Impulse für die Metallumformung

6. European Press-shop Meeting bei Oerlikon Balzers

Wie werden Karosserien stabiler und zugleich leichter? Welche Werkzeuge und Oberflächenbehandlungen helfen bei der Umformung von hochfesten Metallen, die sich immer schwerer bearbeiten lassen? Wie werden Presswerke und -prozesse trotz dieser Herausforderungen effizienter oder kostengünstiger? Diese und weitere Fragen standen im Fokus des 6. European Press-shop Meetings (EPM) bei Oerlikon Balzers in Schopfheim.

Über 150 Experten und Teilnehmer aus Automobil- und Zulieferindustrie sowie Forschung kamen zum 6. European Press-shop Meeting (EPM) von Oerlikon Balzers in Schopfheim. Fotos: Oerlikon Balzers

Das EPM mit rund 150 Teilnehmern aus Automobil- und Zulieferindustrie sowie Forschung zeigte aktuelle Trends und Lösungsansätze zur Stanz- und Umformtechnik. Vorträge und Diskussionen beleuchteten fortschrittliche Konzepte rund um Materialien, Werkzeuge und Fertigungsprozesse zum Beispiel bei Honda oder für neue Matrixwerkstoffe zur Kaltumformung. Wirksame Oberflächenbehandlungen von Werkzeugen waren Thema eines Instituts für Umformtechnik wie auch eines Spezialisten-Forums zur reichhaltigen Palette von Lösungen des Beschichtungsexperten Oerlikon Balzers, der das EPM im Kompetenzzentrum Schopfheim ausrichtete.

Integrierte Werkzeuglösung für das Tiefziehen bei Honda

Jun Yokoyama von Honda Engineering Europe (links) berichtete über eine integrierte Werkzeuglösung für das Tiefziehen in einem Schritt. / Foto: Oerlikon Balzers

Aus Großbritannien berichtete Jun Yokoyama von Honda Engineering Europe über eine innovative Prozessverbesserung, die große Kostenvorteile ermöglicht. So wurde eine integrierte Werkzeuglösung für das Tiefziehen in einem Schritt entwickelt. Waren bis 2013 noch drei Prozessschritte nötig, so erledigt das neue Single-Shot-Werkzeug das Ziehen bis zum Schneiden in nur einem Durchlauf. Eingesetzt wird es zunächst zur Herstellung der Bodenplatte des Mini-Sportwagens Honda S 660. „Wir nutzen es seit 2014 in der Serienfertigung und es läuft fehlerlos“, soJun Yokoyama.

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Fein-Schneid-Pad bei Webo bietet Kostenvorteile

Ebenfalls hohe Kostenvorteile in Sachen Investitionen eröffnet eine Lösung für das Feinschneiden von Webo. Der Werkzeugbauer aus Oberschwaben entwickelte zur Herstellung spezieller Getriebebauteile (Lamellenträger) ein neuartiges, patentiertes Fein-Schneid-Pad (FSP), das keine externe Hydraulik inklusive Aggregat und Tank benötigt, Feinschneiden in nahezu jeder Presse ermöglicht und sich flexibel in bestehende Konstruktionen integrieren lässt. „Unsere Technologie fand bereits weltweit Interesse“, sagte Axel Wittig von Webo.

Kaltumformung mit neuen Matrixwerkstoffen

Beim 6. European Press-shop Meeting (EPM) von Oerlikon Balzers beleuchteten Vorträge und Diskussionen fortschrittliche Konzepte rund um Materialien, Werkzeuge und Fertigungsprozesse in der Stanz- und Umformtechnik. Foto: Oerlikon Balzers

Um die Kaltumformung mit neuen Matrixwerkstoffen geht es dem Materialexperten Zapp. Der weltweit aktive Zulieferer bietet unter anderem pulvermetallurgische Hochleistungsstähle an. Diese kombinieren höchste Zähigkeit mit hoher Verschleißfestigkeit. „Der Trend geht heute wieder zu Material mit höherer Grundzähigkeit, um vorzeitige Bauteilbrüche zu verhindern und die Standzeiten zu verbessern. Dafür wird eine geringere Härte von 62 bis 64 HRC in Kauf genommen und manchmal noch eine Beschichtung gewählt“, informierte Dr.-Ing. Wolfgang Püttgen von Zapp Materials Engineering.

Am Oerlikon Balzers Standort Schopfheim nahe der schweizerischen Grenze präsentierte das 6. European Press-shop Meeting (EPM) aktuelle Trends und Lösungsansätze zur Stanz- und Umformtechnik. Im dortigen Kompetenzzentrum stehen auch Anlagen zur Oberflächenbehandlung von fast zehn Meter langen und 40 Tonnen schweren Formwerkzeugen etwa zur Karosseriefertigung in der Automobilproduktion. / Foto: Oerlikon Balzers

Oberflächenbehandlungen waren beim EPM ebenfalls ein zentrales Thema. So zeigte das Institut für Umformtechnik und Umformmaschinen (IFUM) der Uni Hannover auf, dass beim Schmieden thermischer, mechanischer, tribologischer oder chemischer Verschleiß an unterschiedlichen Stellen des Werkzeugs auftritt. „Wir haben deshalb Ansätze zu lokalen Oberflächenbehandlungen wie etwa schwache oder tiefgehende Nitrierungen, verschiedene Oberflächenstrukturierungen, auch in Kombination mit PVD-Beschichtungen entwickelt und getestet“, so IFUM-Experte Dipl.-Ing. Lennard Lippold.

Oerlikon Balzers will mit Umformgeschäft wachsen

Marc Desrayaud, Leiter Oerlikon Balzers Industrial Solutions, hielt die Eröffnungsrede zum 6. European Press-shop Meeting. Foto: Oerlikon Balzers

Inspirationen und Lösungen der Oberflächentechnik bot nicht zuletzt ein Spezialisten-Forum von Oerlikon Balzers. Zwischen den Fachbeiträgen konnten sich die EPM-Teilnehmer an bebilderten Stellwänden über das große Portfolio an Beschichtungs- und Behandlungslösungen zur Umformung von AHS-Stählen oder Aluminium, zum Kalt- oder Warmschmieden sowie zum Feinschneiden informieren und beraten lassen. Dazu bot der Veranstaltungsstandort Schopfheim nahe der schweizerischen Grenze, wo Anlagen zur Oberflächenbehandlung von fast zehn Meter langen und 40 Tonnen schweren Formwerkzeugen etwa zur Karosseriefertigung stehen, beste Voraussetzungen. Marc Desrayaud, Leiter Oerlikon Balzers Industrial Solutions: „Hier befindet sich die Keimzelle für die weltweite Ausweitung unserer Umform-Technologien in weiteren 30 Kompetenzzentren. In Zukunft wollen wir verstärkt mit unserem Umformgeschäft wachsen.“ kf

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