Servopressenlinie

Ab auf die Überholspur

Der Name Borgward steht für deutsche Automobiltradition. In China erlebt die Marke gerade eine Renaissance: Das Debütmodell, der SUV BX7, wurde bereits in den ersten 8 Monaten über 30.000 Mal verkauft, mit dem Kompakt-SUV BX5 sorgt seit Ende März 2017 ein zweites Modell für weiter steigende Absatzahlen. Um die erhöhte Nachfrage bedienen zu können, hat der Autobauer eine neue Pressenlinie in Auftrag gegeben. Die Wahl fiel auf die fünfstufige XL-Servo-Pressenlinie von Schuler.

Rund 5.000 Fahrzeuge will Borgward pro Monat fertigen. Die neue XL-Servopressenlinie von Schuler wird dabei ein zentraler Faktor sein.

Absolute Zuverlässigkeit hatte für Borgward höchste Priorität. Zudem sollte die integrierte Anlage aus Presse, Linienautomation und Simulationstool technologisch richtungsweisend sein und damit auch energieeffizient. Auf die internationale Ausschreibung bewarben sich Pressenhersteller aus China, Spanien und Deutschland. Schuler aus dem schwäbischen Göppingen konnte die Verantwortlichen bei Borgward schließlich mit seinem Gesamtpaket überzeugen: „Wir wollten einen zuverlässigen Partner mit einer mittel- und langfristigen Entwicklungsstrategie. Besonders wichtig war uns die Kombination aus moderner Technologie, hoher Verfügbarkeit und ein konsequenter Umweltschutzgedanke. In Summe ist Schuler für uns die beste Wahl“, sagt Li, Leiter des Borgward-Projektteams in Peking-Miyun.

Viele Hürden, drei Projektteams, ein Ziel

Die erste Herausforderung hatte Schuler bereits vor Projektstart zu meistern. „Für uns war es die erste Ausschreibung, die wir komplett in chinesischer Sprache abfassen mussten. Alle Spezifikationen, alle Prozessabläufe mussten verbindlich bis ins kleinste Detail übertragen werden“, erläutert Harald Luetz vom deutschen Projektteam bei Schuler. „Hier hat unser chinesisches Projektteam unter der Leitung von Dong Zhi den Löwenanteil geleistet.“ Zusammen mit der chinesischen Seite bei Borgward unter der Leitung von Li sind insgesamt drei Projektteams involviert. Im Vorfeld mussten zunächst grundlegende Fragen geklärt werden, zum Beispiel, welche technischen Standards für Pressteile maßgeblich sein sollen oder welche Werkzeuge eingesetzt werden.

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Gemeinsame Erfahrungswerte gab es noch nicht. „In den ersten Wochen der Vorbereitungsphase haben wir fast täglich bis Mitternacht diskutiert, um das straff geplante Projekt in vorgegebener Zeit auf die Schiene zu setzen. Die Arbeitsatmosphäre dabei war immer sehr konstruktiv“, erinnert sich Li von Borgward. Besonders bewährt hat sich eine strategische Grundsatzentscheidung gleich zu Beginn der Zusammenarbeit: „Wir haben beschlossen, die technischen und die kaufmännischen Gespräche zu trennen. Es ist kein Vorteil, wenn sich Fachleute kompetenzübergreifend Gedanken machen, erläutert Dong Zhi von Schuler. Und sein Kollege Li von Borgward ergänzt: „Die beiden Expertengruppen um Technik und Finanzen konnten sich ganz auf ihre Aufgaben konzentrieren. Bei übergreifenden Themen haben wir gemeinsam nach Lösungen gesucht. Oberste Priorität hatte dabei immer die Produktionssicherheit. Ganz sicher hat uns diese Vorgehensweise effizienter und schneller gemacht.“

Das Modell mit drei Projektteams und klaren Zuweisungen in unterschiedlichen Projektphasen hat sich bisher ausgezahlt. In der Anfangsphase war das deutsche Schuler-Projektteam stärker involviert. Von dort aus wurde und wird die übergreifende Kommunikation koordiniert. Die konkreten Umsetzungen regeln die chinesischen Teams von Schuler und Borgward vor Ort. „Die Experten von Schuler haben sich fachlich sehr gut in unsere Situation hineinversetzen können. Im Verlauf der täglichen Zusammenarbeit konnten wir Vertrauen aufbauen. Das hilft uns in der anstehenden Implementierungsphase der neuen Pressenlinie“, zeigt sich Li zuversichtlich.

Hightech für Borgward

Absolute Präzision erwünscht: Auch deshalb entschied sich Borgward für den Umformtechnik-Experten Schuler.

Um die gewünschte Steigerung der Kapazität auch nachhaltig sicherzustellen und flexibel auf Änderungen reagieren zu können, hat sich Borgward nach umfassender Beratung für eine fünfstufige Servopressenlinie entschieden. Gemäß Projektplan wird diese ab August 2018 in Peking-Miyun in Betrieb gehen und Karosserieteile unter anderem für die Modelle BX7 und BX5 produzieren. Die 67.000 Kilonewton starke Anlage umfasst fünf Pressen und wird einschließlich der zugehörigen Automation komplett von Schuler geliefert. Die Linie verfügt über die mittlerweile bewährte Servo-Direkt-Technologie und entspricht dem neuesten Stand hinsichtlich Energieeffizienz. Modernes Energie-Management für die Hauptantriebe ist dafür eine ebenso wichtige Voraussetzung wie die Ausführung des hydraulischen Ziehkissens in der ersten Presse mit Drei-Flächen-Zylindern.

Bis zu 16 Großteile pro Minute produziert die Anlage vom Typ Servoline 16. Zweifach- und Vierfach-Teile kann Borgward in einer entsprechend höheren Losgröße herstellen. Zum Auftragsumfang zählt auch ein Simulationsprogramm. Es sichert Borgward die optimale Abstimmung aller Bewegungen von Einzelpressen und Automation einschließlich Platinenlader, Crossbar Feedern für den Teile-Transport und Auslaufband. Mithilfe des vollautomatischen Wechsels von Werkzeugen und Toolings kann Borgward kurzfristige Produktwechsel vornehmen. Bis auf wenige Know-how-Komponenten fertigt und montiert Schuler die Baugruppen für die Linie – Tische, Ständer, Stößel und Kopfstücke – komplett im chinesischen Produktionswerk in Dalian.

„Wir haben noch viel Arbeit vor uns, bis die ersten Türen und Dächer auf unserer neuen Pressenlinie geformt werden. Der bisherige Projektverlauf gibt uns große Zuversicht für die kommenden Aufgaben und die Gewissheit, mit Schuler den richtigen Partner für uns gefunden zu haben“, resümiert Li. cs

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