Verbindungselemente sortieren

Die Guten ins Töpfchen

Fachgerechtes und kundenspezifisches Sortieren ist längst ein wichtiger Bereich vor der Bauteilauslieferung geworden. Neben der qualitätsgerechten Lieferung spielen dabei Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle, sowohl beim Hersteller als auch beim Kunden. Ein Erfahrungsbericht.

Das Leistungsspektrum beim Sortieren erstreckt sich von der mechanischen Sortierung bis hin zur visuellen Prüfung mit modernster industrieller Bildverarbeitungstechnik.

Insbesondere dort, wo in der Fertigung sehr schnell sehr viele und kleine Teile hergestellt werden, ist die anschließende passgenaue Sortierung ein Muss. Verbindungselemente beispielsweise werden massenhaft produziert und massenhaft eingesetzt. Durch eine genaue Prüfung der Maße an den Bauteilen wird sichergestellt, dass zum Beispiel später in einer automatisierten Montagelinie nicht versehentlich fehlerhafte oder gar falsche Teile Störungen in der Zuführung verursachen. Solche Teile können schnell kostspielige Stillstandszeiten verursachen.

Arnold Umformtechnik in Forchtenberg-Ernsbach hat allein im vergangenen Jahr 5,6 Milliarden Verbindungselemente produziert. Michael Ress ist Leiter der Endproduktion im Unternehmen und weiß, worauf es bei der abschließenden Sortierung ankommt: „Durch die Sortierung beziehungsweise die Prüfung der Bauteile wird gewährleistet, dass die Verbindungselemente genau die Dimensionen haben, welche für die 100-prozentige Funktionalität benötigt werden, dass sie nicht zu kurz sind oder ein fehlerhaftes Gewinde aufweisen. Durch die anschließende Verpackung in sogenannten Schlauchbeuteln, die thermisch verschweißt werden, wird von Arnold außerdem sichergestellt, dass die richtige Menge in einer für die Teile nicht schädlichen Atmosphäre verpackt und für den Transport bereitgestellt wird.“

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„Ein Kunde übergibt dem Lieferanten immer ein Stück Verantwortung für die eigene Null-Fehler-Produktion.“ Michael Ress, Leiter der Endproduktion bei Arnold Umformtechnik.

Dabei werden die Sortierkriterien, die angewendet werden, vom Kunden im Vorfeld definiert. In Abhängigkeit vom vorgesehenen Einsatz des Verbindungselementes, der eingesetzten Sortiertechnik und dem Preis ist dabei nahezu alles machbar: eine Sortierung nach zu lang beziehungsweise zu kurz, nach fremdteilfreier Ware, nach Oberflächen- oder Beschichtungsfehlern sowie nach Kopfdurchmesser oder Gewindedurchmesser. „In unserem Haus erstreckt sich das Leistungsspektrum beim Sortieren von der mechanischen Sortierung über Sortierrollen bis hin zur visuellen Prüfung mit modernster industrieller Bildverarbeitungstechnik“, beschreibt Ress. Und er schildert, dass der Prozess keineswegs ein Standardprozess ist. „Jedes Teil benötigt eine individuelle Vereinzelung und Zuführung. Manche Teile haben beispielsweise keinen richtigen Schwerpunkt. Da müssen dann Schikanen in der Zuführung eingebaut werden.“

Bei Sortec, so bezeichnet Arnold Umformtechnik den Bereich Sorting Technology, werden unterschiedliche Sortiertechnologien eingesetzt. Ress, der Sortec seit fast drei Jahren verantwortet, schildert die Entwicklung: „Wir haben uns von der einfachen Verleseabteilung zur Sortierabteilung entwickelt. Mit definierten Prüf- und Sortieraufgaben leisten wir heute Qualitätsarbeit.“ Das klingt selbstbewusst. Doch wer sich die Ausfallrisiken vor Augen hält, welche beim Einsatz von fehlerhaften Verbindungselementen bestehen, kann dies nachvollziehen.

„Die passgenaue Sortierung nimmt bei unseren Kunden einen immer größeren Stellenwert ein“, sagt Ress. „Deshalb werden im Unternehmen Lösungen angewandt und weiterentwickelt, die auf modernster industrieller Bildverarbeitungstechnik basieren und individuell auf die Anforderungen der einzelnen Produkte unserer Kunden zugeschnitten werden können. Beispiele dafür sind die Wirbelstromprüfung zur Risserkennung am Kopf eines Bauteils oder verschiedene Sensortechniken zur Erkennung von Oberflächenschäden.“

In einem Angebot, das auf den Vorgaben des Kunden basiert, wird festgelegt, welche Technik im konkreten Fall für die Sortierung eingesetzt werden soll. Denn fest steht: Je enger und detaillierter die Kriterien definiert werden, umso aufwändiger wird letztendlich auch der Sortierprozess. „Ein Kunde gibt dem Lieferanten immer ein Stück Verantwortung für die eigene Null-Fehler-Produktion in die Hand. Deshalb sehe ich mich intern auch als Kundenvertreter oder besser: als Wareneingang des Kunden“, sagt Ress. Doch genauso gilt es, die Balance zwischen Notwendigkeit und Preis zu finden und dem Kunden geeignete Umsetzungen zu empfehlen. Oft unterschätzt werde beispielsweise, dass eine geänderte Weiterverarbeitung beim Kunden, beispielsweise beim Schraubverfahren, auch Auswirkungen auf die Sortierung habe, so Ress. Toleranzen, Oberflächenbeschichtungen oder Reibwerte hätten dann mitunter ganz andere Auswirkungen. Dies könne bereits in der Sortierung berücksichtigt werden. Bei Arnold Umformtechnik geht man jetzt einen Schritt weiter. Geplant sind Machbarkeitsuntersuchungen, mit denen bereits im Vorfeld eine Aussage darüber getroffen werden soll, ob eine zuverlässige maschinelle Sortierung nach den vorgegebenen Kriterien möglich ist. Annedore Munde / ee

Blechexpo, Halle 4, Stand 4405

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