Dr.-Ing. E.h. Peter Leibinger

„Wir fräsen auch zukünftig nicht“

Die Produktion von 3D-Druckern – damals noch Laser-Sinter-Verfahren genannt – stellte Trumpf 2006 ein. Seit letztem Jahr hat der Laserhersteller am Stammsitz in Ditzingen die Aktivitäten wieder aufgenommen und entwickelt in einem neuen Bereich neue Anlagen für den 3D-Druck von Metallbauteilen. Trumpf präsentiert seine neu entwickelten 3D-Drucker auf der Formnext. Dr.-Ing. E.h. Peter Leibinger, verantwortlich für die Sparte Lasertechnik, erläutert SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz, warum Trumpf wieder in den Markt einsteigt.

"Es ist uns bewusst, dass die Hybridverfahren interessant sind. Ich finde, es gibt bereits interessante Ansätze im Markt. Aber wir werden nicht anfangen, Fräsmaschinen zu bauen. Bei unserem Einstieg setzen wir auf klassische Laser-Metal-Fusion- und Laser-Metal-Deposition-Prozesse," erklärte Dr.-Ing. E.h. Peter Leibinger im Interview mit SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz.

SCOPE: Zur Formnext stellt Trumpf wieder einen eigenen 3D-Drucker vor. Bis 2006 boten Sie mit der Trumaform LF-Reihe bereits solche Maschinen an - warum dieser erneute Strategiewechsel?

Peter Leibinger: Das ist kein erneuter Strategiewechsel, denn wir hatten uns ja auch nur teilweise aus diesem Markt zurückgezogen. Im Bereich des Laser-Auftragschweißens, also Laser Metal Deposition (LMD), sind wir die ganze Zeit aktiv gewesen. Die LF-Reihe, die auf Laser Metal Fusion (LMF) – also dem Generieren im Pulverbett – basierte, bestand bereits aus sehr guten Maschinen. Weil aber die Nachfrage nicht sehr hoch war, hatten wir uns 2006 aus dem LMF-Bereich zurückgezogen. Jetzt kommen Kunden wieder auf uns zu und fragen verstärkt beide Verfahren an. Zudem hat sich inzwischen der Markt deutlich weiterentwickelt.

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SCOPE: Das heißt, Sie haben die LF-Reihe wieder aufgelegt?

Leibinger: Nein, das nicht. Wir werden auf der Formnext unsere Kompetenz in Sachen Additive Manufacturing vorstellen, und zwar in beiden für den Metalldruck relevanten Technologien – sowohl in LMD als auch in LMF. Dort werden wir auch völlig neuentwickelte Maschinen präsentieren.

SCOPE: Zur Laserworld im Juni hat der italienische Lasersystemhersteller Sisma ja bereits eine 3D-Druck-Maschine aus dem Joint-Venture Trumpf-Sisma präsentiert, die My Sint 100. Die Maschine zur Formnext wird auch in der Kooperation produziert?

Leibinger: Im Bereich LMF werden wir zwei Maschinen vorstellen: eine kleinere Trumpf-Maschine, die bereits Marktreife hat. Und eine größere Maschine, die sich noch in der Entwicklung befindet. Wir haben den Start der kleinen Maschine auch mit Know-how aus dem Joint-Venture mit dem größten italienischen Lasersystemhersteller gemacht. Die Trumpf Sisma S.r.l. hat ihren Sitz im italienischen Piovene Rocchette bei Vicenza. Jetzt entwickeln wir in Ditzingen und in Italien parallel neue Maschinen.

SCOPE: Was bringt Sisma bei der neuen Maschine ein?

Leibinger: Sisma hat bei der Entwicklung der kleinen Maschine eine wichtige Rolle gespielt. Sie helfen uns mit ihrem Know-how für diesen preissensitiven Markt insbesondere bei der Aufgabe, kostengünstige Maschinen zu entwickeln.

SCOPE: Wird die neue auch in Italien gefertigt?

