Fachtage Mapal Dialog

Elektromobilität und die Veränderungen für die zerspanende Industrie

Rund 200 Teilnehmer diskutierten bei den Fachtagen Mapal Dialog Ende Juni darüber, wie schnell sich die Elektromobilität durchsetzt und welche Veränderungen sie für die zerspanende Industrie bringt. Geladene Experten beleuchteten das Thema unter unterschiedlichen Aspekten.

Im Versuchszentrum von Mapal informierten sich die Teilnehmer des Mapal Dialogs über die Neuheiten des Präzisionswerkzeugherstellers. (Bild: Mapal)

Der Automobilsektor ist ein wichtiger Markt für die zerspanende Industrie. So sorgten nicht nur die Neuheiten bei Präzisionswerkzeugen in diesem Jahr für Gesprächsstoff sondern auch zwei ungleich größere Exponate: Ein Smart electric drive und ein BMW i8 waren in den Vortragspausen dicht umringt. Die zerspanende Industrie ist vom Wandel zur Elektromobilität ebenso betroffen wie die Automobilhersteller selbst. Um über diese Herausforderungen zu diskutieren, kamen Ende Juni rund 200 Teilnehmer, darunter Fertigungsspezialisten, Anwender und Entscheider, zum Mapal Dialog nach Aalen. „Genaue Vorhersagen zur E-Mobilität sind schwierig, Konzepte aber gibt es. Darüber sollten wir reden,“ so Dr. Jochen Kress, Mitglied der Geschäftsleitung, bei der Eröffnung der Fachtage.

Mapal hatte Referenten verschiedener Branchen und Fachbereiche eingeladen, um ein möglichst breites Informationsspektrum abzudecken. Beteiligt haben sich der VDMA (Verband der Präzisionswerkzeugindustrie), der Antriebstechnikspezialist Aradex, der Automobilhersteller BMW sowie Vertreter mehrerer Werkzeugmaschinenhersteller. Einig waren sich die Experten darin, dass der Trend zu Elektrofahrzeugen unumkehrbar sei. Niemand könne jedoch derzeit präzise vorhersagen, wie schnell sich diese Entwicklung auf breiter Front durchsetzen wird. Dafür gäbe es zu viele Unwägbarkeiten, etwa im Hinblick auf den Ausbau von Stromnetzen, Ladestationen oder der Batteriereichweite sowie zur Entwicklung des Nutzerverhaltens.

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Markus Heseding (Geschäftsführer des Fachverbandes Präzisionswerkzeuge) bezifferte den aktuellen Marktanteil von Hybrid- und Elektrofahrzeugen in Deutschland auf etwas mehr als ein Prozent. Weil die Politik auf emissionsfreie Fahrzeuge poche, investiere die Automobilindustrie vor allem in die Weiterentwicklung des Elektromotors. „Fahrzeuge mit Verbrenner werden aber nicht verschwinden“, ist Heseding überzeugt. Die Zahl der weltweit produzierten Fahrzeuge werde von derzeit 93 Millionen auf 120 Millionen im Jahr 2030 steigen. Bei gleichbleibendem Niveau für Verbrenner und steigendem Anteil an E-Autos. Erst danach nehme der Anteil an Verbrennungsmotoren und damit an zerspanbaren Bauteilen im Auto ab.

Dr. Jochen Kress sieht in dieser Entwicklung sowohl Risiken als auch Möglichkeiten. „Ein Auto wird immer einen Motor haben, manche auch zwei oder drei.“ Als Sonderwerkzeughersteller komme dem Unternehmen zugute, dass die Gehäusebearbeitung bei Elektromotoren sehr komplexe und anspruchsvolle Werkzeuge erfordere. Dr. Kress wies darauf hin, dass es auch künftig viele Komponenten im Fahrzeug geben werde, die zerspanend bearbeitet würden. Mapal sei zudem auch in anderen Branchen, etwa in der Luftfahrt, in der optischen Industrie und im Gehäusebau von Elektronikgeräten aktiv.

Hersteller von Werkzeugmaschinen und Produktionsanlagen sehen in neuen Technologien und dem Ausbau ihrer Produktprogramme ebenfalls gute Zukunftsperspektiven. Sie gehen von einer allmählichen Konsolidierung des Weltmarktes für Werkzeugmaschinen aus. „Die wachsende Weltbevölkerung und der steigende Lebensstandard in Asien werden aber auch weiteres Wachstum bringen“, so Manfred Maier (COO, Maschinenfabrik Gebr. Heller). Für Dr. Manfred Berger (Executive Vice President Global Business Development MAG IAS) sind flexibel einsetzbare Maschinenkonzepte das Mittel der Wahl. Mit Anlagen in modularer Bauweise seien die Zerspaner für alle Antriebskonzepte gut gerüstet.

Neben der Entwicklung und Produktion von Umrichtern und E-Motoren beschäftigt sich Aradex auch mit der Batteriereichweite. Vorstandsvorsitzender Thomas Vetter geht davon aus, dass Batterien mit einer Tagesleistung von 500 bis 700 Kilometer schon bald realisierbar sind: „Es werden auch Motoren mit höheren Drehzahlen auf den Markt kommen, um Gewicht und Rohstoffe einzusparen“.

Der Leichtbau beim Auto der Zukunft war neben der E-Mobilität ein weiteres Thema der Fachtage. Christoph Thomann (Produktionstechnologie CFK-Bearbeitung BMW Group), Markus Vollmer (Leiter Projektierung Kernwerkstücke CHIRON-Werke) und Ulrich Krenzer (Geschäftsführer Mapal Kompetenzzentrum VHM-Werkzeuge) zeigten den aktuellen Stand der Technik in diesem Bereich. Der Bearbeitung von Komponenten für den Antriebsstrang widmete sich der Vortrag von Siegfried Wendel (Sales Director Mapal). Ob Downsizing beim Verbrennungsmotor, Hybrid oder voll elektrifiziert, Zerspanungs-Know-how sei ein gefragtes Gut: „Die Arbeit wird den Unternehmen noch lange nicht ausgehen.“ kp

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