Interview mit Jürgen Lieber

„Roboter müssen kommunikativer werden“

Roboter gelten als Schlüsselfaktor innovativer Internet-of-Things-Konzepte und als Wegbereiter intelligenter Automatisierungsprozesse. Jürgen Lieber, Offer Manager OEM Solutions/PacDrive bei Schneider Electric, erläutert, welches die aktuelle Entwicklungen am Markt sind, welche Trends sich zunehmend herauskristallisieren und warum der umfassenden Integration der Robotik in moderne Maschinenanlagen gebührende Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.

Jürgen Lieber, Offer Manager OEM Solutions/PacDrive bei Schneider Electric

SCOPE: Herr Lieber, wie sehen Sie den derzeitigen Markt für die Robotik?

Jürgen Lieber: Die Robotik erlebt im Moment ein ungeheures Wachstum. Schauen Sie sich nur die aktuellen Zahlen der IFR an, der International Federation of Robotics. Waren 2016 bereits 1,8 Millionen Einheiten weltweit im Einsatz, werden es 2020 rund 3 Millionen sein – und das allein im Bereich Industrieroboter. Diese Entwicklung entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 14 Prozent. Der größte Einzelmarkt für Robotik liegt nach wie vor in China, aber auch Deutschland zählt inzwischen zu den fünf wichtigsten Märkten weltweit.

SCOPE: Welche technischen Trends sind zu beobachten?

Lieber: Klassische Industrieroboter haben sich fest etabliert, aber auch sogenannte Service-Roboter sind stark im Kommen. Ihr Einsatzgebiet reicht von der privaten Nutzung bis hin zur Verteidigung und der Landwirtschaft. Wachsende Marktanteile verbuchen außerdem Collaborative Robots, insbesondere Leichtbauroboter, die dank der geringen Eigenmasse und der langsamen Bewegungsabläufe hohe Arbeitssicherheitsstandards erfüllen. Letztlich sind Service- und Leichtbauroboter aber noch keine Konkurrenz für Industrie- roboter, wo es um hochpräzise Positionierungen und hohe Taktraten geht.

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SCOPE: Industrie 4.0 und IoT sind die Buzz-Themen unserer Zeit. Wird auch die Robotik von diesen Entwicklungen tangiert?

Lieber: Absolut. Nicht zuletzt mit Blick auf moderne IoT-Konzepte wie Smart Machine. Unter Smart Machines verstehen wir bei Schneider Electric weitgehend autonom arbeitende, vernetzte Einheiten, die sich flexibel in automatisierte beziehungsweise internetbasierte Konzepte der Produktionssteuerung integrieren lassen. Roboter spielen hier eine entscheidende Rolle, denn sie sind in der Lage, Prozesse so weit zu automati-sieren, dass sie im Idealfall ohne Eingreifen eines Operators funktionieren.

Grundvoraussetzung hierfür ist allerdings, dass Roboter auch als integrale Komponente von Maschinenkonzepten fungieren können – und genau darauf legen wir den Fokus.

SCOPE: Aber sind die heutigen Roboter denn überhaupt bereit für Industrie 4.0?

Lieber: Grundsätzlich sind sie das. Wie jede andere Maschine auch müssen Roboter künftig allerdings kommunikativer werden: Vorbeugende Wartung, Informationen über Zustände und Ausnahmesituationen, Diagnose – all das wird in die vermehrte Integration von Sensorik in Roboter münden und damit auch in differenziertere Diagnosekonzepte als heute üblich.

SCOPE: Welche Unterstützung bietet Schneider Electric seinen Kunden hier? Können Sie uns ein Beispiel geben?

Lieber: Ein Beispiel ist unser chinesischer Kunde Siasun, ein Roboterhersteller, der mobile Robotiksysteme und intelligente Industrie- und Serviceroboter vertreibt. Bei seinen neuen Delta- Robotern der SRBD-Serie haben wir das Unternehmen mit skalierbaren Hard- und Softwaretechnologien unterstützt. So haben wir beispielsweise für jeden der Delta-Roboter eine PacDrive-Logic-Motion-Steuerung sowie mehrere Lexium-52- Servoverstärker und -motoren geliefert. Zudem nutzt Siasun unsere Softwarelösung SoMachine Motion. Dadurch sind sie nicht nur in der Lage, ein flexibles, individuelles Kommunikationskonzept zu realisieren, das den Anforderungen von Industrie 4.0 schon heute gerecht wird. Dank der PacDrive-Schlüsseltechnologie kann das Unternehmen zudem die Produktivität und die Leistungs- fähigkeit seiner Delta-Roboter kontinuierlich steigern.

SCOPE: Das Konzept der Smart Machine setzt eine nahtlose Integration der Robotik in die Maschine voraus. Was muss bei dieser in Zukunft beachtet werden?

Lieber: Auf der einen Seite steht natürlich die steuerungstechnische Integration. Aber damit ist es nicht getan, denn Robotik lässt sich nicht auf ein Hardware-Portfolio reduzieren, sondern umfasst immer auch Software-Funktionalitäten. Daher kann ich nur empfehlen, sehr genau zu hinterfragen, welche Unterstützung mir auf dieser Seite angeboten wird. Wird etwa eine Bibliothek mit den von PLCopen definierten, relativ einfachen Robotik-Bausteinen zur Verfügung gestellt? Oder sogar eine Library mit fix und fertigen Software-Bausteinen für Belt-Tracking, Motion-Funktionen und vielen weiteren Features? Denn das macht letztlich den Unterschied und bestimmt darüber, mit welchem Aufwand und in welcher Qualität eine Robotik-Lösung in eine übergeordnete Maschinensteuerung implementiert werden kann.

SCOPE: Vielen Dank für den detaillierten Einblick, Herr Lieber.

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