Interview mit Thierry Wolter, Ceratizit

Andrea Gillhuber,

Präzise investieren

Die Ceratizit-Gruppe baut ihr Portfolio entlang der Wertschöpfungskette weiter aus, auch mit Akquisitionen. SCOPE-Chefredakteurin Andrea Gillhuber fragte bei Thierry Wolter, Vorstandsmitglied der Ceratizit-Gruppe, nach den Gründen für die jüngste Akquisition und inwieweit die weltpolitische Lage dabei eine Rolle spielte.
Ceratizit-Vorstandsmitglied Thierry Wolter © Ceratizit

Im Februar hat die Ceratizit-Gruppe Anteile an Stadler Metalle erworben, um die Rohstofflieferkette abzu-sichern. Wie kam es dazu?

Das Thema Rohstoffe ist für uns sehr wichtig. Wir stellen nicht nur Wendeschneidplatten und Werkzeuge her, sondern sind auch Rohlingslieferant. Weltweit zählen wir zu den Top-3-Wolfram-Konsumenten. Daher ist Recycling nicht nur aus umwelttechnischen Gründen, sondern auch zur Sicherung der Rohstoffversorgung von großer Bedeutung. Natürlich haben wir nicht zuletzt durch unser Schwesterunternehmen GTP Recyclingkapazitäten im Haus, doch fehlte uns beispielsweise die Logistikkette: zurückkaufen, sortieren, bewerten. Das bringt die Firma Stadler nun mit ein.

Erwarten Sie in Zukunft Probleme bei der Materialverfügbarkeit?

Kurzfristig noch nicht, doch je nachdem, wie sich beispielweise die Elektromobilität weiterentwickelt, könnten mittelfristig Engpässe bei Kobalt entstehen. Ein weiterer Punkt ist, dass Kobalt meist aus dem Kongo kommt – ein politisch eher unstabiles Land. All dies kann dazu führen, dass sich Materialverfügbarkeit schnell zu einem strategischen Thema entwickelt. Durch diese Akquisition konnten wir uns eine gewisse Sicherheit aufbauen.

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China sichert sich viele Rohstoffquellen in Afrika. Inwieweit haben die Handelsstreitigkeiten zwischen China und USA Auswirkungen auf Ihr Unternehmen?

Vor einem halben Jahr wäre ich noch nicht beunruhigt gewesen. Die Entwicklungen der letzten Monate sorgen aber doch für eine leichte Verunsicherung. Wir werden dies weiterhin beobachten. Im Umkehrschluss bedeutet es für uns auch, dass wir so gute Produkte haben müssen, dass wir trotz Strafzöllen wettbewerbsfähig bleiben.

Der Markt wird vorsichtiger mit Prognosen. Wie sehen Sie die Entwicklung der Märkte gesamt und für Ihr Unternehmen?

Nach einem Rekordgeschäftsjahr 2018/2019 mit 1,2 Milliarden Euro Umsatz wird es dieses Jahr schwer sein, noch eins draufzulegen. Wir sehen im Moment eher ein leichtes Minus im laufenden Geschäftsjahr, aber noch keinen Einsturz. Trotzdem sind wir vorsichtiger geworden, vor allem wegen der globalen wirtschaftspolitischen Entwicklungen. Für uns bedeutet dies allerdings nicht, Investitionen zu stoppen, sondern präziser einzusetzen.

Plant die Unternehmensgruppe weiter Zukäufe, wenn ja, welche?

Das Wichtigste an Zukäufen ist, diese vollständig in die Gruppe zu integrieren. Es gibt noch einige Lücken in unserem Portfolio und wir haben auch immer Ideen, aber wir konzentrieren uns jetzt auf die Integration unserer Akquisitionen.

Auf der AMB 2018 stellte Ceratizit mit High Dynamic Turning und den Werkzeugen Free Turn eine neue Drehtechnologie vor. Wie ist die Resonanz am Markt?

Die Resonanz ist erstaunlich gut! Wir hatten auf der AMB ja ein Produkt beziehungsweise ein Drehverfahren vorgestellt, das noch nicht serienreif ist. Im Moment arbeiten wir mit vielen großen Werkzeugmaschinen- und Steuerungshersteller zusammen, damit diese ihre Produkte bezüglich High Dynamic Turning adaptieren können. Das ist das Ziel bis zur EMO Hannover.

Gibt es schon industrielle Einsätze des Werkzeugs?

Wir waren uns auf der AMB bewusst, dass wir eine revolutionäre Idee präsentieren. Und die Endkunden zeigen ein hohes Interesse daran. Zum Teil laufen schon Tests. Vor allem in Automobilindustrie setzten Kunden das Werkzeug bereits auf kompatiblen Dreh-Fräszentren ein und lassen erste Tests laufen. Auf der EMO Hannover wird dann ein voll kompatibles Dreh-Fräszentrum mit High Dynamic Turning zu sehen sein.

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