Blechbearbeitung

Kombiniertes Press- und Biegewerkzeug

Als Seitenbleche für Wasch- und Trocken- automaten verwendet man platinen- beschichtete Feinbleche, die bislang durch zwei wesentliche Prozessschritte (Pressen der Versteifungsprägungen und anschließendes Schwenkbiegen der Außengeometrie) hergestellt wurden. Nun kann man die Bleche direkt im Presswerkzeug biegen - und dabei sogar optisch einwandfreie „Kugelecken“ erzeugen, die hohe Qualitätsansprüche erfüllen.

Mit rund 120 Mitarbeitern entwickelt und produziert der Bereich Fertigungstechnik die Betriebsmittel für Fertigung und Montage der Miele-Werke. Damit trägt dieser Bereich zur Qualität der Geräte bei - und bietet sein Know-how auch externen Kunden an: eine Dienstleistung, die immer häufiger nachgefragt wird.
Die Fertigungstechnik gliedert sich in drei Sparten: Werkzeugbau, Anlagenbau und Zerspa-nungstechnik. Die Konstrukteure dieses Bereiches werden schon frühzeitig in die Projekte involviert und entwickeln für ihre internen oder externen Kunden komplette Produktions- und Montageanlagen sowie komplexe Umformwerkzeuge. Dabei nutzen sie moderne Methoden der rechnergestützten Konstruktion. Die Simulation von Fertigungsmethoden und automatisierten Bewegungsabläufen gehört ebenso zum Aufgabenspektrum wie die Entwicklung und Programmierung der zugehörigen Steuerungstechnik.

Über besonderes Wissen verfügt die Fertigungstechnik zum Beispiel beim Innenhochdruck-Umformen (IHU) - viele Bauteile (Behälter und Trommeln) der Haushaltsgeräte werden auf diese Weise wirtschaftlich und mit hoher Oberflächengüte unter Ausnutzung verschiedener werkstoffspezifischer Möglichkeiten (Steifig- und Festigkeit der Bauteile) gefertigt. Ein weiteres Kompetenzfeld innerhalb der Umformtechnik steht im Zentrum der Präsentation auf der Hannover Messe am Gemeinschaftsstand von OWL Maschinenbau (Halle 16 Stand A 04): Hier stellt Miele eine Innovation bei der Verarbeitung von vorbeschichteten Feinblechen vor. Um die Bleche zum Beispiel zu Seitenwänden für Waschmaschinen und Trockenautomaten zu verarbeiten, sind die Arbeitsschritte Pressen (von Sicken zur Versteifung), Stanzen (von Löchern für die Befestigung) und Biegen erforderlich. Dabei nutzt man das bekannte Schwenkbiegeverfahren, das die Bleche und ihre Beschichtung schont, weil es keine Relativbewegung zwischen Werkzeug und Werkstück erzeugt. Die Ecken der Seitenwände kann man auf diese Weise jedoch nicht ohne Oberflächenbeschädigung sauber herstellen - sie werden daher meist vorher freigeschnitten und in eingebautem Zustand verblendet.

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Den Konstrukteuren ist es nun gelungen, den kompletten Biegeprozess auch der kritischen Bereiche ins Presswerkzeug zu integrieren. In einem Arbeitsgang werden nun komplett fertige Seitenwände hergestellt - ohne Nacharbeit, ohne Beschädigung und mit perfekter Oberfläche selbst an der als kritisch bekannten „Kugelecke“. Um diesen Bearbeitungsschritt erfolgreich umzusetzen, wurde im Vorfeld eine dem Verfahren entsprechende Zuschnittgeometrie entwickelt.

Bei der Entwicklung des kombinierten Press- und Biegewerkzeugs konnte man auf das vorhandene Wissen innerhalb des Werkzeugbaus beim Projektieren und Bau von Presswerkzeugen für komplexe Geometrien sowie für oberflächenempfindliche Materialien zurückgreifen.

Mit diesem Beispiel zeigen Fertigungstechniker, welchen Beitrag die Betriebsmittel zu innovativen Produktionsmethoden, stabilen Prozessen und hochwertigen Endprodukten leisten können. Die Technologie ist durchaus auf andere Bereiche der Metallverarbeitung übertragbar.

Ein weiterer Ausstellungsschwerpunkt auf dem Messestand ist das Themenfeld „Augmented/ Virtual Reality“ als Konstruktions-Tool. An aktuellen, aber auch visionären Beispielen, wird gezeigt, wie leistungsfähige, realitätsnahe Simulationsverfahren die frühe Absicherung des Herstellungsprozesses und die Entwicklung von automatisierten Produktions- und Montagestraßen unterstützen und visualisieren können. Diese Methoden sind unter anderem für die Entwicklung von Roboterapplikationen und kompletten Produktionslinien nutzbar. ee

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