Abwasser-Recycling

"Die Verkettung der Komponenten ist ein Novum"

Der STM-Grundgedanke, Wasserstrahl-Schneidanlagen an die Bedürfnisse des Kunden organisch und modular anzupassen, um dadurch noch wirtschaftlicher und effizienter zu schneiden, zeigt sich in allen Aspekten des One-Clean-Systems. SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz fragte Jürgen Moser, Geschäftsführer STM Stein-Moser GmbH, zu dem modularen Allroundsystem für Wiederaufbereitung und Reinigung von Abrasiv und Wasser für Wasserstrahl-Schneidanlagen.

Jürgen Moser, Geschäftsführer STM Stein-Moser.

SCOPE: Welche Rolle spielt die Wasserqualität beim Wasserstrahlschneiden?

Jürgen Moser: An sich ist Wasserstrahlschneiden ein sehr umweltfreundliches Trennverfahren. Dennoch ist Wasserqualität ein wichtiges Thema beim Wasserstrahlschneiden. Je höher die Qualität, desto höher die Lebensdauer der gesamten Anlage. Besonders die Hochdruckpumpe reagiert empfindlich auf schlechte Wasserqualität. Wenn man sich vorstellt, dass innerhalb von einer Minute bis zu 3,4 Liter mit mehreren tausend bar durch die Verrohrung gepumpt werden, ist das auch nicht verwunderlich. Zweitens wird die Rolle des Wassers auch in Zukunft noch eine weitaus wichtigere werden. Stichworte hierzu sind strengere Umweltrichtlinien, ressourcenschonendes Wirtschaften und steigende Rohstoffpreise.

SCOPE: Ist die Anlage für die Aufbereitung des Reinwassers oder auch des Abrasivwassers geeignet?

Jürgen Moser: Das OneClean System wurde so konzipiert, dass es für alle Einsatzmöglichkeiten des Wasserstrahlschneidens relevant ist. Grundsätzlich kann nahezu jede Qualität von Scheidwasser gereinigt werden.

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Abrasiv kann jederzeit abgeschieden werden. Die Anlage verfügt über eine Absetzbecken, um das Abrasiv in Bigbags auszubringen und es zu entsorgen. Im Reinwasser-Bereich ist das Abscheiden von Schneidrückständen ein genauso wichtiges Thema. Auch das Wiederaufbereiten von Wasser und das Einrichten eines Wasserkreislaufes sind für mache Anwender ein gewichtiger Grund für die Installation des Systems. In seiner Endausbaustufe kann Abrasiv auch wiederaufbereitet werden. Dann wird es im Abrasiv-Mischbehälter mit neuem zusammengeführt und kann erneut verwendet werden.

SCOPE: Können die Rein- und Abrasiv-Abwasser wieder vollkommen aufbereitet werden?

Jürgen Moser: Das System bietet dank seiner Modulbauweise die Möglichkeit, Wasser mit verschiedensten Filtrationsstufen zu reinigen. Mit unserem Hydrofilter trennen wir das Wasser von Abrasiv und groben bis mittleren Schneidrückständen. Das Wasseraufbereitungsmodul filtert das Wasser soweit, dass es den europäischen Einleitebestimmungen genügt. Das erleichtert Genehmigungsverfahren enorm. Mit der Feinfiltration des Wasserkreislaufmodules wird das Wasser bis zu einer Trenngröße von 1 µ gefiltert. Das heißt, dass sogar Bakterien aus dem Wasser gefiltert werden. Danach kann man es ohne Bedenken wieder in die Hochdruckpumpe einspeisen. In diesem Fall muss man nur das Wasser, das durch Verdunstung verloren geht, neu in den Kreislauf einbringen.

SCOPE: Gibt es solche Systeme bereits am Markt?

Jürgen Moser: Systeme, die einzelne Aufgaben des OneClean Systems übernehmen könnten, gibt es bereits am Markt, aber die Verkettung der Komponenten ist ein Novum. Das Besondere ist, dass die einzelnen Module miteinander kommunizieren. Die Siemens SPS7 Steuerung kann auch mit der Steuerung der Wasserstrahlschneid-Anlage verbunden werden, um noch bessere Synergieeffekte zu erreichen. Auch unser technologischer Ansatz ist in mancher Einzelkomponente einzigartig. Unser Ziel ist es, unseren Kunden ein System zu bieten, das alle Stücke in der Wasseraufbereitung spielen kann.

SCOPE: Kann die Anlage nachgerüstet werden? Auch an Wasserstrahlschneidmaschinen anderer Hersteller?

Jürgen Moser: Ein Hauptziel während der Entwicklung war es, das System so offen und modular wie möglich zu gestalten. Ein Upgrade der Anlage ist jederzeit möglich undauch der Einsatz bei einer Wasserstrahlschneidanlage eines anderen Herstellers stellt kein Problem dar. Wir bei STM glauben an unser Baukastensystem. Somit können wir Interessenten Anlagen bieten, die all Ihre Bedürfnisse erfüllen, ohne in die Preisklasse des Sonderanlagenbaus zu rutschen. Wir wollen mit unseren Kunden wachsen und nicht möglichst hohe Stückzahlen absetzen. Lieber passen wir eine Anlage an die neuen Gegebenheiten an.

SCOPE: Kann die Recyclinganlage auch anderweitig anfallende Industrieabwässer aufbereiten?

Jürgen Moser: Ursprünglich war das System nur für das Wasserstrahlschneiden ausgelegt, aber im Laufe der Entwicklung sind immer mehr potentielle Anwendungsgebiete entdeckt worden. Wir sind selbst überrascht, aus welchen Branchen und in welchen Zusammenhängen das OneClean-System Interesse generiert.

SCOPE: Wie schnell macht sich die Anlage bezahlt?

Jürgen Moser: Intern rechnen wir mit einem Amortisationszeitraum von 3 bis zu 7 Jahren bei einem typischen 1-Schichtbetrieb im Stahlbereich. Aber das ist nur eine Modellrechnung. Im Endeffekt ist noch sehr viel mehr entscheidend. Interessenten bieten wir immer eine genaue Wirtschaftlichkeits-Analyse. Da kann man sehr genau sehen, ab wann sich das System rechnet.

SCOPE: Für Anwender die hier unsicher sind: Gibt es Möglichkeiten, das Sparpotenzial einzuschätzen?

Jürgen Moser: Circa. 30% der operativen Kosten entfallen auf Abrasiv. Das allein zeigt schon ein unglaubliches Optimierungspotential auf. Die Kosten für Wasser sind derzeit zwar überschaubar, aber werden in Zukunft sicher steigen. Vielleicht noch wichtiger ist, dass die Wasserqualität direkt mit der Lebensdauer der Hochdruckpumpe sowie der gesamten Anlage in Verbindung steht.

SCOPE: Kann man die Anlage auch leihen?

Jürgen Moser: Grundsätzlich spricht nichts gegen einen Probebetrieb. Aber bei einem überschaubaren Investment von circa €30.000,- für die Gesamtanlage und dem äußerst positiven ROI ist die erste Option immer ein Kauf. Wir unterhalten uns mit jedem Interessenten über verschiedenste Finanzierungsmodelle, um die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu finden.  

SCOPE: Wo kann sich der Interessent die One Clean-Anlage anschauen?

Jürgen Moser: Der erste Prototyp, der außerhalb unserer Hallen zum Einsatz gekommen ist, steht bei Eisen Neumüller in Ennsdorf bei Enns. Aber wir werden das OneClean auf allen Messen ausstellen und laden alle Interessenten herzlichst dazu ein, uns in Eben zu besuchen. kf

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