Matthias Altendorf

„Wir verstehen die Kunden – das macht uns erfolgreich“

Er ist der erste CEO der Endress+Hauser-Gruppe, der nicht zur Familie gehört, und er trat das überaus erfolgreiche „Erbe“ von Klaus Endress an. Doch auch seine Bilanz nach knapp zwei Jahren kann sich sehen lassen. Im Gespräch mit der SCOPE-Redaktion verrät Matthias Altendorf sein Erfolgsgeheimnis.

Matthias Altendorf

SCOPE: Sie haben Anfang 2014 von Klaus Endress ein mehr als erfolgreiches Unternehmen übernommen. Was haben Sie in Ihrer bisherigen Zeit als CEO anders bzw. besser als Ihr Vorgänger gemacht?

Matthias Altendorf: Wesentlich anders habe ich es gar nicht gemacht. Im ersten Jahr ging es darum, erst einmal zuzuhören, Mitarbeiter und Kunden zu verstehen und die verschiedenen Aufgaben zu übernehmen. So gesehen haben wir den Kurs weiterverfolgt, den wir zusammen begonnen haben. Allerdings habe ich versucht, gewisse Dinge anders zu durchdenken. Derzeit überlegen wir, wo wir Schwerpunkte setzen und wie wir unsere Strategie weiterentwickeln wollen. Ich bin ja bereits 2009 ins Executive Board aufgenommen worden und habe in dieser Funktion auch die Strategie mitbestimmt und mitgetragen. Diese Kontinuität ist für das Unternehmen wichtig.

SCOPE: Endress+Hauser ist Markt- und Technologieführer in der Prozessautomatisierung. Hält der Markt überhaupt noch Herausforderungen für Sie bereit – und wenn ja, welche?

Altendorf: Herausforderungen gibt es immer. Endress+Hauser hat sich auf den Weg gemacht, sich vom traditionellen Messgerätegeschäft in das Lösungsgeschäft zu bewegen. Dabei fokussieren wir uns auf fünf wesentliche Anwendungsgebiete: Erstens wollen wir mit unseren Durchflussmessgeräten den Kunden helfen, Verladetransaktionen zu automatisieren und zu gestalten. Mit unseren Füllstandsprodukten versuchen wir, die Logistik- und Lieferkette in Form von Tankstandmessung und Bestandsmanagement zu verbessern. Unsere Analysemessgeräte überwachen in kundenspezifischen Lösungen die Frischwasser- und Abwasseraufbereitung. Mit unserer Tochtergesellschaft Systemplan versuchen wir, Energieeffizienz und Energiemanagement im Konzert unserer Produkte für die Kunden darzustellen. Zudem wollen wir unseren Kunden helfen, unsere Produkte nahtlos in ihre digitalen Landschaften und IT-Architekturen zu integrieren. Traditionell waren das die Bussysteme, aber heute umfasst dies alles von Wireless über Ethernet bis hin zu GSM-Modulen.

Anzeige

Zweitens wollen wir den Dienstleistungsbereich weltweit ausbauen und den Kunden in Form von Kalibrierdienstleistungen weiterhelfen. Dabei geht es um Value-Added-Services, also Wartung, Unterhalt und Ersatz von den Produkten.

Drittens ist es unsere Absicht, nicht nur physikalische oder chemische Zustandsgrößen zu messen, sondern auch Qualitäten und Veränderungen von Produkten mithilfe von Analysemesstechnik. Dabei geht es zum einen um hochspezifische Verfahren wie die Raman-Spektroskopie oder die Diodenlaser-Absorptionsspektroskopie unserer Tochterfirma Spectra Sensors, zum anderen aber auch um die Labormesstechnik, die wir durch den Zukauf von Analytik Jena gestärkt haben. Wir können nun auch den Kunden in der Laboranalytik Hilfe leisten.

SCOPE: Sie haben es ja gerade erwähnt: Endress+Hauser hat in den letzten Jahren eine Reihe an Zukäufen getätigt, z.B. Analytik Jena oder Spectra Sensors. Welche Strategie verfolgen Sie damit und welche Synergien mit Ihrem Kerngeschäft ergeben sich daraus?

