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Manufacturing-Execution-SystemeDie selbstregelnde Fabrik

Mobile MES-Anwendungen mit Hydra von MPDV

Begriffe wie Selbstregelung, Selbstoptimierung oder selbstlernende Maschinen tauchten bereits in den Anfängen der Industrie 4.0 auf. Sie halten sich hartnäckig, werden in jüngster Zeit sogar häufiger genannt.

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Internet-Marktplatz für Zulieferer, Wälz- und gleitlager, Lineartechnik, Motorenelemente,,E-Business ist kein Selbstläufer"

Die INA-Schaeffler KG, die im Automotive-Sektor sowohl als Direktlieferant sowie als Unterlieferant (Tier1, Tier2 und Tier3) agiert, hat E-Business nicht erst gestern als strategischen Wettbewerbsvorteil erkannt. Das zeigt bereits die Tatsache, dass der zentrale Bereich E-Business bereichsübergreifend angelegt ist und direkt an die Geschäftsleitung berichtet. Norbert Winkler, Director E-Business, steuert die E-Business-Aktivitäten des Unternehmens weltweit – dazu gehören 43 Vertriebsniederlassungen und 39 Werke. Dabei folgt er den Zielen, die INA als maßgeblich für alle E-Business-Aktivitäten formuliert hat: die Beschleunigung und Standardisierung von Prozessen sowie die Generierung zusätzlicher Services für Partner.

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Techno-SCOPE: ,,E-Business ist kein Selbstläufer"

Diese Ziele wurden allerdings bereits priorisiert, lange bevor E-Business populär wurde. Um weltweit Prozesse zu vereinheitlichen und schlanker zu gestalten, stehen heute allerdings andere technologische Mittel zur Verfügung, die zumindest einen uneingeschränkten Vorteil haben: Die Einbindung von Partnern lässt sich wesentlich schneller realisieren.

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Marktplatzmodell mit Zuschnitt

Die definierte E-Business-Strategie bei INA führte dazu, dass man bereits 1998 eine E-Sales-Applikation einsetzte. Aus den Rückmeldungen der Kunden wurde ersichtlich, dass man einen noch größeren Nutzen durch eine einheitliche Funktionalität und einheitliche Prozesse über viele Hersteller hinweg erzielen könnte. So rückte mehr und mehr das Thema ,,Marktplätze" in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Bald wurde den Verantwortlichen bei INA jedoch klar, dass bereits existierende Marktplätze und Marktplatzmodelle die branchenspezifischen Geschäftsbeziehungen nicht abbilden und damit keine Akzeptanz bei den Geschäftspartnern erlangen würden: Im Gegensatz zum Automotive-Markt, der einen workflow- und prozessorientierten Marktplatz erfordert, waren die meisten Marktplatzmodelle sowie die ihr zugrundeliegende Technologie volumenorientiert.

Im Umkehrschluss hieß das: Eine E-Business-Lösung, die branchenspezifisch angelegt ist – in diesem Fall also den Automotive-Markt und seine typischen Gesetzmäßigkeiten spiegelt – und die sich zugleich als Standard bei Lieferanten, OEMs, Kunden und Partnern etablieren soll, kann keine fertige Lösung sein, sondern muss aus der Kooperation führender Unternehmen dieser Branche hervorgehen. Nur über eine gemeinsam entwickelte Lösung lässt sich ein optimaler Prozessdurchlauf sicherstellen.

Marktplatz statt Portal

Diese Argumente waren gleichzeitig eine Absage an den Portalgedanken: ,,INA arbeitet mit mehr als 25 Portalen zusammen. Jedes dieser Portale macht eine eigene Registrierung und damit eigene Prozesse erforderlich. Das spricht ganz deutlich gegen unsere Forderung, E-Business solle Prozesse verkürzen und beschleunigen", erläutert Norbert Winkler seine Befürwortung des Marktplatz-Gedankens. Aus diesem Grund fiel auch die Entscheidung, mit anderen führenden Unternehmen der Automobilzuliefer-Industrie gemeinsam einen Marktplatz zu gründen, dessen Funktionalitäten und dessen Aufbau die branchentypischen Prozesse präzise abbildet – die Idee von SupplyOn war geboren.

Heute, nach rund 18 Monaten Erfahrung mit SupplyOn, kann sich eine erste Zwischenbilanz sehen lassen. ,,Die Strategie, die wir mit SupplyOn eingeschlagen haben, passt", so Norbert Winkler. ,,Die Community funktioniert sehr gut. Auch mit der Abbildung der Prozesse sind wir auf dem richtigen Weg. Das Anfragevolumen, das wir bei INA mittlerweile über die Procurement-Funktionen von SupplyOn realisieren, liegt bei stolzen 20 Prozent."

