Hotset-Chef Ralf Schwarzkopf

"Interessante Dreiklänge definiert"

Wenn es um die Zukunft von Hotset geht, hat Geschäftsführer Ralf Schwarzkopf ein klares Bild vor Augen. Unter seiner Regie und vor dem Hintergrund des internationalen Komponentengeschäfts etabliert sich das Unternehmen immer stärker als Anbieter thermodynamischer Komplettsysteme und als Engineering-Partner für individuelle Kundenprojekte. Weithin sichtbares Zeichen dieser Entwicklung ist ein neues Firmenlogo, mit dem sich Hotset erstmals auf der diesjährigen „K“ in Düsseldorf präsentierte. Im Interview skizziert Schwarzkopf die Koordinaten des neuen Selbstverständnisses.

Hotset-Geschäftsführer Ralf Schwarzkopf: „Wir haben in den letzten Jahren nicht nur geografisch expandiert, sondern uns auch fachlich weit über die Grenzen der Kunststofftechnik hinaus weiterentwickelt. Dabei haben wir sowohl unser System-Knowhow als auch unsere Engineering-Kompetenzen erheblich erweitert.“

Herr Schwarzkopf, das neue Firmen-Signet von Hotset hat ein völlig anderes Erscheinungsbild als das alte Schriften-Logo und unterscheidet sich in seiner Bildsprache fundamental von seinem Vorgänger. Könnte das nicht zu Irritationen bei ihren Kunden führen?

Zeichen gesetzt: Mit seinem neuen, eleganten Firmenlogo macht Hotset deutlich, dass es sich auf der Basis seines internationalen Komponentengeschäfts immer stärker auch als Anbieter thermodynamischer Komplettsysteme und Engineering-Partner für individuelle Kundenprojekte etabliert.

Schwarzkopf: Ja, das ist denkbar – und wäre von uns auch durchaus beabsichtigt! Denn wir sehen den Zeitpunkt in der Geschichte des Unternehmens gekommen, an dem es Sinn macht, ein deutlich sichtbares Zeichen zu setzen. Die grafische Dynamik, die Universalität und die Leichtigkeit unseres neuen Logos sollen unzweifelhaft das veränderte Selbstverständnis von Hotset zum Ausdruck bringen. Es ist ein Ergebnis der Entwicklung der letzten Jahre, in denen wir sowohl unsere Präsenz am Markt als auch die Zusammenarbeit mit vielen neuen Kunden und den Partnern unserer Technologie-Netzwerke intensiviert haben.

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Welche Aspekte prägen denn dieses neue Selbstverständnis von Hotset?

Schwarzkopf: Über viele Jahrzehnte stand der Name Hotset primär für das Thema Heißkanaltechnik und die Fertigung industrieller Heizelemente, vorwiegend für den Werkzeugbau in der Kunststofftechnik. Obgleich uns einige Marktbegleiter und Kunden immer noch in diese Schublade stecken, entspricht das schon seit langem nicht mehr der Realität des Unternehmens. Denn Hotset hat in den letzten Jahren nicht nur geografisch expandiert; wir haben uns auch weit über die Grenzen der Kunststofftechnik hinaus weiterentwickelt und sowohl unser System-Knowhow als auch unsere Engineering-Kompetenzen erheblich erweitert. Branchenübergreifend und mit internationaler Ausrichtung realisieren wir bereits seit geraumer Zeit maßgeschneiderte und kundenspezifisch ausgelegte thermische Problemlösungen.

Heißt das, dass Hotset zukünftig stärker auf das Projektgeschäft setzt und sich vom Image des reinen Komponenten-Herstellers verabschiedet?

Projektgeschäft: Für einen namhaften Hersteller von Schaltschränken realisierte Hotset eine komplette Montagelinie – und übernimmt dabei die Verantwortung für einen großen Teil der Wertschöpfungskette.

Schwarzkopf: Immer mehr Projektgeschäft – ja! Aber weg von der Komponenten-Fertigung – nein! Wir haben im Rahmen unserer Veränderungsprozesse eine Reihe interessanter Dreiklänge definiert, die deutlich machen, wohin sich Hotset bewegen wird. Der erste Dreiklang lautet: Komponenten, Systeme, Projekte. Der zweite heißt: Prozessoptimierung, Effizienz, Ressourcenschonung. Und der dritte Dreiklang spiegelt sich im neuen Hotset-Slogan wider: „Controlled Energy Flow“.

Und was bedeutet das jetzt konkret in der Praxis?

Schwarzkopf: Wir bleiben selbstverständlich einer der führenden Hersteller von Heizelementen, Thermosensoren und Regeltechnik. Immer mehr Gewicht aber gewinnt die branchenübergreifende Entwicklung von thermischen Systemlösungen aus diesen Komponenten. Und im Projektgeschäft realisieren wir – schon jetzt – komplexe, kundenindividuelle Problemlösungen, wobei wir alle Leistungen vom Engineering über Prototypenbau bis hin zur Serienfertigung abdecken. Ziel ist es bei alledem, dem Kunden mit intelligenten Beheizungs- und Kühlungssystemen hohe Einsparungen zu verschaffen, seine produktionstechnischen Abläufe zu optimieren und die Qualität seiner Produkte zu verbessern – auch die ökologische Qualität! Dafür setzen wir moderne Steuer- und Regeltechnik ein, mit der wir die richtige Temperatur zur richtigen Zeit an den richtigen Ort führen.

