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Manufacturing-Execution-SystemeDie selbstregelnde Fabrik

Mobile MES-Anwendungen mit Hydra von MPDV

Begriffe wie Selbstregelung, Selbstoptimierung oder selbstlernende Maschinen tauchten bereits in den Anfängen der Industrie 4.0 auf. Sie halten sich hartnäckig, werden in jüngster Zeit sogar häufiger genannt.

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UnternehmensverbandHochtechnologie-Cluster

SCOPE: Herr Haese, warum veranstaltet ein regionaler Unternehmensverband wie Measurement Valley die Measurement 2006, eine überregionale Messe und Kongressveranstaltung zum Thema Messtechnik?

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Techno-SCOPE: Hochtechnologie-Cluster

Haese: Zunächst möchten wir uns, also die Mitgliedsunternehmen von Measurement Valley und den Messtechnikstandort Göttingen überregional präsentieren. Natürlich ist die Industriemesse in Hannover „gleich nebenan“. Aber meiner Meinung nach gibt es eine verstärkte Nachfrage nach etwas überschaubareren, thematisch weniger universell angelegten Messen, die neben der Möglichkeit zur Präsentation auch einen gewissen Forumscharakter bieten. Man kann als Aussteller an einer Messe teilnehmen, um zu verkaufen. Das klappt so unmittelbar nur höchst selten. Und man kann sie nutzen, um Kontakte zu knüpfen, weil man endlich mal ein persönliches Gespräch mit dem möglichen Partner XY führen kann. Und im Gegensatz zu Süddeutschland ist Norddeutschland nicht gerade reich mit Technologiemessen bestückt.

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Göttingen wiederum bietet sich unmittelbar an, weil die Messtechnik hier sozusagen endemisch ist. Rund um die Universitätsstadt gibt es eine breite Basis von 60 Technologieunternehmen, die sich mehrheitlich auf der Messe präsentieren werden. Davon sind 33 in Measurement Valley organisiert. Was den Kongressteil angeht, können wir auf unsere wissenschaftlichen Mitglieder zurückgreifen, also Universität, Fachhochschule und Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Sie garantieren für anspruchsvolle Vorträge und namhafte Referenten. Während anderswo mit großem Aufwand Technologietransfer initiiert werden muss, gibt es hier ein Miteinander von Wissenschaft und Technologieunternehmen, das über Jahrzehnte gewachsen ist. Aus den Wurzeln in Messtechnik, Feinmechanik und Optik ist ein Spektrum an – nennen wir sie mal Hightech-Unternehmen – entstanden, dass für eine Stadt dieser Größe bundesweit sicherlich einmalig ist.

SCOPE: Messtechnik ist ein etwas unscharfer Begriff. An welche Zielgruppe wenden Sie sich mit der Measurement 2006?

Haese: Selbst innerhalb unseres Verbandes ist Messtechnik so etwas wie der kleinste gemeinsame Nenner. Jedes der Unternehmen ist ganz oder „irgendwie auch“ im Bereich Messtechnik aktiv. Das kann zum Beispiel die Systemsoftware für die Fernwartung eines Steuerungselementes sein oder die nahezu neurologische Leistung einer Knieprothese. Messtechnik bildet die gemeinsame Herkunft für ein breites Spektrum an polytechnischen Produkten und Dienstleistungen. Nehmen wir Maschinenbau, Medizintechnik und Automatisierungstechnik. Sie alle brauchen wiederum Schlüsseltechnologien aus anderen Branchen – unter anderem auch die Mess-, Steuer- und Regeltechnik. Wie gesagt: Die Teilnehmer sollen ein Forum vorfinden, um ins Gespräch zu kommen und vielleicht sogar die Basis für zukünftige Kooperationen zu legen.

SCOPE: Auch das Schlagwort „Kooperationen“ ist eher unscharf. Was bedeutet es für Sie?

Haese: Measurement Valley bietet seinen Mitgliedern das Forum, „informell“ miteinander ins Gespräch zu kommen. Das mag sich trivial anhören, hat aber viel bewirkt. Während früher eine eher misstrauische Atmosphäre vorherrschte, gibt es heute eine große Bereitschaft zur unternehmensübergreifenden Kooperation. Ein gutes Beispiel ist die Zusammenarbeit der Sartorius AG mit der Carl Mahr Gruppe. Beide Unternehmen überlegten, die Elektronikfertigung nach Asien zu verlagern. Beide kamen zu dem Schluss, dass die Vorteile des Standortes Göttingen aufgrund des hohen Kooperationspotenzials höher zu bewerten seien, als beispielsweise niedrigere Personalkosten in Asien. Eine bisher von Mahr produzierte Platine wurde von den Sartorius-Experten auf den neuesten technologischen Stand gebracht, fertigungstechnisch optimiert und wird seitdem dort produziert. Die erfolgreiche Zusammenarbeit war Vorbild für weitere Kooperationen mit anderen, auch kleineren Measurement Valley Mitgliedsunternehmen. Dabei sind gleichberechtigte Kooperationen entstanden, ohne dass der kleinere wie andernorts in Abhängigkeit geraten ist. Darunter sind Produktions-, Entwicklungs-, Ausbildungs-, Marketing- und Benchmarking-Partnerschaften. Sie alle setzen Kapazitäten frei, die in die Produktentwicklung zurück fließen können. Von einem Zusammenhang zwischen Kooperations- und Innovationsfähigkeit bin ich mittlerweile fest überzeugt.

