Interview mit Dr. Alexander Broos

Andrea Gillhuber,

Universelle Maschinenschnittstelle: Auf dem Weg zur Internationalität

Der VDW hat gemeinsam mit Partnern eine universelle Schnittstelle für Werkzeugmaschinen entwickelt. Auf der AMB feierte umati Premiere. Projektleiter Dr. Alexander Broos über den Stand der neuen Schnittstelle.

SCOPE: Was zeichnet umati (universal machine tool interface) aus?

Projektleiter Dr. Alexander Broos, VDW. © VDW

Alexander Broos: Umati ist eine offene Schnittstelle zwischen Werkzeugmaschinen und übergeordneten Softwaresystemen, zum Beispiel ERP. Sie wird es ermöglichen, dass man Maschinen unterschiedlicher Hersteller ganz einfach in kundenseitige IT-Ökosysteme integrieren kann – ähnlich, wie man es im PC-Bereich von der USB-Schnittstelle kennt. Bislang müssen solche Schnittstellen meist individuell für jedes Kundenprojekt entwickelt oder angepasst werden, was einen hohen zeitlichen und personellen Aufwand bedeutet. Das alles könnte mit einer international anerkannten Standardschnittstelle, zu der sich umati entwickeln soll, Vergangenheit werden. Um diesen Schritt zu erleichtern, setzt umati konsequent auf OPC UA als Kommunikationsstandard.

SCOPE: Wie ist der Stand der Standardisierung?

Broos:
Ein Kernteam von acht Werkzeugmaschinenherstellern arbeitet seit der EMO Hannover 2017 zusammen, um den neuen Standard auf den Weg zu bringen. Wir haben darüber hinaus noch die wichtigsten Steuerungshersteller mit ins Boot holen können, denn jede offene Schnittstelle muss sich mit den gängigen Steuerungen verbinden können, und keiner kennt diese besser als der jeweilige Hersteller. Als wissenschaftlicher Begleiter unterstützt uns das sehr erfahrene Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen (ISW) der Universität Stuttgart. Trotz anfänglicher Hürden aufgrund unterschiedlicher Anforderungen an eine Standardschnittstelle in den verschiedenen Unternehmen hat das Projekt ordentlich Fahrt aufgenommen und wir konnten auf der AMB Stuttgart im September bereits einen ersten Showcase, einen Proof of Concept, vorstellen. Dabei hatten wir Maschinen von neun Herstellern mit den fünf unterschiedlichen Steuerungen an eine Vielzahl von Kommunikationspartnern angebunden. Mittlerweile haben wir über 100 Parameter definiert. Im nächsten Schritt wird daraus der Entwurf einer OPC UA Companion Specification abgeleitet.

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SCOPE: Wie ist das internationale Feedback auf die deutsche Initiative?

Broos: Wir sind in intensiven Gesprächen mit unseren internationalen Schwesterverbänden sowie den wichtigsten ausländischen Maschinenherstellern. Das Feedback ist durchweg positiv. Allen voran stimmen wir uns mit dem US-amerikanischen AMT ab, der ja mit MT-Connect bereits einen Standard vorangetrieben hat, der eine ähnliche Zielstellung verfolgt. Allerdings konnte er sich außerhalb der USA bisher nicht wirklich etablieren. Wir prüfen derzeit, ob und wie Teile dieses Standards in umati integriert werden können.

In Asien besteht ebenfalls großes Interesse an umati. Wir werden in zunächst engerem Rahmen eine Zusammenarbeit mit Japan initiieren, und wir prüfen auch die Einbindung der chinesischen Industrie. Südkorea hat ebenfalls Interesse an einer Kooperation signalisiert. In Europa stehen wir ohnehin über den europäischen Werkzeugmaschinenverband Cecimo in engem Kontakt mit den einzelnen Ländern.

SCOPE: Wie geht es jetzt weiter?

Broos: Wie schon erwähnt, arbeiten wir an unserem ersten Entwurf für die OPC UA Companion Specification. Sobald diese veröffentlicht ist, was Anfang kommenden Jahres geschehen soll, kann die internationale Community an der weiteren Erarbeitung und Verbreitung des Standards mitwirken. Dafür wird eine sogenannte Joint Working Group unter dem Dach der OPC Foundation eingerichtet, die dann Kommentare und Anregungen entgegennehmen und deren Umsetzung prüfen wird.

Im Rahmen der EMO Hannover wollen wir den ersten konkreten, international abgestimmten Entwurf unserer Companion Specification vorstellen und einen deutlich erweiterten Showcase zeigen.

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