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Sachsen, Sachsen-Anhalt, ThüringenAuf Erfolgskurs

Mitteldeutschland – das sind die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit fast neun Millionen Einwohnern – ist eine wirtschaftlich, politisch und kulturell traditionsreiche Region, die heute zu den wachstumsstarken und innovativen Regionen in Deutschland und Europa zählt.

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Thüringen: Auf Erfolgskurs

Der Maschinenbau mit seinem beeindruckenden Wachstum nimmt in der Wirtschaft dieser drei deutschen Bundesländer eine Schlüsselstellung ein. Gründe dafür gibt es viele. So konnte an historisch gewachsene Traditionen im Maschinenbau erfolgreich wieder angeknüpft werden. Unternehmer- und Erfindergeist, günstige Standortbedingungen und eine entwickelte Forschungsinfrastruktur zum Maschinenbau kommen hinzu. Die Firmen sind flexibel, innovativ und erfüllen die Kundenwünsche mit eigenen maßgeschneiderten, wettbewerbsfähigen Produkten und Dienstleistungen.

Sachsen

Sachsen ist die Wiege des deutschen Maschinenbaus. 1703 gründete Johann Esche in Limbach bei Chemnitz die erste deutsche Fabrik für Spezialmaschinen. Auch der deutsche Werkzeugmaschinenbau hat hier seine Wurzeln. So eröffnete Johann von Zimmermann 1844 in Chemnitz eine Fabrik zur Herstellung von Spezialdrehbänken, Bohr-, Fräs- und Hobelmaschinen. Der erste maschinelle Tuchwebstuhl der Welt und die erste Farbdruckschnellpresse Deutschlands sind sächsische Erfindungen. Bearbeitungszentren der Marken WMW, Heckert und Niles eroberten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Weltmarkt. Erfindergeist und unternehmerischer Mut sorgen seitdem kontinuierlich für Maschinenbau-Innovationen „Made in Saxony“. Sachsen gilt heute als das mitteldeutsche Maschinenbauzentrum. Der Bogen spannt sich vom Werkzeugmaschinenbau über Druck- und Textilmaschinen- bis hin zum Sondermaschinenbau. In zirka 450 Unternehmen dieser Branche - mit einer Mindestgröße von 20 Mitarbeitern - sind insgesamt fast 39.000 Menschen tätig, die nahezu 6,6 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften. Addiert man die Firmen mit weniger als 20 Mitarbeitern und die Unternehmen des Anlagenbaues noch hinzu, so kommt man auf die stattliche Zahl von 1.000 Unternehmen mit zirka 100.000 Mitarbeitern. Traditionsreiche und namhafte Unternehmen, wie Niles-Simmons-Hegenscheidt, Starrag-Heckert, Sitec Industrietechnologie, Union Werkzeugmaschinen, Studer Mikrosa und Tisora, um nur einige zu nennen, produzieren in Sachsen. Einen Großteil der Aufträge erhalten die Unternehmen aus dem Ausland. Die Exportquote kletterte auf über 47 Prozent, was für das Image des sächsischen Maschinenbaus weltweit spricht.

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Einen wesentlichen Anteil an der erfolgreichen Entwicklung des Maschinen- und Werkzeugbaus haben in Sachsen die traditionsreichen Bildungseinrichtungen für den Maschinenbau. Hinzu kommt eine breit gefächerte Forschungslandschaft. In der Industrie-Forschung bilden dabei die Technische Universität Chemnitz und das Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) das Zentrum für produktionstechnische Forschungen in Sachsen. Bedeutsam für den Erfolg des sächsischen Maschinenbaus sind des Weiteren die vom Freistaat Sachsen unterstützten Netzwerke. Exzellentes Beispiel dafür ist die Verbundinitiative Maschinenbau Sachsen (VEMAS).

Sachsen-Anhalt

Der Maschinen- und Anlagenbau ist in Sachsen-Anhalt, das als Kernland deutscher Ingenieurskunst gilt, tief verwurzelt. Während Persönlichkeiten wie Otto von Guericke und Hermann Gruson eng mit dem Standort Magdeburg verbunden sind, gründete sich im Harzort Alexisbad 1856 der Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Noch heute ist der Maschinenbau ein Schwergewicht im Wirtschaftsgefüge. In fast 90 Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten arbeiten nahezu 12.000 Menschen und erwirtschaften einen Jahresumsatz von zirka 1,8 Milliarden Euro; 37 Prozent aller Verkäufe gehen ins Ausland. Nach einer Phase der Umstrukturierung zu Beginn der 1990er Jahre haben die Unternehmen den Wandel vom ehemals dominanten Schwermaschinenbau zur Hightech-Produktion mit Bravour gemeistert. Schwerpunkte bilden der Präzisions- und Werkzeugmaschinenbau, die Montage- und Fügetechnik, die Rotationsbearbeitung, die Pulvermetallurgie sowie der Leichtmetallguss – bis 2015 soll der weltbeste Aluminiumguss aus Sachsen-Anhalt kommen, so das Ziel ambitionierter Unternehmen im Verbund Al-Cast. Rückenwind erhält die Branche von der vielschichtigen Forschungs- landschaft.

