Maschinenbau

Schlüssel zum Erfolg

Als Sprachrohr der Branche vor Ort versteht sich der VDMA Ost. SCOPE-Redakteurin Evelin Eitelmann sprach mit Reinhard Pätz, dem Geschäftsführer VDMA Landesverband Ost, über die Sorgen und Hoffnungen des Maschinenbaus für das Existenz entscheidende Jahr 2010.

SCOPE: Herr Pätz, die Talsohle im ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau sei erreicht, meldete der VDMA Ost vor kurzem, die durchschnittliche Kapazitätsauslastung sowie die Stimmung der Unternehmer seien wieder gestiegen. Wo liegen derzeit die Hauptprobleme für die Unternehmen?

Pätz: Das größte Problem ist der massive Investitionsstau. Die Maschinenbaukunden im In- und Ausland sind nach wie vor verunsichert, so dass häufig noch immer weitreichende Investitions- und Ausgabenstopps gelten. Zwar registrieren wir zahlreiche Anfragen, diese schlagen sich letztlich aber zu selten in adäquaten Aufträgen nieder. Stark zu schaffen macht den Maschinen- und Anlagenbauern aber auch der extrem starke Preisverfall, Engpässe bei der Materialbeschaffung und die Liquiditätssicherung. So haben sich die Rahmenbedingungen für Kredite deutlich verschlechtert: Die Bearbeitungs- und Entscheidungszeiträume der Banken haben sich drastisch verlängert, langfristige Finanzierungen werden so gut wie nicht gewährt. Besorgniserregend wird es, wenn das Eigenkapital der Unternehmen knapper wird, sich die Banken aber bei der Vorfinanzierung neuer Aufträge weiter beharrlich zurückhalten. So werden die Banken möglicherweise zum größten Risiko für den Aufschwung. Der VDMA fordert daher die Finanzinstitute auf, nicht allein auf die Bilanzen des zurückliegenden Jahres zu schauen, sondern vielmehr die Zukunftschancen der Unternehmen zu betrachten. Aber auch die Unternehmen selbst müssen aktiv werden und andere Finanzierungsformen oder auch alternative Angebote zu denen der Hausbank prüfen.

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SCOPE: Was erwarten Sie für das erste Quartal 2010?

Pätz: Die Gesamtsituation wird sich in den kommenden Wochen noch nicht wesentlich verbessern. Erst im Laufe des ersten Halbjahres wird man erkennen können, in welche Richtung wir uns in diesem Jahr bewegen werden. Fest steht jedoch bereits jetzt, dass uns ein unbequemes, Existenz entscheidendes Jahr bevorsteht. Derzeit gehen wir für 2010 in Summe von einem vergleichbaren Produktions- und Umsatzvolumen wie im Vorjahr, also einer Konsolidierung auf niedrigem Niveau aus.

SCOPE: Wo liegen Ihrer Meinung nach die Stärken des Maschinenbaus in Mitteldeutschland?

Pätz: Zum einen in den motivierten, engagierten und gut ausgebildeten Menschen sowie exzellenten Bildungs- und Forschungseinrichtungen, für die eine Kooperation mit der Wirtschaft von jeher eine Selbstverständlichkeit ist. Zum anderen in den vielen kleinen, hochinnovativen und flexiblen Unternehmen, die sich in vielen Nischen und neuen Märkten behaupten. Ostdeutschland gehört beispielsweise zu den führenden Standorten bei erneuerbaren Energien, und das international. Für Photonik, Biogas oder Windenergie haben die Unternehmen und Forschungseinrichtungen Verfahrens- und Produkt-Know-how entwickelt, mit dem sie ganz vorn dabei sind.

SCOPE: Sind die mitteldeutschen Maschinenbau-Unternehmen vergleichbar denen im Westen von der Krise betroffenen oder gibt es hier Unterschiede?

