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Manufacturing-Execution-SystemeDie selbstregelnde Fabrik

Mobile MES-Anwendungen mit Hydra von MPDV

Begriffe wie Selbstregelung, Selbstoptimierung oder selbstlernende Maschinen tauchten bereits in den Anfängen der Industrie 4.0 auf. Sie halten sich hartnäckig, werden in jüngster Zeit sogar häufiger genannt.

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Schutzkleidung Gießerei, Schutzkleidung Glasindustrie, Schutzkleidung ZementproduktionEine für alles?

Wer an gefährlichen Arbeitsplätzen arbeitet, muss gegen die dort herrschenden Risiken ausreichend geschützt werden. Hochwertige Schutzkleidung kann dazu einen wertvollen Beitrag leisten. Zunehmend bietet der Markt hierfür „Multi- funktionskleidung“ an, die verspricht, gegen viele unterschied- liche Gefährdungen abzusichern. Aber kann eine einzige Schutzkleidung tatsächlich gegen alle Gefahren absichern?

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Schutzkleidung Zementproduktion: Eine für alles?

Fragt man Wolfgang Quednau nach seiner Meinung zum Thema Multifunktionskleidung, antwortet der Experte für Schutzkleidung gern mit einem Beispiel aus der Leichtathletik: "Der im Jahr 1996 aufgestellte Weltrekord im Speerwerfen der Herren liegt bei 98,48 Metern. Der beste Zehnkämpfer erreicht eine Weite von 77,47 Metern mit dem Speer." Die Quintessenz dieses Vergleichs ist für Quednau: Will man Spitzenleistung, dann muss man sich auf eine Disziplin konzentrieren. Will man aber mehrere Disziplinen abdecken, muss man sich in der Einzeldisziplin gegebenenfalls mit einem schlechteren Ergebnis zufrieden geben. Deshalb rät er dazu, bei der Anschaffung von Persönlicher Schutzausrüstung, kurz PSA, nicht zu vertrauensvoll mit einem Breitbandschutz umzugehen. Eine Schutzkleidung ohne Prüfung auf Tauglichkeit für den Tätigkeitsbereich des Trägers einzusetzen, hält er sogar für riskant. Dennoch, Multifunktionskleidung steht derzeit hoch im Kurs: Bis zu zehn Normen erfüllen die Vielkönner in Sachen Schutzkleidung und implizieren damit, ihre Träger gegen ebenso viele Gefährdungen zu schützen. Da wundert es kaum, wenn viele Arbeitgeber bei einem solchen Produktversprechen gern zugreifen möchten. Fachmann Wolfgang Quednau, der unter anderem in den Normierungsgremien ISO, CEN und DIN mitarbeitet, bestätigt zwar die Fortschritte beim Schutzfaktor Kleidung: "Es stimmt, Schutzkleidung kann mehr und schützt besser als noch vor wenigen Jahren. Innovative Fasermischungen ermöglichen inzwischen Gewebe mit multiplen und höheren Schutzfunktionen. Produkte, die zwei, drei oder vier Anforderungen miteinander kombinieren, können den vorhandenen Bedarf hervorragend abdecken." Doch die Möglichkeiten, guten Schutz zu bieten, sind so vielfältig, wie es die Gefährdungen selbst sind. Ob sich ein Gewebe tatsächlich für eine ganz bestimmte, real vorhandene, spezifische Exposition eignet, ist durch seine Normenkonformität allein nicht gewährleistet. Wer seinen Mitarbeitern und Kollegen den richtigen Schutz anziehen will, kommt nicht darum herum, am Arbeitsplatz vorhandene Risiken in einer Gefährdungsbeurteilung zusammenzustellen und zu bewerten. Je spezifischer definiert ist, welche Risiken in welchem Ausmaß vorhanden sind, desto eher findet man ein Gewebe, das diesen Anforderungen bestmöglich entspricht.

