Positionspapier der Acatech

Andrea Gillhuber,

Systemrelevante Werkstoffentwicklung

Für den Innovationsstandort Deutschland ist die Werkstoffentwicklung systemrelevant. Werkstoffe aus heimischer Entwicklung und Produktion brauchen faire Wettbewerbschancen, eine Regulierung mit weniger Zielkonflikten und Unternehmen, die neue Werkstoffe mutig einsetzen, so die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften Acatech.

Die Empfehlungen der Acatech zielen auf einen effizienteren Einsatz von Rohstoffen, auf eine stärkere Wiederverwertung und auf das Vermeiden von Zielkonflikten in der Regulierung ab. © Shutterstock / welcomia

Acatech setzt sich in ihrer Position „Rahmenbedingungen für die Zukunft der Werkstoffe“ für faire Wettbewerbsbedingungen ein. Die Expertinnen und Experten der Deutsche Akademie der Technikwissenschaften beleuchten in dem Papier, wie sich Energiepreis oder Emissionshandel, die Verfügbarkeit von Rohstoffen sowie Materialeffizienz und Kreislauffähigkeit auf die Entwicklung, Produktion und Anwendung von Werkstoffen in Deutschland auswirken. Generell warnt die Akademie, dass die hiesige Werkstoffindustrie auf faire Wettbewerbsbedingungen angewiesen ist, damit sie nicht ins Ausland abwandert. Gleichzeitig zielen die Empfehlungen auf einen effizienteren Einsatz von Rohstoffen, auf eine stärkere Wiederverwertung und auf das Vermeiden von Zielkonflikten in der Regulierung ab.

Fairer und nachhaltiger Umgang gefordert

Vor allem mahnt das Positionspapier den Umgang mit Altprodukten an: Deutschland exportiere seinen Schrott ins Ausland, wo die wertvollen Bestandteile recycelt werden – ohne Rücksicht auf die Folgen für Umwelt und Gesundheit der dortigen Bevölkerung. Nach Meinung der Acatech muss stattdessen die hiesige Wiederverwertung in den Ressourcenkreislauf im Sinne einer Circular Economy forciert und schon im Design von Produkten und in den eingesetzten Werkstoffen angelegt werden. Hier sieht die Akademie auch bei der Politik Handlungsbedarf: Diese könnte eine solche Entwicklung unterstützen, indem sie die europäische Ökodesign-Richtlinie auf den gesamten Lebenszyklus anwendet. Bislang steht ein möglichst sparsamer Einsatz von Werkstoffen im Vordergrund – der aber häufig zu Lasten der Wiederverwendbarkeit geht. Dies sei nur ein Beispiel für Zielkonflikte in den Regulierungen von Werkstoffen, die in Richtlinien und Regularien ausgeräumt werden sollten. Zudem müsse die Ökodesign-Richtlinie auf alle Branchen ausgeweitet werden, denn bislang ist beispielsweise die Automobilindustrie ausgenommen.

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Auch dürfen nationale und euopäische Regelungen wie der europäische Emissionshandel oder Strompreise die deutsche Werkstoffbranche in ihrer ökonomischen Wettbewerbsfähigkeit nicht gefährden. Deutschland als vergleichsweise rohstoffarmes Land ist auf einen fairen und offenen Wettbewerb angewiesen. Die energieintensive Werkstoffbranche wird weiterhin Ausnahmeregelungen bei den Energiekosten benötigen. Andernfalls könnte sie in Länder abwandern, die güns-tiger produzieren.

Einen Wettbewerbsvorteil für die Zukunft sieht Acatech in einer engeren Kopplung von Forschungslabors mit der Wirtschaft, um neue Werkstoffe zu entwickeln. Allerdings seien hier auch die Unternehmen gefordert, welche neue Werkstoffe mitunter nur zögerlich einsetzen: Sie müssen Mitarbeiter im Umgang mit neuen Materialien schulen, neue Arbeitsabläufe etablieren und neue Maschinen anschaffen. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.acatech.de/publikation/zukunft-der-werkstoffe.

Nach Unterlagen von Acatech / ag

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