Interview mit Thomas Mücke

„Schlüssel der Zukunft“

Der Softwarehersteller TDM engagiert sich am Collaboration Lab in Karlsruhe, um Ideen und Produkte rund um Industrie 4.0 frühzeitig zu testen. Chefredakteur Hajo Stotz erfährt mehr dazu von Thomas Mücke, Senior Consultant bei TDM Systems.

Für Thomas Mücke, Senior Consultant bei TDM Systems, besteht der Unterschied zwischen dem Collaboration Lab am IMI und vielen Lernfabriken darin, „dass wir einfach mal etwas praxisnah ausprobieren und nicht erst monatelang Konzepte entwickeln“. (Bild: Michael Pyper)

SCOPE: Herr Mücke, ist Industrie 4.0 tatsächlich ein neuer Ansatz zur Digitalisierung der Produktion, der auch den Mitarbeiter mehr in den Fokus stellen will, oder nur alter CIM-Wein in neuen Technik-Schläuchen?

Thomas Mücke: Nein, dies ist nicht der Fall. Bei der CIM-Integration hat man versucht, alle technischen Informationen vom CAD-Modell bis zum NC-Programm in einer Datei zu speichern. Der gewünschte Erfolg blieb aber aus, weil Systembrüche, wie z.  B. beim NC-Programm nach DIN 66025, eine vollständige CAD-CAM-Assoziativität nur bedingt ermöglichten.

Bei Industrie 4.0 geht es um Vernetzung, Automatisierung und schnelle Entscheidungsfindung durch die Mitarbeiter. Somit werden nicht nur technische Prozesse ganzheitlich optimiert, sondern ein Kostenoptimum über den Gesamtprozess von der Planung bis hin zur Fertigung. Hierbei werden in Echtzeit Daten über die verschiedenen Bereiche – nämlich betriebswirtschaftliche und technische Prozesse – ausgetauscht. Somit kann der Mitarbeiter über dementsprechende Visualisierungen in Echtzeit schnell Entscheidungen fällen. Und zwar zu jeder Zeit, sodass ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess im betriebswirtschaftlichen und technischen Bereich entsteht. Dies ist der grundsätzliche Unterschied zur CIM-Strategie.

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SCOPE: TDM ist in der Werkzeugverwaltung zu Hause. Die meisten Anwender Ihrer Lösungen sind Produktioner: Meister, Werker und Arbeitsvorbereiter. Um als solche in einer Industrie-4.0-Umgebung erfolgreich arbeiten zu können, müssen die zukünftig auch Informatiker sein?

Mücke: Die Arbeit wird sich zwar verändern, deswegen müssen aber nicht alle Mitarbeiter in der Produktion Informatiker sein. Die Menschen werden zukünftig auch mit Robotern zusammenarbeiten, und der Arbeitsalltag mit Smartphones und mobilen Tablet-Lösungen wird Realität. Unserer Kinder machen uns das ja bereits vor. Der technischere und automatisierte Ablauf wird nicht aufzuhalten sein, da die Vorteile klar auf der Hand liegen. Die Software-Lösungen müssen einfach zu bedienen sein – und den Mitarbeiter anhand Dashboards und Visualisierungen die Entscheidungsfindung erleichtern.

SCOPE: Smart Production – ist das nur was für die großen Industrie-Unternehmen mit entsprechenden IT-Abteilungen und Budgets? Oder kann Industrie 4.0 auch von KMUs umgesetzt werden?

Mücke: Industrie 4.0 betrifft alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe. Ob kleiner Mittelständler oder großes Industrieunternehmen, die Anforderungen sind im Prinzip dieselben. Digitalisierung und Vernetzung sind die Schlüssel zur Produktivität der Zukunft. Wir bei TDM Systems arbeiten gemeinsam mit unseren Partnern – wie Werkzeughersteller, Software-Anbieter und Forschungseinrichtungen – an Lösungen, bei denen die im Betrieb vorhandenen Systeme mit einem möglichst geringen Aufwand für die Anwender vernetzt werden. Dafür sind beispielsweise einheitliche Maschinenanbindungen und Schnittstellen nötig. Hierzu sind wir ebenfalls mit Forschungs- und Industriepartnern in Kontakt, um den Integrationsaufwand zu reduzieren.

SCOPE: Benötigen zukünftig auch Fertigungsbetriebe spezielle Industrie-4.0-Verantwortliche, die nicht in Branchenlösungen wie ERP, CAD/CAM, Werkzeugverwaltung etc. denken, sondern übergreifend steuern und koordinieren?

Mücke: Die I4.0-Strategie ist zu allererst eine Managementaufgabe, denn Industrie 4.0 betrifft nicht nur die Beschäftigten in der Produktion, sondern fast alle Abteilungen eines Unternehmens. Die Führungsebene muss diesen „Wandel“ wollen und unterstützen, damit alle Mitarbeiter die Notwendigkeit verstehen und ihre veränderten Arbeitsabläufe akzeptieren und umsetzen können. Sicherlich werden übergeordnete Projektleiter benötigt, die die Zusammenhänge in allen Bereichen verstehen und für ihr Unternehmen die optimalen Verbesserungen erzielen. Zudem können natürlich externe Berater bei der Planung und Umsetzung unterstützen.

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