Frässystem

Zeit, dass sich was dreht

forderte schon Grönemeyer 2006 in seiner WM-Hymne - weniger auf den Ball, sondern eher auf Werkzeugsysteme bezogen, hat sich Pokolm dieser Herausforderung erfolgreich gestellt und Spinworx entwickelt. Dieses System dreht sich mit und macht das manuelle Weiterdrehen überflüssig. Die neue Technologie verabschiedet sich vom bisherigen starren, stehenden System der Wendeschneidplatten. "Die herkömmliche Technik macht je nach Material- und Bearbeitungsparametern nach 20 bis 45 Minuten einen Maschinenstopp nötig", erklärt Firmengründer Franz-Josef Pokolm. "Dann ist die Verschleißgrenze der Schneidkante im Fräsbereich der Platte erreicht und die Wendeschneidplatte muss manuell weitergedreht werden." Mangels Alternativen mussten die relativ geringen Standzeiten und die damit verbundenen hohen Maschinenstillstand- sowie Nebenzeiten in Kauf genommen werden. Mit Spinworx gehört das händische Weiterdrehen der Wendschneidplatten der Vergangenheit an: Sie dreht sich von selbst während des Fräsprozesses mit. Denn sie wird nicht mehr durch Verschraubung starr im Trägersitz fixiert, sondern mit einem eingedrehten Stehbolzen an Ort und Stelle gehalten. Die Spielpassung des Bolzens und die Aufnahme im Träger sind dabei so definiert, dass das System ohne weitere Klemmelemente auskommt. Die Bestätigung, dass sich die Wendeschneidplatten tatsächlich weiterdrehen, erbrachten Aufnahmen mit einer Hochgeschwindigkeitskamera des WZL der RWTH Aachen. "Die Umdrehungsgeschwindigkeit, die durch die Kamera sichtbar wurde, ist abhängig von den Fräsparametern wie Drehzahl, Vorschub und Frästiefe und äußerst gleichmäßig", beschreibt Franz-Josef Pokolm das Ergebnis. "Dadurch wird ein ebenso gleichmäßiger Verschleiß der Wendeschneidplatte durch die nicht mehr punktuellen Belastungen erreicht." Die Folge: Die Hartmetallalterung verlangsamt sich deutlich, weil sie sich ausgeglichen über den gesamten Umfang der Schneidkante verteilt. Gleichzeitig wird durch die Drehung das Potenzial der Wendeschneidplatte zu 100 Prozent ausgenutzt, während beim manuellen Weiterdrehen eines herkömmlichen Systems nie der gesamte Umfang der Platte zum Einsatz kam. "In der Summe ergeben sich unter optimalen Bedingungen beim drehenden System im Vergleich zu konventionell befestigten Wendeschneidplatten bis zu vierfach höhere Standzeiten", betont Produktmanager Sven Rahmlow die wirklich außergewöhnlichen Resultate dieser Innovation. "Im gleichen Maß steigt das gesamte Zerspanvolumen, weil der Fräsprozess nicht unterbrochen werden muss. Und die sonst unerlässlichen Nebenzeiten während einer kompletten Schicht entfallen."

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Kundentests bestätigten die Leistungsfähigkeit

Die Testläufe mit dem System bei Pokolm-Kunden waren anfänglich von Skepsis begleitet. Karl-Heinz Greßmeier von Hermesmeyer & Greweling aus Marienfeld erinnert sich: "Beim starren System bedeutet die Lockerung einer Wendeschneidplatte gleichzeitig ihr Aus. Entsprechend skeptisch reagierten wir deshalb zunächst auf die Ankündigung von Pokolm, dass sich da was dreht." Doch der Fräsversuch bei (Firma) startete problemlos. Und als nach etwa 40 Minuten der Zeitpunkt des händischen Weiterdrehens verstrichen war, ohne dass Veränderungen am Werkzeug und der Wendeschneidplatte festgestellt werden konnten, wichen die Vorbehalte. Greßmeyer: "Weitere drei Stunden später hatte uns Spinworx von seiner ungewöhnlichen Technologie und Leistungsfähigkeit überzeugt." Erfreut registrierten die Tester auch die Tatsache, dass die Abmessungen der neuen Reihe denen des bisherigen feststehenden entsprechen und somit austauschbar ist, ohne dass Änderungen am Programm notwendig werden. Neben den bereits erwähnten Vorteilen des geringen Verschleißes und der langen Standzeiten gibt es weitere positive Effekte. Die je nach Bedingungen deutlich geringere Spanstauchung bedingt eine bis zu 30 Prozent geringere Leistungsaufnahme gegenüber dem herkömmlichen System. Das wiederum wirkt sich schonend auf die Maschinenspindeln aus. Zudem verringert die deutlich höhere Laufruhe noch die Geräuschentwicklung und die Indexierung der Wendeschneidplatten ist beim Spinworx nicht mehr nötig. Wie bei den herkömmlichen Wendeschneidplatten reicht das Spektrum der Fräsdurchmesser beim Spinworx von 25 bis 200 Millimeter. Das System ist je nach Wahl des Hartmetalls und der Beschichtung insbesondere für das Fräsen von Stahl und Guss geeignet. Weitere Platten sind derzeit in Vorbereitung. lg

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