SCOPE: Diese Kooperationen entstehen also, nur weil die Entscheider endlich mal miteinander ins Gespräch kommen?

Haese: Sämtliche dieser Kooperationen beruhen auf den gesunden, durchaus egoistischen Interessen aller Beteiligten. Neben der Angst der Kleinen vor den Großen konnte ein weiterer Vorbehalt durch das wachsende Vertrauen im Measurement Valley ausgeräumt werden: Die Sorge, in Kooperationen die Ergebnisse der Entwicklungsabteilung preisgeben zu müssen. Jeder muss für sich wissen, was seine eigentliche Kernkompetenz ist. Die steht nicht zur Disposition. Aber alles andere kann in Kooperationen eingebracht werden. Es mag sein, dass der Produktionsstandort Deutschland bei Massenprodukten mit geringer technischer Komplexität weniger Chancen gegenüber Niedriglohnländern hat. Für intelligente Nischenprodukte der Hochtechnologiebranche gibt es durchaus überzeugende Standortvorteile. Etwas präziser formuliert lautet meine These also: Innovationsfähigkeit und betriebswirtschaftlich sinnvolle Nischenproduktion durch Kooperation in Hochtechnologieclustern. Dies schließt auch unsere wissenschaftlichen Partner mit ein. Beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule sind in den vergangenen Jahren marktfähige Produkte entwickelt worden. Dies wollen wir auf der Measurement 2006 thematisch umsetzen und dabei gleichzeitig unser Cluster um neue Partner erweitern.

SCOPE: Widerspricht das nicht dem regionalen Ansatz von Measurement Valley?

Haese: Der Standort Göttingen ist wie gesagt etwas Besonderes, weil hier enorme „Brain power“ aus dem wissenschaftlichen Bereich auf ebenso viel Kompetenz in den Unternehmen trifft. Je nachdem wie man die Messtechnikbranche definiert, sind wir international mehr als konkurrenzfähig. Auf der anderen Seite ist keines der Mitgliedsunternehmen auf die Region beschränkt. Die Kunden sind nahezu immer überregional, in der Regel international angesiedelt. Schon das unterbindet jegliche Neigung, im eigenen Measurement Valley-Saft zu schmoren. Sicherlich gibt es einige Vorteile, die nur unseren Mitgliedern vorbehalten sind. Andere Dienstleistungen haben wir von vorneherein nach außen gerichtet. Etwa die Funktion des Technologie Brokers, der externe Anfragen nach im weiteren Sinne messtechnischen Leistungen koordiniert und betreut. Es geht ja auch nicht darum, neue Mitglieder aus Baden-Württemberg zu werben, sondern es geht um Cluster und Kooperationen. Zum einen können die Unternehmen also individuell Kooperationspartner finden. Zum anderen kann ein inhaltlicher Austausch auf Verbandsebene viele Vorteile für beide Seiten haben, ohne dass man sich gleich umarmen muss.

SCOPE: Und was zeichnet diese Marke Measurement Valley aus?

Haese: Eine Studie des Fraunhofer Institutes aus dem März 2004 besagt, dass von 3,3 Millionen kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland nur noch 35.000 regelmäßig innovativ tätig sind. Das ist dramatisch. Der Rückgang der Innovationstätigkeit deutscher KMU ist für den Standort mindestens ebenso bedrohlich wie die häufig strapazierten Lohnnebenkosten. In Measurement Valley sind nahezu hundert Prozent der Unternehmen regelmäßig innovativ tätig. Außerdem hat sich unsere eher unkonventionelle Struktur bewährt: Ohne „staatliche Obhut“ gegründet und betrieben, hat der Verband eine Geschäftsstelle als zentralen Anlaufpunkt eingerichtet. Alles andere läuft ehrenamtlich und letztlich aus egoistischen Motiven. Wir müssen uns dadurch in keinem Punkt den Leitlinien einer fördernden Institution unterordnen. Fairerweise muss ich sagen, dass die Marke Measurement Valley an einem anderen Standort möglicherweise nicht realisierbar gewesen wäre. Der Messtechnikstandort Göttingen ist aus der traditionsreichen Partnerschaft zwischen Wissenschaft und Unternehmen über Jahrzehnte organisch gewachsen und damit authentisch. Measurement Valley ist möglicherweise „nur“ das naheliegende Instrument, um die Vorteile zu erschließen.

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