie für die Daten- und Zahlungssicherheit?

Part Factory: Die Kundenvorteile im Überblick

Natürlich kann sich kein Kunde leisten, dass seine sensiblen Zeichnungen womöglich dem Wettbewerb in die Hände fallen. Daran haben wir gedacht und die Übertragung aller Daten anonymisiert bzw. mit einem aktuellen SSL-Zertifikat verschlüsselt. Der Lohnfertiger kann nicht nachvollziehen, von wem die Anfrage stammt. Ferner arbeiten wir nur mit Euro zahlenden Partnern zusammen. Diese Zahlungsvorgänge wickelt ein deutscher Payment-Dienstleister mit diversen Zahlungsmöglichkeiten sicher und unkompliziert ab. Die Sicherheit unserer Plattform haben wir uns zertifizieren lassen mit dem Siegel von Trusted Shops.

Welche Lohnfertiger passen zu Part Factory?

Part Factory fördert vorwiegend familiengeführte Kleinbetriebe der EU-Länder mit hohem Bewusstsein für deutsche Qualitätsansprüche. Wir konnten kürzlich den 200. Lohnfertiger in unserem Netzwerk begrüßen. Je größer das Geflecht, desto vielfältiger die Fertigungsmöglichkeiten. Wir kontrollieren und bewerten Fertigungsqualität und Liefertreue kontinuierlich. Dafür gibt es Punkte in unserem Ranking-System.

Was haben die Lohnfertiger davon, sich bei Part Factory anzumelden?

Sehr viel! Sie gelangen kostenlos an Aufträge, nachdem sie von uns verifiziert wurden. Im Netzwerk von Part Factory zu sein, bedeutet Maschinenauslastung, Arbeitsplatzsicherung und Umsatzsteigerung. Auch Unternehmen ohne eigene Webseite, Vertrieb und Marketingabteilung kommen durch uns ganz einfach an Aufträge. Jeder bietende Handwerksbetrieb bekommt einmal im Monat eine Auswertung seiner Aktivitäten, um seine Marktpositionierung zu prüfen. Wenn er z.B. darin sieht, dass er preislich beim Kostenvoranschlag zum Bauteil X enorm zu hoch lag, kann er sich überlegen, ob er zum Zuschlagspreis überhaupt wirtschaftlich fertigen kann, oder sich besser auf ein anderes Bauteil konzentriert. Dann passt er sein Profil auf www.partfactory.com an und erhält nur auf sein Konzept zugeschnittene Anfragen.

Sie sprachen von einem Ranking-System – was hat es damit auf sich?

Eine eingehende Anfrage charakterisieren wir nach ca. 200 Merkmalen: Ist das Präzisionsteil rund, eckig, länglich, dick oder dünn. Je dezidierter wir das Teil beschreiben, desto mehr engt sich der Kreis derer ein, die das Teil fertigen können. Die Lieferanten haben ein Charakterprofil, das sie selbst pflegen. Dieses wird mit dem Bauteilprofil abgeglichen. Bei Übereinstimmung bitten wir die Lohnfertiger um eine Offerte, die ein gutes Ranking aufweisen. Der, der stets pünktlich zu super Konditionen liefert, aktiv anbietet, den wir online wahrnehmen, der nach kurzer Zeit auf unsere Anfragen antwortet, auch wenn er etwas nicht anfertigen kann, der erreicht irgendwann maximale Attraktivität und landet damit im Ranking der Part Factory auf Rang 1. Wer den Platz an der Sonne innehat, kommt bei jedem Pitch in die Auswahl. Lieferanten auf unteren Positionen motivieren wir, aufzuholen, im Preis nachzubessern oder den Aktivitätsindex zu optimieren. Wir haben insgesamt drei Jahre an unserem Ranking-Tool und der vollständigen Automatisierung der Auftragsabwicklung im System gearbeitet. Es ist das Herz unserer Smart Service Plattform und ich bin ehrlich gesagt sehr stolz auf das gute Ergebnis.

Wie stellen Sie die Fertigungsqualität sicher?

Viele Auftraggeber fordern Messprotokolle für jedes Präzisionsteil und unsere Lohnfertiger sind dann verpflichtet, erreichte Maße zu protokollieren. Diese Protokolle werden dem Auftrag digital zugeordnet und dienen als Qualitätsnachweis. Von vornherein werden alle eingereichten Zeichnungen bei uns fachlich gecheckt: Unfertige und nicht eindeutige Zeichnungen kommen nicht in den Loop – die müssen wir ablehnen.

Ist das Team von Part Factory denn fachlich so kompetent, jedes Bauteil einschätzen zu können?

80 Prozent unseres Teams sind, so wie ich, praxiserfahrene Handwerker, haben also Gesellen- oder Meisterstatus im Maschinenbau oder in der Mechatronik. Der Fakt, dass wir alle selbst an der Maschine gefräst, gebohrt oder geschliffen haben, befähigt uns zu grundsoliden Einschätzungen. Alles Leute, die beim Blick auf eine Zeichnung erkennen, dass man das Präzisionsteil beispielsweise nicht fräsen kann, sondern bohren muss.

Ansonsten sind wir eine junge, dynamische Truppe mit viel Praxis-Know-how, die top motiviert, flexibel, schnell aber trotzdem sehr gründlich ist. Unser jüngster Mitarbeiter ist 19 und hat gerade seine Lehre als CNC-Facharbeiter erfolgreich beendet. Der älteste Mitarbeiter, das bin ich mit 45 Jahren. Unsere jungen IT-, Marketing- und Design-Fachleute vervollständigen das Team.

Wo sehen Sie Part Factory in fünf Jahren?

Smart Service Plattformen sind Dienstleistungsknoten im Internet. Sie vereinfachen im Web komplizierte Dienstleistungen und bringen den Nutzer mit wenigen Schritten zum Ziel. Ihnen und somit uns wird die Zukunft gehören. Unser Zulauf steigt beständig und wir setzen mittelfristig darauf, die erste Anlaufstelle im Web zu sein, wenn es um Lohnfertigung geht. Wir erweitern unser Netzwerk kontinuierlich und werden in Kürze beispielsweise auch Kunststoff-Fertigung anbieten können. 2015 werden wir mit unseren Umsatz die 1-Million-Marke sicher knacken. Da wir nicht einfach zu kopieren sind, betrachten uns Investoren als attraktive Geldanlage. Für uns sind Investoren interessant, die vom Fach sind, unser Potenzial einschätzen können und mit uns weitere Geschäftsfelder erschließen. Wir denken auch darüber nach, im nächsten Step mit einem Franchisemodell in die US-und BRIC-Märkte zu gehen. Aber alles zu seiner Zeit und immer Schritt für Schritt.

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