Hausausstellung Hermle

Andrea Gillhuber,

Mehr Digitalisierung und Automatisierung

Anfang Mai öffnete die Maschinenfabrik Berthold Hermle ihre Tore zur Hausausstellung und nutzte die Gelegenheit, neue Automatisierungs- und Digitalisierungsansätze zu präsentieren.

Automatisierte Werkzeugmaschine bei Hermle. © Hermle

Insgesamt vier Tag öffnete Hermle seinen Standort in Gosheim für Publikum. Rund 2.300 Fachbesucher von über 1.000 Firmen nutzten die Gelegenheit, sich ein Bild über die aktuellen Entwicklungen und Trends des Familiengeführten Unternehmens zu machen. Der Werkzeugmaschinenspezialist zeigte neben seinen Maschinen auch Automatisierungslösungen und Neues aus dem Bereich Digitalisierung. Für die versammelte Fachpresse gab der Vorstand zudem nochmals Einblick in das vergangene sowie einen Ausblick in das laufende Geschäftsjahr.

Neues Robotersystem für fünf Maschinemodelle

Erstmals gezeigt wurde die zweite Generation des Robotersystems RS 05-2. Das System kann nun frontal an die Maschinen C 250, C400 und C32 sowie seitlich an die Maschinen C 12 und C 22 adaptiert werden. Dafür benötigt das modulare Robotersystem einen Platz von circa 2 m². Je nach Anwendungsfall kann es mit verschiedenen Speichermodulen ausgestattet werden: Als System mit Einfachmatrize, einem Speicher mit fünf Teleskopschubladen mit Matrizenablage, einem Palettenspeicher oder auch als Kanban-System.

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Für die zweite Generation wurde die Tragkraft des Roboters erhöht: Er kann nun Rohlinge beziehungsweise Werkstücke mit einem Gewicht bis 10 kg handeln.

Er wird auch für das Matrizenhandling aus und in die verschiedenen Speicher benutzt, indem er mit einer Zug- und Schubvorrichtung, adaptiert am Greifer, die Matrizen aus dem Speicher herauszieht oder wieder hineinschiebt. Wahlweise kann der Roboter mit einem Einfach- oder Doppelgreifer ausgestattet werden. Zur Reinigung der Spannvorrichtung hat er zudem eine zusätzliche Abblaseinheit.

Mittels der Grafischen Roboter Programmierung (GRP), welche in das SmartPad integriert ist, werden via Eingabewerte die verschiedenen Werkstückrohlinge auf den Matrizen positioniert, Roboterabläufe und das Einlegen der Werkstücke in die jeweilige Spannvorrichtung der Maschine umgesetzt.

Zudem wurde der Zugang für den Bediener zur Maschine optimiert, sodass dieser den Arbeitsraum als auch den Speicher für manuelle Einricht- oder Prüfarbeiten besser erreichen kann.

Unterstützt wird das Robotersystem vom Hermle Automation-Control-System, kurz: HACS. Die Automatisierungssoftware ist seit längerem an den Palettenwechsel- und Handlingsystemen und auch an Roboteranlagen im Einsatz. Zusätzlich ist am Rüstplatz ein schwenkbares Bedienpanel adaptiert. Die Bedienoberfläche ermöglicht es dem Werker unter anderem verschiedene Anwendungen und Bedienfunktionen wie Drag&Drop. Zudem bietet der klare Aufbau des Systems sowohl am Rüstplatz als auch an der Maschinensteuerung einen Überblick über alle relevanten Daten, seien es nun eine Systemübersicht, Arbeitspläne, Paletten, Ablaufplan, Aufgaben oder eine Werkzeugtabelle. Alle neu gerüsteten Werkstücke werden automatisch in den Ablaufplan eingereiht. Durch die Definition von Aufträgen können diese priorisiert werden.

