KTL-Beschichtung

Saubere Schichtarbeit

Kraftstofffiltergehäuse stellen für Oberflächenspezialisten eine Herausforderung dar: Außen brauchen sie einen zuverlässigen Korrosionsschutz, innen darf sich kein Lack ablagern. In enger Zusammenarbeit mit dem Kunden hat Benseler eine Lösung gefunden und beschichtet nun seit rund einem Jahr Kraftstofffiltergehäuse von Mann+Hummel in seiner KTL-Anlage.

Benseler setzt bei der visuellen Kontrolle der beschichteten Filtertöpfe auf die Augen seiner Mitarbeiter.

Kraftstofffilter sorgen dafür, dass der Kraftstoff so rein wie möglich in den Verbrennungsmotor gelangt. Denn selbst kleinste Schmutzpartikel können bei modernen Einspritzsystemen Schäden verursachen. Untergebracht sind die Filter in speziellen Filtergehäusen: tiefgezogene Bauteile, beispielsweise aus verzinktem Stahl, die zu den sichtbaren Elementen im Motorraum gehören. Das heißt, diese Einheiten sorgen nicht nur für die nötige Reinheit des Kraftstoffs, sondern müssen beim Blick unter die Motorhaube auch optisch ansprechend sein und dürfen beispielsweise mit der Zeit nicht korrodieren.

Ein Modul des Q-Panels ist die elektronische Fehlersammelkarte, die die Mitarbeiter über Touchscreens bedienen können.

Um fünf Varianten seiner Kraftstofffiltergehäuse zuverlässig vor Korrosion zu schützen, nutzt der Filterspezialist Mann+Hummel das Know-how der Oberflächenspezialisten der Benseler-Firmengruppe. Die Anforderungen dabei sind hoch: Die Außenwand der Filtergehäuse muss lückenlos vor Korrosion geschützt sein, die Innenwand – bis auf einen Streifen direkt am Dichtungsrand – lackfrei und ohne Ablagerung anderer Prozessflüssigkeiten. Um die Dichtheit im Feld sicherzustellen, muss die Korrosionsschutzschicht auf der Dichtfläche einen störungsfreien Verlauf ohne Pickel, Risse, Kontaktpunkte, Unebenheiten oder Kratzer aufweisen.

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Benseler bringt den Korrosionsschutz mittels der Kathodischen Tauchlackierung (KTL) auf. Speziell für die Filtertöpfe musste der Oberflächenspezialist Gestelle für die Tauchkörbe entwickeln, die alle fünf zu beschichtenden Filtertopf-Varianten ohne Kontaktpunkte an der Außenseite in der benötigten Position fixieren können. Für die geforderte inwandige Lackfreiheit der Gehäuse sorgen Luftpolster an der richtigen Stelle und eine spezielle Schwenktechnik in Kombination mit den Badbewegungen während des Beschichtungsvorgangs in der KTL-Anlage. Dadurch erreichen die Oberflächenspezialisten insbesondere an der Dichtungsfläche eine absolut glatte, störungsfreie Lackierung – theoretisch.

Fehler auf den Schirm

Damit die Theorie auch in der Praxis verifiziert werden kann, setzen die Qualitätsmanager von Benseler auf eine computerunterstützte Lösung: Der Einsatz einer Computer-Aided Quality-Software (CAQ) entlang der Prozesskette ist in der Firmengruppe Status quo. „Die Krux lag jedoch darin, dass es keine einfach zu bedienende Lösung für die Mitarbeiter an der Linie auf dem Markt gab, die so individuell programmierbar ist, dass sich jedes Kundenprojekt bis ins kleinste notwendige Detail abbilden lässt“, erklärt Markus Korntreff, Leiter Qualitätssicherung bei Benseler Beschichtungen. Deshalb entwickelten die Bereiche QS und IT ein unternehmenseigenes Q-Panel. Es besteht im Wesentlichen aus zwei Modulen: der elektronischen Fehlersammelkarte an den Arbeitsplätzen bzw. auf portablen Geräten, die die Mitarbeiter in der Produktion über Touchscreens bedienen können, und dem zentralen Admin-Tool für die QS-Mitarbeiter. Letzteres umfasst die Stammdatenanlage und Verwaltung zu Kundenprojekten, die Definition der möglichen Fehlerbilder und das Einrichten von Prüfplätzen mit angebundenen Messmitteln. Über das Admin-Tool lassen sich die artikelbezogenen Fehlersammelkarten entsprechend der Absprache mit dem Kunden individuell zugeschnitten programmieren, die dann an den Prüfplätzen in der Produktion aufgerufen werden.

Umgekehrt gehen von den Arbeitsplätzen alle Daten in Echtzeit an die QS. „So haben wir sehr schnell, sehr konkrete Informationen aus der Produktion zur Verfügung“, erklärt QS-Leiter Korntreff, „und können uns sofort an die Ursachenforschung machen, um bei Bedarf die Prüfvorgaben schnell und flexibel anzupassen oder aber kurzfristig Optimierungen zu erarbeiten.“

Grundsätzlich steht das gesamte logistische Handling auch beim Mann+Hummel-Auftrag von Beginn an unter dem wachsamen Auge der QS. Bereits bei der Wareneingangskontrolle wird erfasst, ob die angelieferten Bauteile mit dem Auftrag übereinstimmen, bevor sie einen Barcode erhalten und ihren Weg durchs Werk starten. Sobald sie die KTL-Beschichtung hinter sich haben, müssen sie bei einer visuellen 100-Prozent-Kontrolle den Blicken der Mitarbeiter standhalten. Geprüft wird jeder einzelne Filtertopf nach einem vereinbarten CAQ-Prüfplan. Das heißt, alle Fehlermerkmale, die bei den fünf Varianten jeweils vorkommen können, sind in der elektronischen Fehlerkarte hinterlegt. Diese erscheint automatisch auf dem Bildschirm, sobald der Mitarbeiter den Barcode des zu bearbeitenden Auftrages einliest. Einschlüsse, Schichtdicke, Orangenhaut, Glanzabweichungen, Material- oder Rohteilfehler – entdeckt der Mitarbeiter einen Fehler, gibt er ihn am Q-Panel-Bildschirm in die Maske ein, nimmt das mangelhafte Stück aus der Produktion und lässt dieses – wenn vereinbart – nachbearbeiten. Häufen sich die Fehler, setzt sich im Hintergrund ein Warnsystem in Gang. Sobald eine im Q-Panel festgelegte Fehlergrenze erreicht oder gar überschritten wird, gibt das System visuellen Alarm. Das ist das Zeichen für den Gruppensprecher, der nun seinerseits prüft, wie der Fehler behoben werden kann oder ob Produktionsleiter und QS verständigt werden müssen. Zusätzlich können vom Q-Panelsystem auch E-Mails mit den jeweiligen Fehlermeldungen an einen vorher definierten Verteiler gesendet werden. „Auf diese Weise sind wir konstant auf dem Laufenden und können bei eventuellen Störungen oder prozessbedingten Fehlerquellen sehr schnell eingreifen“, erklärt Korntreff.

Ist der Filtertopf dagegen anstandslos beschichtet, geht der Prüfling als IO-Teil (in Ordnung) unbeanstandet weiter seinen Weg Richtung Motorraum – in diesem Fall gleich zum Verpacken und Etikettieren. cs

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