Scope Online - Industriemagazin für Produktion und Technik
Sie befinden sich hier:
Home> Betrieb + Beschaffung> Techno-SCOPE> Zwischen Handel und Herstellung

Manufacturing-Execution-SystemeDie selbstregelnde Fabrik

Mobile MES-Anwendungen mit Hydra von MPDV

Begriffe wie Selbstregelung, Selbstoptimierung oder selbstlernende Maschinen tauchten bereits in den Anfängen der Industrie 4.0 auf. Sie halten sich hartnäckig, werden in jüngster Zeit sogar häufiger genannt.

…mehr

Formodal 23, Halbzeuge und mehrZwischen Handel und Herstellung

Rund 13.000 Artikel beherbergen die Lager von Halbzeughändler Bikar. Hinsichtlich Werkstoffauswahl, Formaten und Dienstleistungen bietet das Unternehmen vor allem für den Formen- und Werkzeugbau interessante Angebote.

sep
sep
sep
sep
Formodal 23: Zwischen Handel und Herstellung

Dass Formen- und Werkzeugbauer höchste Ansprüche an die eingesetzten Werkstoffe stellen, ist kein Geheimnis. Sie beziehen sich längst nicht mehr nur auf den eigentlichen Werkstoff – im einfachsten Fall auf einen Standardstahl. Unter weiter zunehmendem Kosten- und Innovationsdruck setzen Formen- und Werkzeugbauer vielmehr auf alternative Materialien, angearbeitete Halbzeuge und kurzfristige Lieferungen.

Einen der großen Händler von Halbzeugen – und nicht nur für den Formen- und Werkzeugbau sondern für eine Vielzahl von Branchen – ist Bikar Metalle. Hier bekommt man ein breites Angebot aus einer Hand: Aluminium, Kupfer, Messing, Rotguss, Bronzen und Kunststoffe in unterschiedlichen Dimensionen, Geometrien und Legierungen. „Die Menge oder Vielfalt allein ist jedoch nur die halbe Miete“, räumt Geschäftsführer Konstantin Bikar mit einem falschen Bild auf. Wer in diese Branche liefern wolle, müsse durch den Qualitätsfilter. Bevor das erste Material ins Lager genommen werde, seien einige Hürden zu überspringen – nicht nur diverse Prüfungen in einer neutralen Materialprüfanstalt. „Qualität steht vorn“, so Konstantin Bikar. „Hier dreht sich die Welt nicht um den billigsten Preis, alles kommt von namhaften Herstellern, die es sich ihrerseits nicht leisten können, minderwertige Produkte anzubieten.“ Denn gerade im Formenbau können in einem späten Stadium festgestellte Materialfehler nicht nur hohe Kosten, sondern oft auch problematische Terminprobleme nach sich ziehen. Auch zum Thema Service hat Konstantin Bikar eine spezielle Meinung: „Was in unserem Markt gelegentlich als Serviceleistung hervorgehoben wird, ist bei uns schlicht Standard.“ Die Leistungen rund um den Werkstoff, den eigentlichen Handel, müssen sehr viel weiter gehen. Die Frage, ob Bikar nun als Händler oder Herstellbetrieb einzustufen sei, lasse sich dementsprechend eigentlich nicht mehr so genau beantworten. Zu einem hohen und weiter wachsenden Anteil verlassen Halbfertigprodukte die Hallen. Das sind zumeist Zuschnitte hoher Maßhaltigkeit, die geringeren Aufwand in der Weiterverarbeitung und weniger Abfall verursachen. Auf rund 70 Prozent schätzt Konstantin Bikar den Anteil der auf irgendeine Art bearbeiteten Werkstoffe. Selbst wenn es „nur“ um das Sägen gehe, spiele die Qualität – etwa geringste Toleranzen – eine entscheidende Rolle. Aber auch auf spezielle Kundenwünsche geht das Unternehmen ein: So ist das Erzeugen von Ronden oder Ringen von kleinen bis zu großen Dimensionen gelochten und ungelochten Ronden – vor allem in großen Dimensionen – in einem breiten Werkstoff- und Dickenspektrum ein Standardangebot.