Altendorf: Heute bedienen wir unsere Kunden in der Verfahrenstechnik. Wir helfen ihnen zum Beispiel, sauberes Wasser bereitzustellen oder einen pharmazeutischen Wirkstoff oder ein Nahrungsmittel vorschriftsgemäß zu produzieren. In allen Produktionsprozessen brauchen diese Unternehmen aber auch eine Qualitätsüberwachung. Das geschieht heute in aller Regel im Labor. Wenn sie den Produktionsprozess unterbrechen müssen, um die Qualitätssicherung im Labor zu machen, kostet das Zeit. Deswegen ist es unsere langfristige Strategie, das Labor ins Feld zu bringen. Komplexe Analysesysteme sind eigentlich nichts anderes, als das Labor ins Feld, in den Prozess zu integrieren. Dies spart Zeit und Geld, weil keine Unterbrechungen mehr notwendig sind.

Das zweite Element dieser Strategie betrifft die sich verändernden Wertschöpfungsketten in der pharmazeutischen Branche. Wenn Sie genetisch manipulierte Zellen haben, um medikamentöse Wirkstoffe zu produzieren, dann muss man im Prozess messen, ob sich diese Zellen richtig oder falsch verhalten. Damit verändert sich die Wertschöpfungskette von der Entwicklung eines Produkts bis zur Distribution komplett. Sie wird viel kürzer, viel schneller. Wo Unternehmen heute noch Produkte entwickelten, ist morgen gleichzeitig auch die Produktion. Fünf der zehn Blockbuster der Medikamentenproduktion weltweit sind heute Genetically Engineered Products, wie man so schön sagt. Für diese biotechnologischen Verfahren brauchen Sie andere Messverfahren. Mit Analytik Jena sind wir an diesen Messtechniken und an diesen Verfahren dran.

SCOPE: Die globale Industrie wird derzeit – wie zuletzt auf der Hannover Messe Industrie zu sehen war – von Industrie 4.0 beherrscht. Welche Rolle spielt das Thema für Endress+Hauser und welche Lösungen haben Sie hier zu bieten?

Altendorf: Auch hier spielen drei Elemente eine Rolle. Zum einen können wir mit Industrie 4.0 unseren Kunden helfen, mit Messtechnik ihre Wertschöpfungskette vom Lieferanten bis zum Kunden zu optimieren und Daten oder Informationen auch übers eigene Unternehmen hinaus auszutauschen. Ein Beispiel: Ein Hersteller von Margarine kauft irgendwo auf der Welt Palmöl. Dann will er wissen, wo das Produkt verladen worden ist und ob es die richtige Qualität hat. Und auch der Hersteller selbst distribuiert seine Margarine zu Unterlieferanten usw. Wir helfen unseren Kunden, die Kette von ihren Lieferanten zu ihren Kunden durch den Einsatz von Cloud-Technologien noch näher zusammenzubringen – sei es beim Rohmaterialeinkauf, beim Tanklagermanagement, in der Qualitätssicherung, im Fertigungsverfahren, im Fertigwarenlager oder bei der Distribution.

Das zweite Element ist, dass das Thema Industrie 4.0 im Engineering Einzug gehalten hat. Die Produktspezifikation eines jeden Messgeräts steht heute digital jederzeit zur Verfügung. Von der Idee über das Engineering und das Angebot bis zu Reparaturen und Serviceleistungen wird alles ohne Systembruch digital abgewickelt. Und der letzte Punkt ist die vertikale Integration. Das bedeutet, dass wir heute in der Lage sind, den Datenaustausch vom Messgerät auf der Feldebene bis hinauf ins ERP-System des Unternehmens zu ermöglichen. Jedes Messgerät kann die Daten durch die Informationspyramide nach oben geben. So können beispielsweise Maßnahmen für Wartung und Unterhalt direkt von der höchsten Betriebsebene aus gesteuert oder ausgelöst werden.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Übernahme

Synergien nutzen

Yaskawa Electric Corporation gab auf der SPS/IPS/Drives in Nürnberg bekannt, dass ihre europäische Tochtergesellschaft Yaskawa Europe die Mehrheit an der Vipa Gesellschaft für Visualisierung und Prozessautomatisierung, Herzogenaurach, übernehmen...

mehr...

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem SCOPE Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite