Interview mit Karl Schnaithmann

„Es braucht in erster Linie den Menschen“

Wie die Globalisierung den Systemanbieter für Automatisierungsanlagen beeinflusst, weiß Karl Schnaithmann, Geschäftsführer von Schnaithmann Maschinenbau. Dabei richtet er den Blick auch auf den Arbeitsplatz von morgen und erklärt, welche Relevanz für ihn die Integration älterer oder leistungsgeminderter Menschen in das Arbeitsleben hat.

Wie die Globalisierung den Systemanbieter für Automatisierungsanlagen beeinflusst, weiß Karl Schnaithmann, Geschäftsführer von Schnaithmann Maschinenbau.

SCOPE: Die Anforderungen an die Branche für Montage- und Automationsanlagen wandlet sich mit der Erschließung neuer Märkte und moderner Prozesse. Was sind die derzeit bestimmenden Trends für Sie?

Karl Schnaithmann: Namenhafte Unternehmen der Branche vertrauen auf uns und unsere Leistungen als Systemlieferant für Automatisierungstechnik, somit sind Trends und Branchentendenzen unsere tägliche Aufgabe und mehr als eine Herausforderung. Die Globalisierung und der demografische Wandel haben einen hohen Einfluss auf die industrielle Produktion und Montage in Deutschland. Wir bemerken bei unseren Kundenanforderungen den Trend „Weg von der Serie – hin zu hoher Variantenvielfalt“. Dadurch steigt der Anteil der Kleinserien mit geringen Stückzahlen stark an. Viele unserer Lösungen bieten deshalb einen hohen Automationsanteil mit extrem hoher Flexibilität. Zum einen ist es die modulare Bauweise, die investitionssichere Maschinenlösungen ermöglicht – je nach Anforderung können Fertigungsstraßen zu einem beliebigen Zeitpunkt ergänzt oder verändert werden. Und zum anderen ist es das Zusammenspiel Mensch–Maschine, das für uns auch ein weiteres spannendes Thema in Zukunft sein wird.

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Einen weiteren Trend haben wir gemeinsam mit der Beschützenden Werkstätte Heilbronn, eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung, und der Hochschule FHTE Esslingen in einem Montage-Assistenzsystem umgesetzt. Die Aufgabe war, älteren oder leistungsgeminderten Menschen einen prozesssicheren Arbeitsplatz zu bieten. Ziele waren die Reduzierung der Einarbeitungszeit aufgrund unterschiedlichen Leistungsniveaus, der Erhalt von Arbeitsfähigkeit und -motivation und die Minimierung der Fehleranfälligkeit. Kurzum, die Mitarbeiter sollen aufgrund sozialer als auch wirtschaftlicher Gesichtspunkte wieder in das Arbeitsleben integriert werden.

SCOPE: Digitalisierung und Industrie 4.0 sind mittlerweile geläufige Begriffe. Inwiefern beeinflussen sie noch die Branche?

Schnaithmann: Bei Schnaithmann sind Digitalisierung und die Verzahnung der Prozesse seit Langem gängige Praxis. Wir sind mit Industrie-4.0-Lösungen bereits auf dem Weg zur intelligenten und flexiblen Produktion. Unsere Aufgabe ist es, dass Menschen, Maschinen und Produkte direkt miteinander kommunizieren und kooperieren. Darüber hinaus bedeutet Industrie 4.0 für uns, dass wir Prozesse zeitnah greifbar und sichtbar machen können, egal an welchem Ort der Welt wir gerade sind und egal wo sich etwas abspielt. Die ständige Verfügbarkeit aller wichtigen Prozessinformationen wird auf diese Weise zum elementaren Wettbewerbsvorteil für unsere Partner und Kunden.

SCOPE: Richten wir den Blick auf Ihr Unternehmen. Welche Themen sind derzeit bei Schnaithmann richtungsweisend?

Schnaithmann: Stillstand bedeutet für uns Rückschritt, deshalb arbeiten wir an modularen Lösungen, die unseren Kunden ein hohes Maß an Flexibilität bieten – und sich bestens in Lean-Management-Prozesse integrieren lassen. Ein Schwerpunkt werden auch weitere Mensch-Roboter-Schnittstellenlösungen sein, die wir für unsere Kunden kontinuierlich entwickeln.

Unter dem Leitsatz „Wir sind da, wo unsere Kunden uns brauchen“ möchten wir auch unsere internationale Serviceorientierung weiter ausbauen. Zahlreiche Kooperationen sind hier bereits vorhanden, doch der demografische Wandel verlangt nach weiteren adäquaten Servicelösungen. Auch Themen wie „Low-Cost-Automation“, „Schnellrüsten und wertstromorientierte Anlagenbau-Gesamtlösungen“ oder die Einführung von „Verfahren zur Selbstoptimierung und Vernetzung im Anlagenbau“ sind durchaus wichtige Weiterentwicklungsschritte.

Eine Herzensangelegenheit bleibt die Weiterentwicklung von Assistenzsystemen für ältere und leistungsgeminderte Mitarbeiter, denn als verantwortungsvolles, soziales Unternehmen sehen wir weit mehr als wirtschaftliches Streben, sondern denken in erster Linie an den Menschen, der hinter aller Arbeit steht. Denn es braucht in erster Linie den Menschen, um auch künftig „Partner der Besten“ zu bleiben.

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