Pätz: Von der Wirtschaftskrise sind alle Maschinen- und Anlagenbauer betroffen, egal, ob sie im Norden, Osten, Süden oder Westen Deutschlands sitzen. Da die ost- und mitteldeutschen Unternehmen infolge ihrer Historie jedoch einen geringeren Exportanteil am Umsatz haben, wurden sie insgesamt weniger gebeutelt als andere Regionen. Dennoch mussten auch hiesige Hersteller und Zulieferer sehr starke Einbußen hinnehmen, insbesondere jene, die von einzelnen Branchen wie der Automobilindustrie abhängig sind. Gerade in Krisenzeiten wirken sich solche Monopolstrukturen äußerst nachteilig aus.

SCOPE: Sie berichten von großen Unterschieden innerhalb der Branche in Mitteldeutschland. Was raten Sie Unternehmen, deren Auftragslage gering ist?

Pätz: Diese Frage ist schwer zu beantworten, da jedes Unternehmen andere Rahmenbedingungen, Voraussetzungen und Möglichkeiten aufweist. Eine Auftragsflaute kann jedoch grundsätzlich für eine innerbetriebliche Umstrukturierung und Weiterqualifizierung von Mitarbeitern genutzt werden. Auch sollte man prüfen, ob die Erschließung neuer Märkte, sowohl geografisch als auch produktbezogen, gewinnbringend ist. Generell gilt vor allem in Krisenzeiten: Wer breiter aufgestellt ist und auf mehrere Standbeine und Branchen setzt, hat höhere Chancen, im Wettbewerb zu bestehen. Möglich wären zudem Kooperationen mit Unternehmen, welche die eigene Produkt- oder Dienstleistungspalette ergänzen.

SCOPE: In Mitteldeutschland gibt es verschiedene Verbundinitiativen und Cluster wie die VEMAS in Sachsen. Wie ist die Zusammenarbeit mit dem VDMA Ost und wie werden derartige Aktivitäten beurteilt?

Pätz: Die Zusammenarbeit in Netzwerken mit Partnern aus Wirtschaft und Forschung helfen, Lösungen für die verschiedensten Themenstellungen zu finden. Für Unternehmen aller Branchen und jeder Größenordnung ist die Netzwerkarbeit einer der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg ¿ für kleinere Firmen auch, um größenbedingte Nachteile zu kompensieren. Dies gilt sowohl bei der Akquise von Großaufträgen als auch bei der Markterschließung und -bearbeitung. Unser Verband kooperiert daher in Mittel- und ganz Ostdeutschland mit mehreren Verbundinitiativen und Netzwerken. Entscheidend dabei ist, unseren Mitgliedern durch Synergien und kooperative Zusammenarbeit einen Mehrwert zu bieten und somit auch zu einem weiteren Ausbau des Standortes beizutragen.

SCOPE: Etwa ein Drittel der Mitgliedsfirmen des VDMA Ost sitzt in Sachsen. Welche weiteren Schwerpunktregionen gibt es in Ostdeutschland?

Pätz: Wir betreuen 350 Unternehmen in Ostdeutschland, davon 120 in Sachsen. Die Bedeutung Sachsens ist sicherlich historisch bedingt, schließlich gilt Sachsen als Wiege des deutschen Maschinenbaus und war auch zu DDR-Zeiten eine Hochburg des Maschinenbaus. 230 Unternehmen betreuen wir in den anderen ostdeutschen Bundesländern einschließlich Berlin. Zahlenmäßig sind wir hier am stärksten in Berlin und Thüringen vertreten. Entscheidendend für die Analyse regionaler Unterschiede sind aber der Pro-Kopf-Umsatz und die Zahl der Beschäftigten. Betrachtet man alle Maschinenbauunternehmen in Ostdeutschland liegt Sachsen bei der Beschäftigungssituation deutlich vor Thüringen, Sachsen-Anhalt und Berlin. Berlin weist jedoch den höchsten Pro-Kopf-Umsatz auf, gefolgt von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

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