Fasswechselsystem für Kunstharze

Luftloser Wechsel

Ein neues Fasswechsel-System von Anlagenbauer Tartler zeigt neue Wege auf für die Förderung pastöser Medien. Ursprünglich entwickelt für die Kunstharz-Verarbeitung, zeigen zunehmend auch andere Anwender von Deckelfässern daran Interesse. SCOPE-Redakteur Michael Stöcker hat sich das neue System vor Ort angeschaut.

Es begab sich etwa um die Mitte des vergangenen Jahres als Tartler in seinen Mehrkomponenten-Misch- und Dosieranlagen erstmals sein neues System für den blasenfreien Fasswechsel vorstellte. Viele Kunstharz-Verarbeiter staunten da nicht schlecht und zeigten spontan großes Interesse an dieser technisch hochinteressanten Konzeption. Das war aber noch nicht alles. Denn inzwischen entdecken auch viele Anwender in ganz anderen Branchen die Vorzüge dieser der innovativen Lösung.

Im Hause Tartler wundert(e) man sich darüber freilich nicht. Schließlich: Wo und wann immer nämlich pastöse, hochviskose Materialien aus den weit verbreiteten Spannring-Deckelfässern verarbeitet werden müssen, führt das neue Fasswechsel-System aus Michelstadt dank seiner vollautomatischen Entlüftungstechnik zu deutlichen Kostensenkungen. Darüber hinaus vereinfacht es auch noch das Handling der Fässer und erhöht zudem die Arbeitssicherheit.

Bei meinem Besuch vor Ort berichtete mir Firmenchef Udo Tartler, welches Problem der Ansatzpunkt für seine Neuentwicklung war: „In der Misch- und Dosiertechnik erfolgt die Förderung pastöser Materialien aus industrieüblichen Deckelfässern meistens mittels sogenannter Fassfolgeplatten-Pumpen. Immer wieder treten dabei aber Entlüftungs- und Sicherheitsprobleme auf, die den Verarbeitungsprozess stören und zu Materialverlusten führen. Aus diesem Grund haben wir als Anlagenbauer ein völlig neuartiges, vollautomatisches Fasswechsel- und Entlüftungssystem entwickelt, das wir erstmals Mitte 2013 als Komponente in unseren Misch- und Dosieranlagen der Baureihen Nodopox und Tardosil verbaut haben“.

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Die vorangige Zielgruppe für diese Neuentwicklung – die Gilde der Kunstharz-Verarbeiter – zeigte sich sofort sehr angetan von der neuen Lösung. Aus diesem Grund bietet sie Tartler inzwischen auch zum Nachrüsten für viele seiner älteren Anlagen ab dem Baujahr 2008 an. Wie zu erfahren war, kann der Umbau – inklusive der Steuerungstechnik – entweder im nagelneuen Werk des Anlagenbauers im schönen Michelstadt – das liegt im hessischen Odenwald – stattfinden oder aber vor Ort beim Kunden.

Während mir Udo Tartler die Funktionsweise der neuen Fassentlüftung vorführen lässt, berichtet er: „In den letzten Wochen haben wir beobachtet, dass auch zahlreiche andere Branchen zunehmend Interesse an unserem neuen Fasswechsel-Konzept zeigen“. Der Firmenchef zeigt sich davon nicht wirklich überrascht, denn ganz gleich, von welcher Art die pastösen Rohstoffe sind: Das inzwischen zum Patent angemeldete System macht deren Förderung aus zylindrischen 50- oder 200-Liter-Spannring-Deckelfässern einfacher, schneller und sicherer.

Um den praktischen Nutzwert der Innovation des hessischen Anlagenbauers richtig einordnen zu können, muss man sich freilich kurz die bisher allgemein übliche Fasswechsel-Methode vor Augen führen. Die Lieferung pastöser, hochviskoser Materialien erfolgt in der Industrie ja branchenübergreifend meist in Deckelfässern. Für die Weiterverarbeitung kommen dann oft Spezialpumpen zum Einsatz, die auf den erwähnten Fassfolgeplatten montiert sind. Diese runden Platten werden von oben aufgesetzt und sind mit Dichtringen zur Blechfasswand hin abgedichtet. Sie werden auf das Medium gedrückt oder sinken durch ihr Eigengewicht während der Materialentnahme kontinuierlich ab. Das Problem dabei: Die angelieferten Deckelfässer sind meist nicht absolut randdicht gefüllt! Das bedeutet, dass sich über der Medienoberfläche ein Luftreservoir befindet. Und genau dieses Luftpolster ist das Dilemma: Im Augenblick des Fasswechsels muss nämlich aus prozesstechnischen Gründen gänzlich ausgeschlossen sein, dass Luft mit in die Förder- beziehungsweise Dosierpumpe hinein gelangt. Deshalb wird die Luft meist über eine manuelle, pneumatische oder elektrische Entlüftungseinrichtung abgeführt. Das ist die bisher weit verbreitete Lösung und riskant, denn beim Entweichen der Luft besteht Spritzgefahr, weil sich vom vorherigen Fasswechsel noch Restmaterial in der Entlüftungseinrichtung befinden kann. Außerdem kann das stoßartige Entweichen der Luft zu einem plötzlichen Absacken der Folgeplatte führen. Beides birgt für den Maschinenbediener ein hohes Sicherheits- sprich Verletzungsrisiko. „Abgesehen davon ist die Methode wenig ökonomisch, da das Entlüftungssystem ständig – und oft manuell – von Restmaterial befreit werden muss“, ergänzt Udo Tartler.

Das neue Fasswechsel-System aus Michelstadt hingegen arbeitet vollautomatisch, schließt den Lufteintrag in die Pumpe sowie in die Misch- und Dosieranlage aus, reduziert das Sicherheitsrisiko und stoppt den Materialverlust. Dabei ist die Funktionsweise ein waschechtes Aha-Erlebnis. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Alle im Fass und eventuell in der Förder- und Dosierpumpe befindliche Luft wird nämlich beim Aufsetzen der Fassfolgeplatte über einen Vakuumanschluss durch eine zwar luft- aber – und das ist der alles entscheidende Dreh- und Angelpunkt – nicht mediendurchlässige Platte abgesaugt.

Was zunächst wie Zauberei klingt, beruht auf einer gänzlich neuartigen Entlüftungsmethode: Der gelungenen Kombination einer Vakuumentlüftung mit einem in die Unterseite der Fassfolgeplatte integrierten Luft durchlässigen Werkstoff, durch den eben nur die Luft großflächig abgesaugt wird. „Das bringt eine hohe Prozesssicherheit bei null Materialverlust. Riskante Handarbeiten fallen beim Fasswechsels mit unserem System gar nicht mehr an“, erklärt Tartler. Beim Ausfahren der Folgeplatte wird durch den gleichen Vakuumanschluss, der für die Entlüftung gesorgt hat, wieder Luft eingebracht, eben damit im Fass kein Vakuum entsteht. Dank des großflächigen Eintrags der Luft durch den luftgängigen Spezialwerkstoff geschieht das völlig ohne Spritzgefahr!

Im Einsatz mit den Misch- und Dosieranlagen von Tartler hat das neue vollautomatische Fasswechsel-System seine Praxistauglichkeit bereits vielfach unter Beweis gestellt. Insbesondere mit der intelligenten Maschinensteuerung hat es das Zeug zu einem sicheren und problemlosen Standardprozess, der mitunter hohe Einspareffekte generieren kann. Michael Stöcker

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