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Spezialist versus Generalist

"Hinzu kommt, dass kaum jemand sechs oder mehr Standard-Schutzfunktionen an seinem Arbeitsplatz benötigt," erklärt Silvia Mertens. Die Leiterin der Abteilung Produktentwicklung von Mewa Textil-Service registriert kundenseitig ein wachsendes Interesse, Mitarbeiter mit mehrfach funktionaler PSA auszustatten. Den Wunsch der Arbeitgeber und Einkäufer, mit einer einzigen Kleidung möglichst gegen jede Gefährdung gewappnet zu sein, versteht sie gut, doch die Realität erfordert in der Regel ein anderes Vorgehen. "Eine für alles", das gibt es nicht, und Multifunktionskleidung, die eine Vielzahl von Normen erfüllt, umfasst eventuell auch Funktionen, die am Einsatzort der Kleidung gar nicht notwendig sind. Dafür kann dann ein anderer Schutzfaktor fehlen, der für den Mitarbeiter bei seiner Tätigkeit gerade besonders wichtig wäre. Verzichtet man auf Funktionen, die höchstens sekundär relevant sind, können die primär relevanten Funktionen meistens durch spezielle Gewebe sehr viel effektiver, sicherer und bequemer für den Träger erfüllt werden.

Geeignete Hitzeschilder

Aus diesen Gründen bietet das Unternehmen Mewa für besondere Einsatzbereiche seine Speziallösungen an. Aktuell wurde beispielsweise eine Hitze- und Flammschutz-Kleidung für Mitarbeiter in der Glasproduktion entwickelt. Wer am sogenannten "heißen Ende" tätig ist, hantiert mit glühendem Glas. Das Einsatzgebiet erfordert einen hochwertigen Schutz gegen Strahlungs- und Kontakthitze, wobei gerade die Unterarme der Mitarbeiter besonders geschützt werden müssen. "Ein Kunde sprach uns an und fragte, ob wir uns nicht etwas Passendes einfallen lassen können", erzählt Silvia Mertens. Das Ergebnis der Produktentwicklung ist die Linie Mewa Exclusive Glas. Dabei handelt es sich um eine leichte und funktionale Spezialkleidung, die sich angenehmer trägt als Produkte von der Stange, und deren untere Ärmel zusätzlich verstärkten Schutz vor Verbrennungen durch glühendes Glas und Hitzeeinwirkung bieten. Speziell auf das Tätigkeitsgebiet ausgerichtete Schutzkleidung bietet der Textil-Dienstleister auch für andere Industriezweige - zum Beispiel für die Zementproduktion, in der das Rohmaterial, das sogenannte Heißmehl, bei der Herstellung auf 1.500° C erhitzt wird. Auch für Gießereien gibt es maßgeschneiderte Lösungen. Grundsätzlich hält Silvia Mertens die Bezeichnung "Multinormkleidung" für eine Schutzbekleidung, die mehrere Normen erfüllt, treffender. Wenn eine Kleidung die Zertifizierung nach einer Norm bestanden hat, heißt es eben ganz genau das: Sie erfüllt die Kriterien dieser Norm. Wer jetzt aber die Inhalte der Norm und das, was sie bedeuten, nicht im Detail kennt, kann hinsichtlich der Praxistauglichkeit der Kleidung falsche Vorstellungen entwickeln. Silvia Mertens nennt ein Beispiel: "Im Rahmen der Prüfung einer Chemikalienschutzkleidung nach Typ 6 muss deren Beständigkeit mit einer von vier Chemikalien nachgewiesen werden. Die Zertifizierung einer Kleidung nach EN 13034 "Schutzkleidung gegen flüssige Chemikalien Typ 6" sagt also noch nichts darüber aus, ob sie sich tatsächlich als ausreichender Schutz gegen die Chemikalien eignet, die im eigenen Betrieb eingesetzt werden." Darüber hinaus gibt es eine große Varianz der Schutzfunktion, die durch Konzentration und Temperatur einer Chemikalie bedingt wird. Welche Schutzkleidung sich im konkreten Fall eignet, kann nur bezogen auf die am Arbeitsplatz eingesetzte(n) Chemikalie(n) unter Berücksichtigung ihrer Konzentration und der Temperatur abgefragt werden. "Die Aussagen der Normen müssen daher sehr differenziert hinsichtlich ihrer tatsächlichen Praxistauglichkeit für den spezifischen Bedarf am Einsatzort der Kleidung betrachtet werden", gibt auch Wolfgang Quednau zu bedenken. "Eine Chemikalienschutzkleidung, die gegen alle Säuren und Laugen schützt, gibt es nicht", fügt er hinzu. "Und eine Kleidung, die zusätzlich einen für alle Produktionsbereiche zufriedenen stellenden Hitze- und Flamm-, Wetter- und Warnschutz et cetera bietet, noch viel weniger. Aber wenn wir Experten wissen, welche Risiken vor Ort bestehen, können wir Arbeitgeber und Einkäufer entsprechend bei der Auswahl unterstützen." ms

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