Anzeige

Mit steigendem Automatisierungsgrad sinken die Kosten und es geschehen tendenziell weniger Fehler. Aus diesem Grund wurde schon vor Jahren in ein automatisches Hochregallager für Bleche, Platten und Profile investiert. Die mehrfach erweiterte Anlage bietet heute etwa 1900 Kassetten mit rund 9000 Tonnen eingelagertem Bestand, der fast alles enthält, was derzeit an Abmessungen auf dem Markt ist.

Geliefert werden alle Mengen, vom kleinen Abschnitt einer Bronzestange, aus der der Schlosser eine Lagerbuchse drehen will, bis hin zu kundenspezifischen Großaufträgen, die einen beträchtlichen Teil des Unternehmensumsatzes ausmachen. Üblich sind Lieferzeiten für Vorratswaren von 12 bis 24 Stunden nach Auftragseingang, abgehend aus dem Lager Bad Berleburg – und zwar weltweit. Asien wird vom Lager in Singapur aus bedient. Die Lieferfähigkeit ist aufgrund vorausschauender Einkaufspolitik und umfangreicher Lagerkapazität hoch, obwohl es für einige Werkstoffe bei den Erzeugern inzwischen Lieferzeiten von 7 bis 9 Monaten gibt. Vor allem in den beiden letzten Jahren habe man die Lager weiter aufgestockt; die laufenden, langfristigen Lieferabrufe erfüllen die Werkstoffproduzenten zuverlässig. „Es wird keine Lieferengpässe geben“, versichert Konstantin Bikar. Die gesamte Lagertechnik und Weiterverarbeitung einschließlich Informationstechnik sowie die Gebäude sind auf dem aktuellen Stand der Technik. Die letzte Investition: Ein weiteres zukunftsorientiertes Sägezentrum (August Mössner, Eschach) für rund 2,5 Millionen Euro Gesamtkosten und zusätzliche umfangreiche Logistikflächen gingen im September 2006 in Betrieb. Eine vergleichbare Anlage gab es laut Bikar bisher nicht. Sie zielt vor allem auf das stark wachsende Formodal-Geschäft: Diese Aluminium-Werkstoffgruppe mit extrem geringen Eigenspannungen und ausgezeichneten Bearbeitungsmöglichkeiten entdecken die Formen-, Werkzeug- und Modellbauer zunehmend für sich. Hier werden aus tonnenschweren Aluminiumwalzbarren kundenspezifische Zuschnitte mit sehr geringen Toleranzen auf Maß hergestellt.

Der Trend zum Aluminiumwerkzeug hält unvermindert an, nicht nur bei Vorserien. Für kleine bis mittlere Serien sind sie, eventuell versehen mit einer Beschichtung, häufig die weit wirtschaftlichere Alternative. Nicht nur die Zerspanung wird um eine Größenordnung schneller; Heiz- und Kühltechnik sind erheblich kostengünstiger und einfacher einzubauen, die Zykluszeiten sinken. Zudem können kleinere Maschinen genutzt werden, die per se geringere Stundensätze aufweisen und wegen der geringen Formteilgewichte die Zykluszeit nochmals drücken.

„Wir sehen den Markt für Aluminium im Formenbau weiter überproportional wachsen“, bestätigt Konstantin Bikar. Deshalb engagiere sich das Unternehmen auch an dieser Stelle mit zusätzlichen Leistungen: Spanende Bearbeitungen bis zur Fertigbearbeitung biete man gemeinsam mit qualifizierten Partner aus der Region an.

