VDMA Präzisionswerkzeuge

Andrea Gillhuber,

Zecha kritisiert Wirtschaftspolitik

Laut dem VDMA-Fachverband Präzisionswerkzeuge blieb der Produktionswert mit rund 10,4 Milliarden Euro rund 7 Prozent hinter dem Rekordjahr 2018 zurück. Kritik gab es für die Wirtschaftspolitik in Bezug auf den Automobilbau.

Stefan Zecha, Vorsitzender VDMA Präzisionswerkzeuge, zur Lage der Branche. © VDMA Präzisionswerkzeuge

Der VDMA-Fachverband Präzisionswerkzeuge hat die Jahresbilanz 2019 vorgelegt. Demnach blieb der Gesamtumsatz der Branche mit rund 10,4 Milliarden Euro rund 7 Prozent unter dem des Rekordjahres 2018 zurück. Vor allem im deutschen und chinesischen Markt lief es deutlich schlechter als erwartet. Wie auch auf andere Teilbranchen des Maschinen- und Anlagenbaus wirkten sich der Strukturwandel im Automobilbau, die deutliche geringere weltweite PKW-Produktion sowie die generelle Investitionszurückhaltung negativ auf den Bereich Präzisionswerkzeuge aus. Zulegen konnten hingegen die Branchen Medizintechnik sowie Luftfahrt. Für das Jahr 2020 geht der Fachverband von einem Produktionswert rund 9,8 Milliarden Euro aus.

Zwischen Krise und Existenzbedrohung

Stefan Zecha, Vorsitzender VDMA Präzisionswerkzeuge, zur Lage der Branche: „Seit etwa einem halben Jahr werden wir regelmäßig darauf angesprochen, ob die aktuelle Situation für die Präzisionswerkzeuge-Industrie eine Krise ist. Darauf möchte ich diplomatisch antworten. Eines steht fest: Für einige Unternehmen unserer Branche ist die derzeitige wirtschaftliche Phase bereits eine echte Krise und für manche sogar existenzbedrohend. Die Hoffnung auf eine Rückkehr zu Wachstum noch in diesem Jahr ist derzeit gedämpft. Aktuell fährt der überwiegende Teil der Branche noch Zeitkonten zurück. Bei vielen Unternehmen ist aber bereits Kurzarbeit zumindest in Planung.“

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Eine Entspannung der Lage sieht Zecha frühesten ab dem zweiten Halbjahr, wenn die Nachfrage nach Werkzeugen wieder anziehen könnte. Allerding dämpfte er die Erwartungen, denn insgesamt dürfte „2020 noch einmal unter Vorjahresniveau liegen“. Dennoch gäbe es aus der Automobilindustrie erste Signale, dass die Produktion im Jahresverlauf wieder steigen und sich die Nachfrage nach Werkzeugen stabilisieren könnte. Festlegen wollte er sich nicht.

Harsche Kritik an der Politik

Zecha kritisierte in seinem Statement zudem die Politik: „Manchmal kommt es mir vor, als ob in unserem Land Wirtschaftspolitik ohne Sinn und Verstand betrieben würde. Denn es ist nun einmal töricht an dem Ast zu sägen, auf dem man sitzt. Der teilweise faktenfreie Umgang mit Technologien, wie dem Verbrennungsmotor, der als Sündenbock für sämtliche Umweltverschmutzung herhalten muss, ist nur ein Beispiel. Dabei kann ausgerechnet der Dieselmotor – etwa in einem Hybridfahrzeug – dabei helfen, das Klima zu schützen.“ Zecha betont, dass die Emission eines solchen Motors in erster Linie keine Frage der Motortechnologie sei, sondern des verwendeten Treibstoffs. „Noch einmal möchte ich dafür plädieren, dass sich die Politik mit Augenmaß um die Rahmenbedingungen kümmern soll, um unsere und die Lebensgrundlagen der zukünftigen Generationen zu erhalten. Aber sie muss, Schuster bleib bei Deinem Leisten, sich aus der Technologiediskussion raushalten und die Ingenieure für die sauberste Mobilität sorgen lassen“, so Zecha. Auch kritisierte Zecha die Überregulierung in Deutschland, die vor allem kleineren und mittleren Unternehmen überproportional zusetzen würde. Als Beispiel nannte er hier die Entsenderichtlinie sowie die DSGVO. Zecha: „Der einzige Effekt solcherlei Regelungen ist, dass unsere Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt einbüßen und dadurch die Arbeitsplätze weniger sicher werden.“

Die Branche in Zahlen

Laut ersten Hochrechnungen liegt der Produktionswert laut VDMA Präzisionswerkzeuge bei rund 10,4 Milliarden Euro. Hersteller von Zerspanwerkzeugen kamen mit einem Minus von rund 4 Prozent im Vergleich der Teilbranchen am glimpflichsten davon, gefolgt vom Werkzeugbau mit einem Minus von 8 Prozent und den Spannzeugen mit einem Verlust von 9 Prozent. Die Tatsache, dass Präzisionswerkzeugen Produktivitätsgewinne ohne große Investitionen ermöglichen, ist wohl auch der Grund, warum die Rückgänge nicht stärker ausfielen.

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