Leibinger: Wir werden für unsere große 3D-Druck-Maschine Wertschöpfung sowohl in Italien als auch in Deutschland haben. Als Hersteller muss man so ein Vorhaben breit angehen, deswegen suchen wir unterschiedliche Wege. In Ditzingen arbeiten wir an technologischen Weiterentwicklungen und an allen für den Laser relevanten Dingen und an der Applikations-Entwicklung. In Italien werden andere Aspekte adressiert. Wir werden uns die Arbeit aufteilen: Trumpf ist für den Industriebereich prädestiniert, Sisma für Edelmetallthemen. Das Joint-Venture ist für Trumpf eine interessante Ergänzung, die Firmenkulturen ergänzen sich wunderbar. Wir sind begeistert von der Zusammenarbeit mit Sisma.

SCOPE: Die Sisma My Sint 100 und auch damals die LF-Reihe sind 3D-Druck-Maschinen, die mit dem Laser- Schmelzverfahren LMF arbeiten. Bleibt das so bei der großen Maschine, oder kann die auch fräsen?

Leibinger: Es ist uns bewusst, dass die Hybridverfahren interessant sind. Ich finde, es gibt bereits interessante Ansätze im Markt. Aber wir werden nicht anfangen, Fräsmaschinen zu bauen. Bei unserem Einstieg setzen wir auf klassische Laser-Metal-Fusion- und Laser-Metal-Deposition-Prozesse.

SCOPE: Das heißt, Hybrid kommt später?

Leibinger: Wir haben noch keine konkreten Pläne. Wir wollen erst einmal in Ruhe den Markt analysieren, wobei für mich derzeit noch nicht ganz klar ist, ob es nicht vielleicht vernünftiger wäre, hierfür zwei Maschinen zu verknüpfen.

SCOPE: Sie schließen es aber nicht aus, dass eine Trumpf-Maschine in Zukunft auch fräsen kann?

Leibinger: Doch. Wenn wir das Hybridverfahren verfolgen, dann haben wir mit der TruLaser Cell 3000 schon eine Maschine, die wir für die Produktion aus der Düse ausrüsten können und die gut verkettet werden kann. Die Maschine wurde speziell für die Verkettung mit anderen Verfahren entwickelt.

SCOPE: Die Schneid-Lasertechnologie bietet Trumpf ja auch für andere Hersteller an, die Sie in Ihre Maschinen und Anlagen integrieren, wie zum Beispiel Manz. Werden Sie das bei den 3D-Druck-Lasern auch machen?

Leibinger: Wir wollen auch hier mit mehreren Integratoren zusammenarbeiten und uns nicht exklusiv an einen Partner binden. Es handelt sich um einen jungen Markt, bei dem noch keiner weiß, wohin er sich entwickelt. Wir werden auch aktiv von größeren Firmen angesprochen, die eine solche Maschine als Produktionsmittel nutzen wollen. Der Markt entwickelt sich gerade, in fünf Jahren werden wir ein viel klareres Bild haben. Aber für die Hybridlösung haben wir noch ein bisschen mehr Zeit, denn da wird derzeit noch sehr viel experimentiert.

SCOPE: Vor 20 Jahren verabschiedete sich Trumpf auch vom Wasserstrahlschneiden. Werden wir hier ebenfalls einen Wiedereinstieg erleben – vielleicht in der Kombination Laser/Wasser?

Leibinger: Das ist eine interessante Frage. Wir prüfen und analysieren regelmäßig alle für uns relevanten Verfahren und Märkte. Wasserstrahlschneiden haben wir derzeit aber nicht in Planung. Zu unserer DNA gehört es aber, dass wir das, was wir heute tun, stets in Frage stellen und prüfen, ob das, was heute gilt, morgen auch noch richtig ist. Diese Denkweise ermöglicht erst, dass wir zum Innovationsgaranten werden, auf den sich unsere Kunden und die gesamte Industrie verlassen können.

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