Konsequenterweise engagierte sich INA auch bei weiteren Marktplätzen: So wurde für die Unternehmensbereiche Industrie und Handel zweite INA-Säulen neben dem Automotive-Sektor – die Marktplätze Endorsia (europäischer Markt) und Ptplace (nordamerikanischer Markt) mit dem Fokus Vertrieb von ,,Industrie Marken Produkten" gegründet.

E-Business ist kein Selbstläufer

Allerdings betont Winkler auch, dass E-Business kein Selbstläufer ist: Die Einführung eines Marktplatzes wie SupplyOn erfordert ein tiefgreifendes Change Management – und gerade in der Übergangsphase bleiben Redundanzen nicht aus. Immer noch werden Anfragen schriftlich per Fax oder Brief gestellt – mit umfangreichen technischen Dokumentationen im Anhang. Manche Lieferanten konnten vom Nutzen, den ein Marktplatz auf lange Sicht für alle mit sich bringt, noch nicht überzeugt werden. Anderen fehlte die technische Infrastruktur, um am Marktplatzgeschehen teilzunehmen. Gleichzeitig darf der Einsatz eines Marktplatzes natürlich gute, gewachsene Kundenbeziehungen nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Deshalb laufen einige Prozesse derzeit noch parallel.

Weltweiter Start geplant

Beim Roll-out wird ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Einführung eines Marktplatzes deutlich: Die Technologie ermöglicht neue Prozesse, getragen werden diese jedoch weiterhin von den Menschen, die lernen müssen, ihre Arbeitsweise auf die neuen Prozessstrukturen umzustellen. Diese Erkenntnis legt Norbert Winkler der Vorgehensweise der INA beim weltweiten Start von SupplyOn zugrunde. In Deutschland und USA ist SupplyOn bereits implementiert, in Frankreich und Großbritannien steht die Einführung kurz bevor. Dabei folgt der Roll-out in jedem Land dem gleichen Muster: Zunächst werden die INA-Mitarbeiter in den Procurement-Funktionen von SupplyOn geschult. Dann folgt eine Analyse und Ansprache der Lieferanten, die für eine Kooperation über SupplyOn in Frage kommen. Im Anschluss daran erfolgt der Registrierungsprozess, der dann die ersten Anfragen ermöglicht. Diese schrittweise Implementierung gilt für den Procurement-Bereich von SupplyOn. Für Web-EDI (elektronischer Austausch von Dokumenten) hingegen setzt man von Anfang an global an: Hier werden zunächst die Bedarfe aus allen INA-Werken weltweit ermittelt. Anhand dieser Informationen bereitet INA gemeinsam mit SupplyOn den Roll-out vor, bei dem WebEDI nach und nach in allen Werken eingeführt wird.

Umfangreiche Prozessanalysen

Auch die weiteren Funktionsbereiche von SupplyOn wie Logistik und Collaborative Engineering - das gemeinsame Arbeiten auf Webbasis, über Unternehmens- und Landesgrenzen hinweg -sind für INA interessant. Doch gerade für den Bereich Logistik sind, so Winkler, tiefgehendere Inhouse-Analysen notwendig, um die Prozesse auf die Funktionalität von SupplyOn abzustimmen. Beim Thema Vendor Managed Inventory beispielsweise muss heraus gefunden werden, welche Konsequenzen der Einsatz einer solchen Technologie im Unternehmen hat und welche Schritte hierfür generell notwendig sind. Die E-Business-Strategie von INA folgt dabei einem Grundsatz: ,,Wenn wir eine Applikation implementieren, starten wir von Anfang an mit dem flächendeckenden Roll-out. So wird auch das strategische, langfristig angelegte Ziel deutlich, das INA verfolgt." Damit erhält auch der Lieferant die Sicherheit, dass es sich nicht nur um einen Testballon handelt.

Vom Portal zum Marktplatz

Dieser Schritt wird im Automotive-Markt zu neuen Prozessen führen, das Hauptresultat werden kürzere Produktentwicklungszyklen sein. Doch Norbert Winkler geht hier noch einen Schritt weiter. Will man zukünftig die Durchgängigkeit der Prozesse im Automotive-Sektor aufrechterhalten, so muss man mittelfristig Strategien für die Vernetzung der verschiedenen Automotive-Marktplätze beziehungsweise -Portale entwickeln. Ein erster Schritt in diese Richtung ist die Kooperation von SupplyOn mit dem Portal der Volkswagen AG: ,,Eine wichtige Entscheidung", kommentiert Norbert Winkler: ,,Denn nur so lassen sich in Zukunft Parallelprozesse und Mehraufwand vermeiden".

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