Interview mit Arno Reich

„Robotische Systeme mit einem umfangreichen Fähigkeitenportfolio“

Die vielfältigen und innovativsten Möglichkeiten, die heute vernetzte Automaten und autonome Roboter bieten, zeigen die Roboterhersteller auf der Hannover Messe. Zudem bietet die Messe selbst zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen. Für die Sonderpublikation "Robotik in der industriellen Fertigung"  interviewte SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz Arno Reich, Abteilungsleiter Industrial Automation, Hannover Messe zum Trendthema Robotik.

Arno Reich, Abteilungsleiter Industrial Automation, Hannover Messe

Robotik: Zentrales Thema der Hannover Messe ist auch dieses Jahr wieder Industrie 4.0. Roboter sind ein tragendes Element von I 4.0. Welches Gewicht hat das Thema Roboter denn auf der Hannover Messe?

Arno Reich: Das Thema Robotik ist auf der Hannover Messe sehr stark vertreten. Kuka, Kawasaki, Universal Robots, Yaskawa, Stäubli, Mitsubishi und viele mehr stellen in Hannover aus. Wir sind durchaus stolz darauf, dass wir in diesem Bereich in den vergangenen Jahren kräftig zugelegt haben. Dies ist natürlich eng verknüpft damit, dass sich die Hannover Messe zur weltweit wichtigsten Messe für das Thema Industrie 4.0 entwickelt hat. Roboter sind als besonders flexible Automationskomponenten ein wichtiger Bestandteil von Industrie 4.0. Als solche stehen sie im Rampenlicht der Hannover Messe, die ja in diesem Jahr das Leitthema „Integrated Industry – Discover Solutions“ auf die Agenda gesetzt hat.

Robotik: Das Interesse an dem Thema Roboter wächst enorm – wie informiert die Hannover Messe, neben den Aussteller-Exponaten, darüber hinaus zu dem Thema?

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Reich: Da bieten wir ein wirklich umfangreiches und attraktives Programm. Das beginnt mit der Verleihung des Robotics Award am Messedienstag, 26. April, um 15.30 Uhr. Verliehen wird der Award durch Olaf Lies, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, und Herrn Dr. Jochen Köckler, Vorstand Deutsche Messe.

Das Programm geht bis hin zum Forum Industrial Automation. Dort steht am Dienstagnachmittag und am Freitagvormittag das Thema Mensch-Roboter-Kollaboration im Fokus. Eine Menge Information zum Thema Robotik transportieren wir auch über unsere Hannover-Messe-Newsletter oder unseren News-Hub mit aktuellen Themen zur Robotik. Außerdem veranstalten wir regelmäßig mit der Robotation Academy den Robotics Kongress.

Robotik: Können Sie Konzept und Inhalt des Application Park Robotics, Automation & Vision noch ein wenig näher erläutern?

Reich: Der Application Park ist sozusagen das Zentrum für Roboterhersteller, Systemhäuser und industrielle Bildverarbeitung auf der Hannover Messe. Wir zeigen dort spannende Applikationen, Automatisierungslösungen und das Zusammenspiel der verschiedenen Disziplinen. In diesem Jahr übrigens erstmals mit mobilen Robotern und autonomen Systemen live in Aktion. Mit diesem sehr erfolgreichen Format ermöglichen wir es gerade KMUs, mit geringem organisatorischem Aufwand ihre Lösungen zu präsentieren. Und auch die Besucher profitieren: Durch die Live-Demonstration von Exponaten lassen sich neue Entwicklungen hautnah erleben.

„Robotics-Kongress als wichtiger Branchentreffpunkt“

Robotik: Welchen Stellenwert hat in diesem Kontext der Robotics-Kongress, der bereits im Februar stattfand? Warum findet er nicht parallel zur Messe statt?

Reich: Der Kongress für angewandte Roboterlösungen hat sich mittlerweile als ein wichtiger Branchentreffpunkt für die Robotik-Experten etabliert.

Mit dem Thema Mensch-Maschine-Kollaboration haben wir im Februar dieses Jahres einen neuen Teilnehmer-Rekord aufgestellt. Der Kongress ist also eine echte Erfolgsgeschichte, die wir als Hannover Messe gemeinsam mit der Robotation Academy und dem Industrieanzeiger aus dem Robotics Award heraus entwickelt haben. Für uns bietet er die Chance, das Thema Robotik sehr anwenderorientiert ganzjährig am Standort Hannover zu positionieren. Schon mal zum Vormerken: Der nächste Termin ist der 8. Februar 2017.

Robotik: Bereits im letzten Jahr waren auf der Messe viele autonome Roboter zu sehen, die ohne Schutzeinrichtungen mit dem Menschen agierten. Wird dieses Jahr der autonome Roboter das Bild der Messe prägen?