Können Sie uns einige anschauliche und aktuelle Beispiele für realisierte Systemlösungen Ihres Hauses nennen?

Innovative Systemlösung: Zur Beheizung von Heißleim (hotmelt) entwickelte Hotset im Kundenauftrag einen leistungsfähigen und energieeffizienten Wärmetauscher.

Schwarzkopf: Vergangenes Jahr konnten wir einige hochinnovative Systemlösungen erfolgreich umsetzen. Beispielsweise die Entwicklung anwendungsspezifischer Heizplatten für die Verarbeitung von Verpackungsfolien, die im Vergleich zu bisher gängigen Standardplatten eine extrem homogene Temperaturverteilung auf den Folien sicherstellen. Das führt beim Thermoforming, Heißpressen und Versiegeln von Schrumpffolien zu deutlichen Qualitätsverbesserungen. Ein weiteres Beispiel ist unsere patentierte Angussdüse hotcast ZD für den Zinkdruckguss, bei der wir den Abschmelzpunkt direkt an die Trennebene verlegt haben. Der Gießhals der Angussdüse ist über den gesamten Fließweg der einschießenden Schmelze mit einem Heizzylinder ummantelt. Das Ergebnis ist eine optimale Fließfähigkeit und Homogenität der Schmelze bis zum Eintreffen in der Kavität sowie eine geringere Porosität und weniger Neigung zur Lunkerbildung. Dieses Jahr präsentierten wir auf der „K“ in Düsseldorf außerdem unserneues Z-System für die gezielte partielle und dynamische Temperierung von Formwerkzeugen. Damit lassen sich im Spritzguss optisch makellose Oberflächen und sehr dünne Wandstärken realisieren.

Verraten Sie uns auch einige konkrete Fallbeispiele aus ihrem Projektgeschäft?

Schwarzkopf: Das ist ein bisschen heikel, da wir hier ja meist unmittelbar in die Entwicklungsarbeit unserer Kunden eingebunden sind…

Aber Sie könnten uns vielleicht ein paar Stichworte geben, die verdeutlichen, welche Kreise diese Aktivitäten von Hotset derzeit ziehen?

Schwarzkopf: Mit einem ausländischen Kunden im Bereich der Weißen Ware arbeiten wir derzeit beispielsweise an einer besonders energieeffizienten und ökologischen Gerätelösung für einen neuen Milcherhitzer. Und für einen namhaften Hersteller von Schaltschränken haben wir die komplette Montagelinie realisiert; hier sind wir also für einen großen Teil der Wertschöpfungskette verantwortlich. Durch einige weitere Projekte öffnen sich für uns derzeit viele Türen in neue Märkte – aktuell beispielsweise auch in den Bereich der Brennstoffzellen-Technologie. Meist geht es dabei weniger um das reine Heizen als vielmehr um komplexe thermodynamische Lösungen, bei denen das intelligente Temperieren im Mittelpunkt steht… aber mehr möchte ich dazu an dieser Stelle wirklich nicht verraten.

Wie wirken sich denn die Ausweitung der Systementwicklung und des Projektgeschäfts auf die internen Strukturen Ihres Unternehmens aus?

Schwarzkopf: Wie schon gesagt ist ja weder das eine noch das andere für Hotset ein überraschendes Ereignis, sondern eine bewusste kontinuierliche Veränderung, die bereits vor einigen Jahren angeschoben wurde. Daher gibt es beispielsweise am Stammsitz Lüdenscheid schon seit längerem ein Team aus Ingenieuren, deren Arbeit sich ausschließlich auf die Weiterentwicklung des Projektgeschäfts konzentriert. Die Bedeutung dieser innovativen Keimzelle wird für das gesamte Unternehmen derzeit immer wichtiger. Sie hat eine technologische Vorreiterrolle und prägt auch das Denken und Handeln anderer Abteilungen. Das geht einher mit ständigen internen und externen Lernprozessen und einer großen Offenheit für neue Entwicklungen. Auch das soll unser neues Logo symbolisieren.

Was meinen Sie mit internen und externen Lernprozessen?

Schwarzkopf: Zum einen stellen wir uns immer intensiver die Frage, welche Branchen und Märkte wir mit unseren Kompetenzen und unserer bald 45-jährigen Erfahrung auf dem Gebiet der Thermodynamik in Zukunft noch ansprechen können. Schließlich verfügen wir inzwischen über Expertisen aus vielen Schlüsselbereichen der Industrie und sind in der Lage, unser Knowhow branchenübergreifend abzurufen. Und zum anderen bedeuten ja viele Projektgeschäfte, dass wir in völlig neue Problemwelten eintauchen – nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch was die Mentalität der Kunden in den neuen Branchen angeht. Das ist oft ein Lernprozess für beide Seiten, wobei wir schon oft beobachten konnten, dass wir in der Lage sind, uns mit neuen Kunden im Rahmen der oft mittel- oder langfristigen Projektarbeit auf nachhaltige Win-Win-Situationen „einzuschwingen“. Es gefällt mir persönlich daher sehr gut, dass die stilisierte Temperaturkurve in unserem neuen Logo auch dieses „miteinander einschwingen“ sehr treffend grafisch abbildet.

Herr Schwarzkopf, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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