Mehr als heute sieht Konstantin Bikar in der Zukunft das Thema Kundenorientierung im Mittelpunkt allen Handelns. Kunden sollen alle Halbzeuge aus einer Hand beziehen können. Mit einem Qualitätsstandard, einem einheitlichen umgebenden Dienstleistungsspektrum und einem Ansprechpartner. Ein Fokus liegt auf der noch weiteren Durchdringung des gesamten Unternehmens mit automatisierten Abläufen, um die Auftragsdurchlaufzeit noch weiter zu senken. Das über Jahre, mit eigenen Programmierern entwickelte IT-System, das vom Vertrieb über die Lagerwirtschaft bis zur Anbindung jeder einzelnen Maschine reicht, wird permanent erweitert, um Abläufe sicherer und noch schneller – und kostengünstiger – zu machen.

Aber auch die intensive, produktübergreifende Betreuung des Kunden von jeweils bestimmten Personen und das ständige Einbringen neuer Ideen werden weiter gepflegt. „Darauf fußt ein großer Teil unseres Erfolgs. Das ‚System Bikar’ wird angenommen“, sagt Konstantin Bikar. Ohne das Gesamtprogramm von etwa 13.000 lagermäßig geführten Artikeln einzuschränken setzt er zudem weiter auf Werkstoffe mit Potenzial wie den angesprochenen Aluminiumwerkstoff Formodal. Erfolgversprechende Projekte können, auch wenn sie länger dauern, jederzeit in Angriff genommen werden“, gibt er die Richtung vor. Auch für größere Aktivitäten sei eine ausreichende Kapitalausstattung vorhanden, um notwendige Investitionen tätigen zu können. So macht er sich auch keine Sorgen um die Auslastung des gewaltigen neuen Sägezentrums: „Wir könnten Platten der Abmessung 4500 x 2200 x 1200 Millimeter sägen, wenn es die schon gäbe.“ Der Kundenwunsch nach größeren Platten aus einem Stück könnte also schon jetzt erfüllt werden. So sei die gewünschte Auslastung schnell erreicht – und die Tür offen für einen weiteren Schritt. So wie in den letzten gut 40 Jahren. ms

Anzeige
Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge zum Thema

Werkstoffe: Neues für heiße und kalte Umgebungen

WerkstoffeNeues für heiße und kalte Umgebungen

Igus hat zwei neue Iglidur-Werkstoffe in sein Programm aufgenommen. Halbzeuge aus den neuen Iglidur A500 und C500 sind besonders temperatur- und medienbeständig und bieten konstruktive Flexibilität in der Lebensmittel- und Chemieindustrie, der Medizintechnik und dem Anlagenbau.

…mehr
Handbuch von RCT

Halbzeuge und BefestigungselementeRCT präsentiert Best of-Handbuch

Reichelt Chemietechnik (RCT) hat in einem neuen Handbuch die besten Produkte aus dem Thomaplast-Programm „Halbzeuge und Befestigungselemente“ zusammengefasst.

…mehr
Halbzeuge: Reichelt bietet Rundstäbe aus PTFE

HalbzeugeReichelt bietet Rundstäbe aus PTFE

Reichelt Chemietechnik hält innerhalb seines Programms “Halbzeuge“ eine große Auswahl an engtoleriertem Rundmaterial aus virginalem Polytetrafluorethylen (PTFE) mit der Shore-Härte D zwischen 55° und 59° am Lager, sowohl aus extrudiertem als auch aus formgepresstem PTFE. Welche Vorteile dieser Werkstoff bietet, lesen Sie hier.

…mehr

FertigungsserviceWerkstoffe individuell veredeln

Das Unternehmen Goodfellow gehört zu den führenden Anbietern kleiner und mittlerer Mengen qualitativ hochwertiger Metalle, Keramiken und anderer Materialien für Forschung und Produktentwicklung.

…mehr
Lochblech

LochblecheMehr als nur Löcher im Blech

Manchmal sind es die scheinbar einfachen Dinge, die erstaunliche Geschichten zu erzählen haben – und sich bei näherem Hinschauen als viel komplexer erweisen als gedacht. Lochbleche sind einfache Produkte und haben gerade deshalb dem Wandel der Zeiten getrotzt.

…mehr
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Neue Stellenanzeigen

Direkt zu:


ExtraSCOPE


TrendSCOPE


Robotik in der industriellen Fertigung