Formenbau

Doch wie am Schnürchen

Schnurlostelefone für den weltweiten Markt entwickelt Gigaset ¿ und das in Deutschland, als einziger. Der Formenbau hat es geschafft, im Wettbewerb mit Fernost zu bestehen. Grund dafür waren und sind die Investitionen des Bocholter Unternehmens in Senkerodieranlagen von GF Agie Charmilles.
Gigaset SL400A erhielt als schnurloses Festnetztelefon mit Anrufbeantworter mehrere Auszeichnungen.

Mit 14 Millionen Geräten im Jahr versorgt Giagset kontaktfreudige Menschen in allen Herren Länder. "Unsere Produkte werden vom Markt angenommen", berichtete Bernhard Schaffeld, Leiter Formenbau bei Gigaset Communications GmbH in Bocholt, auf einer Kundenveranstaltung der GF Agie Charmilles Deutschland in Schorndorf über die Erfolgsgeschichte der schnurlosen Telefone "Unser Erfolg ist begründet im Know-how der Mitarbeiter, die ihre Aufgaben mit den richtigen Technologien in der richtigen Arbeitsfolge umsetzen. Es macht uns auch ein wenig stolz, im Hochlohnland Bundesrepublik Deutschland zu produzieren und Formen nach deutschen Qualitätsstandards herzustellen." Am Standort Bocholt arbeiten 1400 Mitarbeiter, davon 30 im Formenbau. 400 Mitarbeiter in München sorgen hauptsächlich für einen guten Vertrieb. Hergestellt werden schnurlose Tischtelefone, aber auch schnurgebundene Anlagen-Telefone, Telefone für die ISDN- oder iP-Telefonie als Highendgeräte - und auch Lowendgeräte werden nicht dem Wettbewerb überlassen. Mehr als 80 Prozent aller Geräte gehen in den europäischen Markt. Die Jahreszeit mit Stückzahlschwankungen und die Variantenvielfalt verlangen Flexibilität und Produktivität. Vor zehn Jahren war die kleinste Losgröße in der Produktion noch 5000 Stück, heute bringt die kleinste Losgröße 120 Stück. "Wir stellen uns dieser Herausforderung", so Bernhard Schaffeld.

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Konkurrent China

Der Hersteller misst sich seit Anfang der neunziger Jahre mit den Werkzeugen aus Fernost. Bernhard Schaffeld berichtet: "Anfang der neunziger Jahre waren wir doppelt so teuer wie der Formenbau in Singapore. Wir haben umorganisiert, investiert, die Mannschaft halbiert und das Kostenziel erreicht. Im Jahre 1996 kam der Wettbewerb aus China ins Spiel. Mit gleichbleibender "Mannschaft" und neuen strategischen und fertigungstechnischen Maßnahmen im Formenbau ist es uns gelungen, 2001 gleichzuziehen." Die Anzahl der Formennester je Großform spielt für die Produktivität eine Rolle, sie wurde erhöht. Eine weitere Herausforderung gab es noch einmal nach 2004. Verbesserte Technologien im Werkzeug- und Formenbau waren der Erfolgsgarant, und wieder die Strategie: "Wir bauen die Erstwerkzeuge selbst, in Fernost werden dann die gleichen Formen nach unseren Konstruktionszeichnungen und unseren Qualitätsstandards für uns hergestellt." Im Formenbau in Bocholt werden etwa 33 Großformen im Jahr gebaut.

Erodieren auf dem neuesten Stand

Die Erstellungszeit eines Spritzgießwerkzeugs konnte seit 1992 von 107 Tagen auf 35 Tage gesenkt werden. Dem Prozessketten-Meilensteinen "Design" und "Konstruktion" folgt der "Formenbau", wenn das Produkt steht und die entsprechende Investition freigegeben wird. Die Serienfreigabe am Ende der Prozesskette bedeutet Teile- und Werkzeugfreigabe. Für Entwicklung und Fertigung ist hohe Datendurchgängigkeit selbstverständlich. Standardisierte und automatisierte Prozesse helfen sowohl der Formenkonstruktion und Programmierung als auch bei der anschließenden Elektrodenfertigung. Jeder Fertigungsschritt muss die erwartete Qualität erbringen, manuelle Nacharbeit ist nicht vorgesehen. Getaktete Abläufe schaffen Übersicht, sind wenig störanfällig und bedeuten gleichmäßige Kapazitätsauslastung. Engpässe sind gut erkennbar, auf sie kann treffsicher reagiert werden, zum Beispiel mit verbesserten Technologien in Form einer neuen Werkzeugmaschine. Das Beispiel Senkerodieren zeigt gut, wie mit Investitionen in weiterentwickelte Technologien deutliche Produktivitätssprünge möglich sind. Von der Senkerodiermaschinen Innovation über die Hyperspark mit 30 Prozent mehr Durchsatz bis hin zur Form 2000 von heute, mit der GF Agie Charmilles die Leistungsgrenzen der Senkerosion in Richtung Produktivität und Präzision neu definiert hat. Auf diesem Wege ist es auch gelungen, die Dünnwandtechnologie für die Spritzguß-Kunsttoffschalen zu realisieren, die Taktzeiten für das Spritzgießen entscheidend herabzusetzen und 20 Prozent Kunststoff weniger zu verspritzen. Eine wichtige Rolle für die Produktivität spielt auch, dass nur Grafit-Elektroden verwendet werden, bei denen viele Stege zu einer Elektrode und einem Erodiervorgang zusammengefasst werden können. Durch die Entwicklung der Generatoren an Senkerodiermaschinen der GF Agie Charmilles läuft der Erodiervorgang inzwischen nahezu ohne Elektrodenverschleiß ab. Die C-Bauweise der Maschine bietet gute Zugänglichkeit beim Einrichten. ee/lg

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