Interview mit Volker Sieber

„Für die Zukunft mehr Optimismus“

Schnaithmann Maschinenbau bezeichnet sich selbst als Partner der Besten. Verifizieren konnten wir das nicht. Der Frage nachgehen, was Industrie 4.0 wirklich sein kann, schon. SCOPE-Redakteurin Caterina Schröder befragte Volker Sieber, Leiter Entwicklung bei Schnaithmann sowie Mitglied im Lenkungskreis Allianz Industrie 4.0 des Landes Baden-Württemberg, ob Konkurrenzdenken noch angebracht sei und ob Deutschland überhaupt Innovationstreiber sein kann. Sein Wunsch: "Für die Zukunft mehr Optimismus"

Volker Sieber, Leiter Entwicklung bei Schnaithmann

SCOPE: Was steht für Sie hinter dem Begriff der Industrie 4.0?

Volker Sieber: Für mich persönlich ist Industrie 4.0 zunächst einmal ein inflationär gebrauchter Marketing-Begriff, der sich mit beliebigem Inhalt füllen lässt. Im Netz finden sich zig mehr oder weniger diffuse Definitionen. Geschickt interpretiert, lässt sich somit alles unter I4.0 vermarkten.

Auch die in diesem Zusammenhang vielfach zitierte Digitalisierung trifft nicht den Kern der Sache. Digitalisiert haben wir bereits in den 90er Jahren, als Computer und NC-Steuerungen Einzug in die Produktion hielten. Wir produzieren also schon lange digitale Daten, die aber in der Vergangenheit größtenteils nicht wertschöpfend genutzt wurden. Deshalb bedeutet für mich Industrie 4.0 in erster Linie, dass mit der heute verfügbaren IKT vorhandene Daten sinnvoll zusammengeführt werden und daraus zusätzlicher Kundennutzen generiert wird. Der tatsächliche Mehrwert von Industrie 4.0 liegt in der Konnektivität.

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SCOPE: Unternehmensübergreifende Kommunikation lässt Konkurrenten zusammenrücken. Sollten KMU, um global überleben zu können, sich mehr als Mitstreiter denn als Rivalen sehen?

Sieber: Unbedingt! Kein Unternehmen, und ein KMU schon gar nicht, hat alle erforderlichen Kompetenzen im eigenen Haus. Netzwerke und belastbare Partnerschaften sind unerlässlich, wenn man zukünftig bestehen will. Deshalb bin ich ein glühender Verfechter von Kooperationen, auch unter Marktbegleitern. Das würde die Marktmacht jedes Einzelnen signifikant steigern. Ich persönlich sehe meinen Konkurrenten in Südkorea und nicht in Feuerbach. In Deutschland und speziell hier in Baden-Württemberg haben wir da paradiesische Voraussetzungen, die es zu nutzen gilt: Es gibt kein technisches Problem, für das man nicht innerhalb von zwei Autostunden eine Lösung findet.

SCOPE: Muss Industrie 4.0 teuer sein?

Sieber: Hier gilt, wie überall anderswo auch: Die letzten 20 Prozent werden sicherlich einiges an Invest erfordern. Eine eigene Plattform oder eine durchgängige PLM-Software werden nicht umsonst zu haben sein. Aber diese Frage stellt sich den meisten Unternehmen zunächst einmal gar nicht, da sie von diesem hohen Niveau noch meilenweit entfernt sind. Eine Annäherung an Industrie 4.0 erfolgt am besten nach der oft zitierten Devise „Denke groß, fange klein an, scheitere schnell und skaliere den Erfolg“. Für diese ersten kleinen Schritte ist keine große Investition fällig. Ich könnte hier auf Anhieb einige Beispiele aufzählen, wie wir in unserem Unternehmen mit Elektronik aus dem Versandhaus erste 4.0-Projekte umgesetzt haben. Platziert man diese Projekte dann noch in der Lehrwerkstatt oder setzt sie im Rahmen studentischer Arbeiten um, schont man gleichzeitig auch noch die meist eh zu knappen Personalressourcen.

SCOPE: Ist Deutschland zu bürokratisch, um Innovationstreiber zu sein?

Sieber: Eher zu ängstlich und zu konservativ als zu bürokratisch. Irgendwie scheint es der deutschen Mentalität zu entsprechen, dass man allem Neuem und Unbekanntem erst einmal mit gehöriger Skepsis begegnet und der Fokus zunächst mehr auf den Risiken als auf den Chancen liegt. Da würde ich mir für die Zukunft mehr Optimismus und Neugierde wünschen. Auch tut sich die deutsche Industrie sehr schwer, ihr angestammtes Wertesystem zu verlassen und in neuen Geschäftsmodellen zu denken. Hier muss schleunigst ein Umdenken stattfinden, will man nicht von anderen rechts überholt werden.

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