Reich: Ja, zweifellos. Die Bedingungen der Fertigungsbranche ändern sich rapide: Die sichere Mensch-Maschine-Interaktion ist eine wichtige Voraussetzung für flexible und effiziente Produktionsprozesse in der intelligenten Fabrik. Das ist eine starke Entwicklung, die sich auf der Hannover Messe widerspiegeln wird. Das Angebot dazu ist riesig und wirklich spannend. Das gilt für den Application Park, aber natürlich auch für zahlreiche Aussteller.

Ein Highlight wird der kollaborativer Roboter Sawyer von Rethink Robotics sein. Zu den speziellen Merkmalen des Roboters gehören eine nachgiebige Bewegungssteuerung, ein integriertes Bildgebungssystem sowie das Robot Positioning System. Dieses ermöglicht präzise und zuverlässige Manöver und eine Anpassung an wechselnde Bedingungen in engen, für Menschen konzipierten Fertigungsinseln. Das Unternehmen incubed IT, Gewinner des Robotics Award 2015, zeigt mobile Smart Shuttles, die durch eine Steuerungssoftware ihre Ziele unter der Vorgabe größtmöglicher Effizienz selbstständig auswählen und anfahren. Neben mobilen Robotern wird im Application Park auch ein Flugroboter von Exabotix, einem Unternehmen aus Herzberg am Harz, zu sehen sein. Außerdem präsentieren sich Swisslog zusammen mit Kuka und Adept oder auch Guangdong Jaten Robot & Automation und Shenzhen Casun Intelligent Robot mit ihren automated guided vehicles (AGV).

Robotik: Auch auf der Cebit waren dieses Jahr viele Roboter auf den Ständen zu sehen. Wird der Bereich Roboter zwischen den zwei Messen thematisch organisiert, was wo zu sehen ist? Zum Beispiel Industrieroboter auf der Hannover Messe, Serviceroboter auf der Cebit?

Reich: Der thematische Fokus macht den Unterschied. Die Hannover Messe präsentiert Robotik mit klarem Bezug zu industriellen Anwendungen. Das sind neben Industrierobotern auch mobile Roboter und fahrerlose Tranportsysteme (FTS) oder industrielle Serviceroboter, die im Zusammenhang mit Industrie 4.0 eine immer wichtigere Rolle spielen. Das sind dann robotische Systeme mit einem umfangreichen Fähigkeitenportfolio, die auf höherwertige, individuelle Handlungen spezialisiert sind. Diese Systeme sind häufig schon autonom und führen Aktionen in direkter Kollaboration als Co-Worker aus.

Eingesetzt werden diese bei spezialisierten Produktionsprozessen. Andere Anwendungsbereiche sind z.B. Überwachung/Intervention, Logistik oder auch Inspektion und Wartung, womit wir die Schnittstelle zu unserem Trendthema Predictive Maintenance haben.

Robotik: Was werden aus Ihrer Sicht die größten Highlights in Bezug auf Roboter auf der Hannover Messe sein?

Reich: Der gesamte Robotik-Auftritt ist ein Highlight der Hannover Messe. Auch durch den Beitrag aus dem Partnerland USA.

Definitiv einen starken Auftritt wird Kuka hinlegen mit dem Motto „Hello Industrie 4.0 – We go Digital“. Erstmals präsentiert Kuka eine neue Robotergeneration speziell für die Anforderungen der Elektronikindustrie. Auch spannend: Die kollaborierende Roboterarme von Universal Robots, der Cobot Sawyer von Rethink Robotics, ein neuer Reinigungsroboter von Stäubli oder der Auftritt von Mitsubishi, die erstmals den Prototyp des deckenmontierten RH-1FHR in einer Live-Applikation von BWM zeigen werden. Mitsubishi Electric bringt außerdem seinen Heavy Champion Roboter mit und Bionic Robotics den Leichtbauroboter BioRob, um nur einige spannende Exponate zu nennen.

Robotik: Was findet der Be- sucher zum Thema Roboter auf der Hannover Messe, was er auf den anderen Messen nicht findet?

Reich: Was die Hannover Messe im Bereich Robotik an Mehrwert bietet, ist auf jeden Fall die Ganzheitlichkeit. Wir zeigen übergreifende Systeme und Lösungen vom Industrieroboter über Systemintegration, Montage- und Handhabungstechnik und industrielle Bildverarbeitung bis hin zu mobilen Robotern – und das alles eingebettet in den großen Ausstellungsbereich Industrieautomation in Hannover und im Kontext des Top-Themas Industrie 4.0.

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