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Manufacturing-Execution-SystemeDie selbstregelnde Fabrik

Mobile MES-Anwendungen mit Hydra von MPDV

Begriffe wie Selbstregelung, Selbstoptimierung oder selbstlernende Maschinen tauchten bereits in den Anfängen der Industrie 4.0 auf. Sie halten sich hartnäckig, werden in jüngster Zeit sogar häufiger genannt.

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Informations-ManagementWissen – der unfassbare ­Rohstoff

Kohle, Wasser oder Metalle als wichtigste Rohstoffe – das war Gestern. Heute und Morgen heißt unser wichtigster Rohstoff: Wissen. Im Gegensatz zu den natürlichen Rohstoffen gibt es einen gewaltigen Unterschied, denn je mehr von dieser Ressource verfügbar ist, umso schwieriger ist das Erschließen dieses Schatzes. Wissensmanagement – auch Knowledge Management genannt – soll dazu behilflich sein. Wie groß diese Herausforderung ist, lässt eine Studie der University of California in Berkely aus dem Jahr 2000 erahnen. Schon damals umfasste das Gesamtvolumen aller derzeit weltweit verfügbaren Informationen zwölf Exabyte. Das entspricht dem Inhalt von 120.000.000.000.000 Büchern. Dabei lagen nur 0,003 Prozent der Inhalte in gedruckter Form vor. Katalysator dieser Entwicklung sind stetig wachsende Speichervolumina.

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Techno-SCOPE: Wissen – der unfassbare ­Rohstoff

Die Entwicklung von effektiven Strategien zur Bewältigung der Informationsflut wird vor diesem Hintergrund zunehmend zum kritischen Erfolgsfaktor für die Unternehmen. Das Ziel muss eine individuelle und zeitnahe Versorgung mit kontextsensitiven Informationen, die wertschöpfend verarbeitet werden können, sein. Einige große Unternehmen gehen die Problematik gezielt an, die breite Masse – vor allem mittelständische Unternehmen – hat die Problematik zwar erkannt, bislang aber nicht für Abhilfe gesorgt. Die Flut an E-Mails, elektronischen Newsletters und Werbung, die täglich kursiert, hat die Situation weiter verschlimmert.

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Know-how im Zugriff

Einen interessanten Ansatz verfolgt der Volkswagen Konzern: Ein Wissensportal für die Qualitätssicherung innerhalb des Unternehmens. Mithilfe von USU, einem süddeutschen Spezialisten für Wissensmanagement, entstand das vom Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder Mitte 2000 initiierten Projektes „Wissensmanagement in der Qualitätssicherung”. Ziel war es, das qualitätsrelevante Wissen transparent und für die Mitarbeiter schnell zugänglich zu machen, um so eine effiziente Nutzung des Wissens zu erreichen.

Der immaterielle Anteil an der Wertschöpfung in der Automobilindustrie wächst rasant. So werden beispielsweise rund 90 Prozent aller Fahrzeuginnovationen durch Elektronik erzeugt und hiervon wiederum 80 Prozent durch Software. Eine Plattform, die den Aufbau von Unternehmenswissen unterstützen sollte, war das in der Konzern-Qualitätssicherung entstehende Wissensportal, zugänglich über das VW Intranet. Dieses Portal sollte zunächst dem Ressort Qualitätssicherung als übergreifende Informationsquelle dienen, bot aber in späteren Ausbaustufen auch die Erweiterbarkeit für andere Bereiche des Konzerns. Um Anwendernähe und Akzeptanz sicherzustellen, waren neben dem IT Projekt eine Kommunikationsgruppe sowie ein übergreifendes Veränderungsmanagement Kernelemente des Gesamtprojekts. Unterstützt durch entsprechende Schulungen und Qualifikationsmaßnahmen wurde die Einführung des EDV-Systems so professionell als Bestandteil einer neuen Vorgehensweise eingeführt. Architektur und Infrastruktur dieses Wissensportals wurde in Partnerschaft mit Software-Werkzeugen des IT-Konzerns Oracle entworfen und realisiert, die den durchgängigen Zugang von der Datenbank bis zum Webserver sicherstellten.

Zentrales Element des Wissensportals ist der „Knowledge-Miner“, eine Metasuchmaschine, die mit Hilfe von Topic Maps dem Rechercheur eine intelligente Recherchefunktionalität bietet. Als Topic Map bezeichnet man eine Struktur, mit deren Hilfe der effiziente Zugang zu großen unstrukturierten Informationsmengen ermöglicht wird. Die wichtigsten Bausteine der Struktur sind „Topics“ (Themen, Knoten) und „Topic Occurences“ (statische Dokumentenzuordnung zu einem Knoten). Verweise (Assoziationen, Kanten) verknüpfen diese Topics und machen deren Beziehung deutlich. Daraus wird der Kontext zwischen zwei miteinander verknüpften Topics ersichtlich.