Erfolgreiches 2018, für 2019 Umsatzrückgang erwartet

Weltweit konnte der schwäbische Werkzeugmaschinenhersteller den Auftragseingang steigern. Konzernweit stieg er um 9,9 Prozent auf 475,9 Millionen Euro (2017: 433,2 Millionen Euro). In Deutschland lag der Auftragseingang bei 217,9 Millionen Euro (2017: 171,7 Millionen Euro), aus dem Ausland kamen Aufträge in einem Wert von 258,0 Millionen Euro (2017: 261,5 Millionen Euro). Der Auftragsbestand des Hermle-Konzerns erhöhte sich per Ende 2018 im Stichtagsvergleich um 18,4 Prozent auf 148,0 Millionen Euro.

Der Umsatz wuchs im abgelaufenen Geschäftsjahr um 12,7 Prozent auf einen Rekordwert 452,9 Millionen Euro (2017: 402,0 Millionen Euro). Dabei entfielen 186,8 Millionen Euro auf das Inland, 266,1 Millionen Euro auf das Ausland. Die Exportquote stieg leicht um 0,6 Prozentpunkte auf 58,8 Prozent. Positiv Auswirkungen auf die Ertragslage seien laut Unternehmen auf die gute Auslastung, das hochwertige Produktportfolio sowie Währungsgewinnen zurückzuführen. Dadurch konnten auch die steigenden Rohstoffkosten kompensiert werden. Insgesamt erhöhte sich das Betriebsergebnis (Ergebnis vor Zinsen und Steuern, EBIT) um 12,9 Prozent auf 111,7 Millionen Euro (2017: 99,0 Millionen Euro); das Ergebnis vor Steuern, das einen nicht nachhaltigen, positiven Einmaleffekt von 4,9 Millionen Euro enthielt, legte von 99,4 Millionen Euro auf 116,6 Millionen Euro zu. Der Sondereffekt resultierte aus der Anfang 2018 erfolgten Übernahme der restlichen 51 Prozent der Anteile am Gemeinschaftsunternehmen Hermle-Leibinger Systemtechnik GmbH (HLS), die eine Neubewertung der bereits im Besitz der Hermle AG befindlichen übrigen Anteile erforderlich machte. Bereinigt um diesen Einfluss meldet der Konzern ein Vorsteuerergebnis von 111,6 Millionen Euro.

Automatisierung und Digitalisierung sichert die Zukunft

Hermle wird auch in Zukunft auf 5-Achs-Bearbeitungsmaschinen setzen, setzt aber seine Entwicklungsaktivitäten auch im Bereich Automatisierung und Digitalisierung weiter fort. Die beiden Bereiche werden klar als Wachstumsmärkte benannt; verschiedene Hard- und Software-Bausteine wurden bereits entwickelt und präsentiert. Darüber hinaus wurde die additive Fertigungstechnologie, das MPA-Verfahren, die Hermle als Dienstleistung anbietet, an ein neues Maschinenmodell adaptiert. Ein entsprechender Prototyp geht im zweiten Halbjahr 2019 in Betrieb.

Neben den Entwicklungsaktivitäten baut Hermle seine Aktivitäten im Ausland kontinuierlich aus. In Russland wurde 2018 ein neues Gebäude bezogen. Neben der Ersatzteilversorgung der Region sollen dort ein Vorführzentrum und Kapazitäten zur Maschinenüberholung entstehen. In 2019 ist geplant, den Service und Vertrieb in den USA zu erweitern. Zudem sollen neue Tochtergesellschaften in Mexiko sowie im Asien-/Pazifikraum gegründet werden.

All die Aktivitäten sind Maßnahmen, sich auf ein absehbar raueres Umfeld vorzubereiten. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einem Rückgang im Auftragseingang um bis zu 20 Prozent. Angesichts der wirtschaftspolitischen Unsicherheiten wie Handelskriege und Brexit schließt das Unternehmen einen stärkeren Rückgang nicht aus.

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