Software

Gründer wechselt in den (Un-)Ruhestand

Vor 25 Jahren gründete Dr.-Ing. Günter Müller die Cadfem GmbH, nachdem er zuvor drei Jahre lang mit dem Ingenieurbüro Müller im Bereich der Anwendung der FEM aktiv war. Für den CAD-CAM-Report sprach Gerhard Friederici, fast genau so lang Chefredakteur des CAD-CAM-Reports, mit Günter Müller, der noch voller Pläne steckt, über die Gründerjahre und Entwicklungen rund um den Simulationsbereich.

CCR: Dr. Müller, mit welcher Perspektive haben Sie vor 25 Jahren ihre FEM-Aktivitäten gestartet und das Unternehmen Cadfem gegründet?

Müller: Ich hatte schon bei der Diplomarbeit 1969 die FEM zum Thema und hatte danach das Glück, eine Stelle als Assistent an der Universität Stuttgart zu bekommen. Am dortigen Institut für Baustatik wurde schon früh auf diesem Gebiet geforscht. Als DFG-Stipendiat in Berkeley und später als Mitarbeiter bei Control Data konnte ich mein Wissen vertiefen und praktische Erfahrungen sammeln. John Swanson, der ‚Vater von Ansys‘, bot mir dann an, in Deutschland sein Produkt zu vertreiben. Die Chance habe ich ergriffen und 1982 das Ingenieurbüro Müller und 1985 die Cadfem GmbH gegründet.

CCR: Warum konzentrierten sich Ihre FEM-Aktivitäten auf die Zusammenarbeit mit Ansys?

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Müller: Während der 25-jährigen Firmengeschichte von Cadfem gab es schon mal Überlegungen, als unabhängiger CAE-Dienstleister zu agieren. Dabei wurde uns aber schnell klar, dass es – wenn man den Softwarevertrieb ins Portfolio mit einschließt – nicht möglich ist, ‚mehreren Herren zu dienen‘. Ansys hat sich zudem prächtig entwickelt und ist durch eigenes Wachstum und durch gut überlegte Zukäufe heute mit einem Umsatz von mehr als 500 Millionen US-Dollar der eindeutige Weltmarktführer. Das umfassende Produktportfolio verschafft uns einen ausreichend großen Kundenkreis.

CCR: Was war für das kontinuierliche Wachstum von Cadfem entscheidend?

Müller: Im Vergleich zu Ansys ist Cadfem immer sehr bodenständig gewesen. In den 25 Jahren unseres Firmenbestehens konnten wir sehr viel internes Know-how aufbauen, das heute auf die Schultern von mehr als 120 selbständig und verantwortungsbewusst agierenden Cadfem-Mitarbeitern verteilt ist. Das ist eine wichtige Grundlage für die hohe Zufriedenheit bei unseren Kunden. Parallel zum weiteren Ausbau der Cadfem GmbH haben wir aber auch in andere Unternehmen investiert, die zu Ansys komplementäre Produkte entwickelten oder in anderen Regionen aktiv sind. Wir haben also mit Ansys nicht nur den richtigen Partner mit einer leistungsfähigen Software gewählt, sondern zusätzlich eine weltweite Vernetzung und ein erweitertes Produktportfolio aufgebaut.

CCR: Werden Sie sich jetzt, nachdem Sie die Geschäftsführung der Cadfem GmbH an Christoph Müller, Dr.-Ing. Jürgen Vogt und Erke Wang übergeben haben, zur Ruhe setzen?

Müller: Ich werde als Cadfem-Gesellschafter dem Unternehmen weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen, mir aber mehr Zeit für das Controlling und die Evaluierung neuer Geschäftsfelder nehmen. Das Thema Ausbildung liegt mir sehr am Herzen, deshalb soll das Esocaet-Angebot zur CAE-Weiterbildung ausgebaut werden. Als Beitrag zur MINT-Initiative (Anm. d. Red.: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) wird Cadfem zusammen mit der TU München bayrische Gymnasiasten mit der Simulationstechnologie vertraut machen und Anfang 2011 ein entsprechendes Projekt starten. Darüber hinaus ist mir auch der Ausbau der internationalen Präsenz unter dem Dach der Cadfem International wichtig. Hier werde ich mich verstärkt um die Firmenbeteiligungen kümmern. Für 2011 steht der Ausbau der Unternehmen in den USA, in Russland, in Indien und in China im Vordergrund. Das Netzwerk ‚TechNet Alliance – Your global CAE-Partner‘ habe ich vor gut zehn Jahren mit initiiert und seither verantwortlich geleitet. Hier sind mehr als 60 Anbieter- und Anwender-Unternehmen aus 25 Ländern vereint, um gemeinsam den Einsatz von Simulationslösungen effizienter zu gestalten und weiter voranzutreiben. Das werde ich weiterhin maßgeblich unterstützen und auch neue Inhalte einbringen.

CCR: Was war Ihrer Meinung nach für die Entwicklung der Simulationsanwendungen in den letzten 30 Jahren besonders wichtig?

Müller: Hier sind als erstes die Hardware-Leistungen zu nennen, die im wahrsten Sinn des Wortes ‚tragbar‘ wurden. Das gilt sowohl für den finanziellen Aspekt als auch bezüglich des Gewichtes. Heute liefert ein Laptop ein Vielfaches der Leistung, die vor 25 Jahren ein Kleiderschrank-großer Rechner zur Verfügung stellte. Eine weitere wichtige Entwicklung für die effizientere Nutzung der CAE-Technologien sind die Verbesserungen im so genannten Pre- und Postprocessing. Hier ist exemplarisch die Vernetzung zu nennen, die heute auch bei komplexen Geometrien komfortabel handhabbar ist.

CCR: Was für weitere Schritte müssen aus Ihrer Sicht im CAE-Bereich noch folgen?

Müller: Bisher sind die CAE-Anwendungen zum größten Teil auf die Strukturmechanik beschränkt. Dieses muss und wird sich zukünftig ändern. Speziell die Strömungsanalyse, die Akustiksimulation und die Untersuchung von elektromagnetischen Feldern werden rapide zunehmen. Und auch die Realisierung von gekoppelten Berechnungen – Multiphysics genannt – wird einen großen Stellenwert erlangen.

CCR: Abschließend eine persönliche Frage: Wird Ihr Leben weiterhin zum großen Teil durch das Simulationsthema bestimmt werden?

Müller: Das mag sich so anhören, aber ich habe auch noch andere Interessen. Zum Beispiel möchte ich mich verstärkt für meine Stiftung engagieren, die die Tadra-Kinderdörfer in Ost-Tibet unterstützt. Auch die noch junge Organisation ‚Ingenieure ohne Grenzen‘ braucht mehr Zuarbeit. Hierzu will ich meinen Teil beitragen. Natürlich werde ich mir auch mehr Zeit für den Besuch alter Freunde nehmen, mehr Zeit zum Schwimmen und Bergwandern sowie für Ausflüge mit meinem Enkel Moritz.


Gerhard Friederici ist heute Mitarbeiter von Cadfem.

Cadfem GmbH, Grafing bei München Tel. 08092/7005-0, http://www.cadfem.de

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