Paint Expo in Karlsruhe

Effizienter und flexibler

Auf der einen Seite steigende Qualitätsansprüche, andererseits zunehmender Kostendruck – dieser Spagat lässt sich auch beim Pulverbeschichten nur durch konsequente Prozessoptimierung bewältigen. Welche neuen Entwicklungen bei der Anlagen- und Applikationstechnik sowie bei den Pulverlacken dafür zur Verfügung stehen, zeigt die Paint Expo in der zweiten Aprilwoche in Karlsruhe. Lesen Sie unsere Messevorschau.

Lösemittelfrei und nahezu verlustfrei verarbeitbar – dank dieser zwei Eigenschaften hat sich die Pulverbeschichtungstechnik inzwischen bei vielen Anwendungen durchgesetzt. Durch steigende Ansprüche an Beschichtungsqualität, Material- und Energieeinsatz, Flexibilität sowie Produktivität stehen aber sowohl Lohnbeschichter als auch inhouse-lackierende Unternehmen vor der Herausforderung, ihre Abläufe zu optimieren. Möglichkeiten dafür bieten sich entlang der gesamten Prozesskette.

Den Anfang macht die Vorbehandlung: Bei metallischen Substraten verstärkt sich der Trend zu so genannten nanokeramischen Systemen. Diese multimetallfähigen Alternativen zur klassischen Eisen- und Zinkphosphatierung bieten verfahrenstechnische, ökonomische und ökologische Vorteile. Der Korrosionsschutz ist mit dem einer Zinkphosphatierung vergleichbar und von Fall zu Fall sogar besser. Darüber hinaus sind die Produkte frei von Schwermetallen, was den Aufwand und die Kosten für Abwasserbehandlung, Entsorgung, Anlagenreinigung und -wartung reduziert. Für die Vorbehandlung von Bauteilen aus Stahl, Eisen und Aluminium wurden inzwischen auch Produkte auf Basis nachwachsender Rohstoffe entwickelt. Geht es um die Anlagentechnik, heißt es in der Praxis häufig „nur so viel wie nötig“. Gefragt sind heute kostengünstige, energieeffiziente Lösungen, die qualitativ hochwertige Ergebnisse erreichen. Gleichzeitig erwarten insbesondere Lohnbeschichter und Unternehmen mit einem breit gefächerten Spektrum an Lackiergut eine hohe Flexibilität.

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Entsprechende Konzepte präsentieren die Aussteller auf der diesjährigen Paint Expo. Zu nennen sind hier beispielsweise Hand-Pulverkabinen, die bei einem geringen Invest eine hohe Flexibilität bieten. Vielseitig einsetzbar sind auch moderne Automatik-Pulverkabinen, die sich – je nach geplanter Applikation – mit Hubgeräten oder Roboter ausstatten lassen. Intelligente Softwarelösungen sorgen dabei für einen gezielten, sparsamen Pulvereinsatz und die wirtschaftliche Beschichtung kleiner Losgrößen. Gezeigt wird auf der Messe etwa ein kompaktes Komplettsystem von Afotek für die automatische Pulverlackierung von Kleinteilen in Serie. Die etwa sechs Meter lange und jeweils rund drei Meter breite und hohe Anlage beinhaltet die Pulverkabine, einen Infrarot-Einbrennofen, Steuerungstechnik, Prozessvisualisierung und ein Produktionsleitsystem. Zur Serienausstattung zählt außerdem ein Shuttle-Fördersystem für die Warenträger-Logistik, das hohe Flexibilität bietet: Modular aufgebaut lässt es sich praktisch an alle räumlichen Gegebenheiten anpassen und nach Bedarf erweitern oder modifizieren. Die bisher übliche „Endlos-Förderkette“ ist in einzelne, individuell steuerbare Förderelemente aufgeteilt. Sie lassen sich unabhängig voneinander und positionsgenau in jede gewünschte Richtung fahren.

Zur Verbesserung der Energieeffizienz tragen unter anderem neue Entwicklungen bei den Trocknungstechnologien bei. Dazu zählt die Infrarot-Wärmetechnologie von Heraeus, die das Anschmelzen und Aushärten von Pulverlacken erheblich beschleunigt. Pulver absorbiert Infrarot-Strahlung sehr gut und deshalb erwärmt es sich schnell. Gegenüber herkömmlichen Erwärmungsmethoden wie Umluftöfen wird das Angelieren des Pulvers erheblich beschleunigt. Darüber hinaus lässt sich die herkömmliche Trocknung durch steuerungstechnische und konstruktive Maßnahmen sowie eine effektive Wärmerückgewinnung energetisch optimieren. Nicht zu unterschätzen ist auch das Energieeinsparpotenzial, das sich durch angepasste Fördersysteme ergibt. Dabei spielt die Masse der Warenträger ebenso eine Rolle wie deren kompakte Bauweise. Letztere ermöglicht kleinere Öffnungen bei Trocknern, durch die es beim Ein- und Ausfahren der Teile nur zu einem geringeren Wärmeaustritt und damit einem geringeren Energieverlust kommt. Nicht ohne Einfluss auf die Produktivität und Energieeffizienz ist auch die bestmögliche Gestaltung und Ausnutzung der Gehänge.

Ein Muss für eine wirtschaftliche Beschichtung ist in Zeiten immer kleinerer Losgrößen und zunehmender Farbtonvielfalt der schnelle Farbwechsel mit minimalem Pulververlust. Dafür stehen heute so genannte Schnellfarbwechselsysteme wie jenes von Gema zur Verfügung, die sich auch in bestehende Anlagen integrieren lassen. Pulvereinsparungen lassen sich sowohl bei der Hand- als bei der auch automatischen Applikation durch Pistolen erzielen, die eine optimale Pulveraufladung und Transfereffizienz ermöglichen. Eine Pistolensteuerung sorgt außerdem für einen präzisen und konstanten Pulverausstoß sowie eine gleichmäßige Schichtdickenverteilung.

Ob Korrosionsschutz, Anti-Graffiti, Metallic-Effekte, Wärmereflektion, UV- und Witterungsbeständigkeit, Niedertemperatur-Beschichtung, Kratzfestigkeit oder antimikrobielle Wirkung – die Entwicklung bei den Pulverlacken orientiert sich an den gestiegenen Anforderungen und bieten Endkunden in vielen Fällen einen Mehrwert. Dazu zählt beispielsweise ein Pulverlack, der die Wärmereflektion dunkler Farben um bis zu 25 Prozent erhöht und damit Werte erreicht, die weiß beschichteten Oberflächen entsprechen. Neue antimikrobielle Pulverlacke sind durch metallorganische Stoffe mit ionisierender Wirkung nicht nur gegenüber Bakterien, sondern auch gegenüber Viren, Pilzen und Algen langfristig wirksam. Um den gestiegenen Anforderungen beim Korrosionsschutz sowie der UV- und Witterungsbeständigkeit von Bauteilen für beispielsweise Bau- und Landmaschinen sowie den Außenbereich und in der Architektur Rechnung zu tragen, präsentieren die Lackhersteller neue Entwicklungen mit optimierten Eigenschaften. ms

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