Wissen auf Knopfdruck

Durch den Einsatz des „Knowledge-Miner“ im QS Wissensportal soll gewährleistet werden, Informationen im Bereich Konzern-Qualitätssicherung sowohl strukturiert als auch unstrukturiert suchen zu können. Anwender sollen in der Lage sein, ohne explizites Recherche Know-how und ohne Kenntnisse über die Ablagestruktur des vorhandenen Datenbestands effizient die Informationen zu finden, die sie für ihre tägliche Arbeit benötigen.

Im ersten Halbjahr 2001 wurden in enger Zusammenarbeit des auftraggebenden Fachbereichs mit Beratern von USU zunächst Themen identifiziert, die inhaltlich über das Portal abgedeckt werden sollten. Diese Themen wurden dann in Interviews mit den Fachverantwortlichen genauer analysiert, Informationsflüsse visualisiert und auch Optimierungsmöglichkeiten aufgedeckt. Die so entstandenen Analysedokumente dienten als Grundlage für die Erarbeitung der Spezifikation des QS Wissensportals, das in mehreren Stufen schrittweise zur voll nutzbaren Arbeits- und Kommunikationsplattform für QS Mitarbeiter ausgebaut wurde.

Der „Knowledge-Miner“ soll ein Kernproblem des Großunternehmens lösen: Die Menge der über EDV verfügbaren Informationen aus unterschiedlichsten Systemen wächst mit zunehmender Geschwindigkeit, gleichzeitig wächst aber auch das Problem, schnell den Überblick zu spezifischen Fragestellungen oder über komplexe Zusammenhänge zu bekommen. Der herkömmliche Weg würde hier das zeitaufwendige Abfragen der Einzelsysteme bedeuten. Die Recherchefunktionalität des QS-Wissensportals dagegen liefert für eine durchgeführte Suche Informationen aller angeschlossenen EDV-Systeme. Daneben wird im Zusammenspiel mit der Erweiterung des Wissensportals als übergreifende Datenquelle auch die Integration der zugrundeliegenden EDV Systeme vorangetrieben. Über die vereinheitlichten Schnittstellen des Application Server zu bestehenden Systemen soll eine intensive Verzahnung der Systeme vorangetrieben werden.

Die Anwender des Wissensportals werden über das Portal auf eine steigende Zahl dieser Systeme auch operativen Zugriff erhalten, das heißt sie können diese Systeme nutzen, ohne sich erneut anmelden zu müssen. Seit Anfang 2002 ist die zweite Realisierungsstufe produktiv im Einsatz und steht heute rund 2.900 Anwendern zur Verfügung. Mit der Endausbaustufe sollen etwa 10.000 Benutzer adressiert werden. Die Anzahl der recherchierbaren qualifizierten Dokumente hat sich von anfangs 3.000 auf mittlerweile über 80.000 erhöht.

Daneben sind inzwischen mehrere hunderttausend weitere Dokumente wie Organisations- und Verfahrensanweisungen oder QM-Unterlagen recherchierbar. Die verfügbaren Informationen unterstützen die Wissensvermittlung in den beiden hauptsächlich adressierten Geschäftsprozessen, also sowohl dem Fehlerabstellprozess als auch dem Fehlerpräventionsprozess. Beispiele sind: Problembeschreibungen, Qualitätsdatenblätter, Laborberichte, Erfahrungskataloge, Lastenhefte, Marktbeobachtungen, Richtlinien, Auditierungsergebnisse oder Dokumentation.

Kein Selbstläufer

Die Konzern-Qualitätssicherung von Volkswagen verfügt mit dem QS Wissensportal und dem zentralen Recherchetool über einen vereinheitlichten Zugang zu verschiedensten Informationssystemen des Unternehmens. Dieser Zugang kann im Vorfeld der Produktion oder im Fehlerabstellprozess zur Nutzung vorhandener Erfahrungen und damit zur Effizienzsteigerung genutzt werden. Damit werden Labortests durch die umfangreichen praktischen Erfahrungen, die aus der Reklamationsabwicklung beziehungsweise Serviceleistungen entstehen, zu einem unschätzbaren Wissenspool erweitert.

Mit dem weiteren Ausbau wird sich ergänzend zur Recherche auch das Berichtswesen immer stärker dieses umfassenden Informationszugriffs bedienen.

Anfangs war die Systemeinführung eine unterschätzte Aufgabe. Auch bei Projekten, die durch einen Vorstandsauftrag die notwendige „Management Attention“ besitzen, ist die schnelle Verbreitung und Akzeptanz kein Selbstläufer. Nur eine ausgereifte Technologie ermöglicht zusammen mit den passenden Kommunikations-, Marketing- und Coaching-Aktivitäten den Erfolg. Die Entwicklung des Wissensportals ist noch nicht abgeschlossen. Die Menge der verfügbaren Informationen wächst stetig. Diese sind jedoch bedeutend einfacher zu handhaben für Anwender, die sich auf ein Recherchesystem verlassen können, das läuft und läuft und läuft...Stefan Graf

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