Traditionsreiche Unternehmen und neu gegründete arbeiten Hand in Hand. Enercon Magdeburg, Sket Maschinen- und Anlagenbau, FAM Magdeburger Förderanlagen und Baumaschinen, MAP Werkzeugmaschinen, Laempe & Mössner, Schiess und G.M.W. – nicht nur diese Namen prägen den Fortschritt weltweit. Ihre Produkte reichen vom Landmaschinenbau bis zu Sondermaschinen für hochpräzise Fertigungsprozesse in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Besondere Schwerpunkte bilden Hebezeuge und Fördermittel, der Bau von Pumpen und Kompressoren, die Werkzeugmaschinenindustrie und der Windkraftanlagenbau. Daneben hat sich in Sachsen-Anhalt eine starke Automobilzulieferindustrie etabliert. Mehr als 250 Betriebe mit rund 18.500 Mitarbeitern fertigen gegenwärtig Teile und Systeme für nahezu alle deutschen Automobilhersteller. Bedeutsam zum Erfolg beider Branchen haben Cluster und Netzwerke wie der Zweckverband zur Förderung des Maschinen- und Anlagenbaus(Fasa) und der Cluster Sondermaschinen- und Anlagenbau (SMAB) beigetragen. Für die Zulieferindustrie ist die Clusterinitiative Mahreg Automotive bedeutsam, die in Kooperation mit Wissenschaftseinrichtungen ausgezeichnete Rahmenbedingungen für Innovationen bietet. Gegenwärtig engagieren sich 170 Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern in diesem Netzwerk.

Thüringen

Der Maschinenbau hat Tradition in Thüringen. Kein Wunder, dass dort diese Branche drittgrößter Arbeitgeber ist. Rund 20.000 Menschen arbeiten in den überwiegend mittelständischen Unternehmen. Produziert werden vor allem Werkzeugmaschinen für die Metallverarbeitung, Maschinen für die Kunststoff- und Gummiverarbeitung und Baumaschinen. Kernkompetenzen bestehen auch auf den Feldern Lasertechnologie, Rapid Tooling und Robotik. Die enge Verbindung zu den IT-, Elektronik- und Optikbranchen sorgt in Zusammenarbeit mit zahlreichen Forschungseinrichtungen für innovative Produkte. Zudem haben sich Zulieferer von Aggregaten und Maschinenbauteilen etabliert. Die Produzenten von Fein- und Mikromechanik, Präzisionsteilen, Mechatronik und Automation bilden weitere Spezialisierungsrichtungen im Thüringer Maschinenbau. Hier besteht ein offenes, kreatives Umfeld zum Erproben effizienter Produktionsstrukturen und zur Einführung neuer Produkte und Verfahren. Unternehmen wissen das zu schätzen, wie zum Beispiel Deckel Maho Seebach. Das Unternehmen der Gildemeister-Gruppe hat sich zu einem der größten Werkzeugmaschinenhersteller in den neuen Bundesländern entwickelt. Technologieführer und lösungsorientierter Anbieter von Maschinen zur Blechbearbeitung ist die Beyeler Gruppe aus Gotha. Sie ist Mitglied von Bystronic, die weltweit als führender Anbieter von Komplettlösungen zum Schneiden und Biegen von Blechen gilt. BMW Fahrzeugtechnik produziert in Eisenach Groß- und Mittelwerkzeuge sowie Pressteile für die Automobilproduktion. Für die Motorkühlung der Zukunft entwickelt GPM in Merbelsrod intelligente neue Pumpsysteme, die Energie, Bauraum, Gewicht und Kosten sparen. Unternehmen aus dem Maschinen- und Werkzeugbau finden in Thüringen exzellente Bedingungen vor. Die zentrale Lage im Herzen Europas verbunden mit einer guten Verkehrsinfrastruktur machen Thüringen zu einem Wirtschaftsstandort der schnellen Wege. Der Zugang zu renommierten Forschungs- und Entwicklungsinstitutionen ist einfach; die Nähe zu Hochschulen bietet viele Vorteile. Erfolgreiche Unternehmen eigener und verwandter Branchen bilden ein attraktives Zulieferer- und Kooperationspotenzial. Unternehmen des Maschinen- und Werkzeugbaus profitieren zudem von Transferzentren und der Zusammenarbeit mit wirtschaftsnahen Dienstleistern. Dr. Bernd Bräuer

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