Cloud Computing

Sicherer Crashtest in der Cloud

Unternehmen benötigen für ihre Produktentwicklung einen langen Atem – und temporär enorme IT-Ressourcen. Um diesen Bedarf zu decken, bietet sich eine Cloud-Lösung an. Die Vorbehalte gegenüber dieser Art des Ressourcenbezugs schwinden: 2015 nutzte laut Bitkom Research zum ersten Mal eine Mehrheit von 54 Prozent der deutschen Unternehmen Cloud Computing.

Die Telekom bietet sämtliche Leistungen der Open Telekom Cloud aus deutschen Rechenzentren an; die Cloud-Services unterliegen somit den strengen deutschen Gesetzen zu Datenschutz und Datensicherheit. Bild: Telekom

Ob stochastische Risikoanalysen, Wetterprognosen oder Crash-Simulationen: Ohne High Performance Computing (HPC) und kurzfristige Rechenleistung lassen sich solche komplexen Berechnungen in Finanzwirtschaft, Forschung sowie Automobil- und Luftfahrtindustrie nicht umsetzen.

Bevor beispielsweise der erste physische Prototyp eines neuen Automodells gegen die Wand fährt, hat er zahlreiche virtuelle Crashtests am Rechner hinter sich gebracht. Anhand der simulierten Verformungen lassen sich bereits in einem frühen Stadium der Produktentwicklung Schwachstellen in Konstruktion und Material – etwa bei den Schweißnähten – feststellen. Ebenso lässt sich der cw-Wert (Strömungswiderstand) eines Autos in einem virtuellen Windkanal ermitteln. Solche komplexen Berechnungen, Simulationen und Analysen tragen dazu bei, Entwicklungszyklen zu verkürzen.

Alle diese Anwendungsfälle sind sehr rechenintensiv – doch besteht der Bedarf an hochperformanter Rechenleistung und Speicherplatz je nach Projekt meist nur für einen kurzen Zeitraum. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wäre der Kauf von nur zeitweilig genutzten IT-Ressourcen ein Verlustgeschäft: Sie verursachen Kosten, ohne einen angemessenen Wertbeitrag zu leisten.

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Laut einer Studie stehen viele Unternehmen Cloud-Diensten aus den USA skeptisch gegenüberstehen. Bild: Telekom

Ressourcen bedarfsgerecht nutzen
An diesem Punkt spielen Infrastructure-as-a-Service-Lösungen ihre Stärken aus. Ein Beispiel hierfür gibt die Open Telekom Cloud, ein Public-Cloud-Angebot der Deutschen Telekom. Entwickler können aus der Open Telekom Cloud exakt nach ihrem jeweiligen Bedarf IT-Ressourcen für rechenintensive Unternehmensprojekte beziehen. Investitionen in eigene Hardware sind nicht erforderlich, die Nutzer bezahlen verbrauchsbezogen im „Pay as you go“-Modus. Auch kurzfristige Anforderungen aus Fachbereichen lassen sich auf diesem Weg rasch bedienen. Die wichtigste Währung im Cloud Computing ist jedoch Vertrauen. Laut Bitkom Monitor 2016 stehen noch rund ein Drittel der Unternehmen der Cloud kritisch gegenüber und befürchten unberechtigte Zugriffe auf ihre Daten oder gar deren Verlust. Und für drei Viertel aller befragten Unternehmen gilt als wichtigstes Kriterium bei der Auswahl eines Cloud-Providers: Sowohl Rechenzentrum als auch Hauptsitz müssen in Deutschland liegen.

Höchste Datensicherheit
Diesem Profil entspricht die Open Telekom Cloud. Die Telekom bietet sämtliche Leistungen der Open Telekom Cloud aus einem Rechenzentrum in Biere/Sachsen-Anhalt und dessen „Zwilling“ in Magdeburg. Als Anbieter mit Unternehmenssitz in Deutschland, der zudem über ein eigenes Netz verfügt, unterliegen die Cloud-Services der Telekom somit automatisch den strengen deutschen Gesetzen zu Datenschutz und Datensicherheit.

„Die Open Telekom Cloud bedient Sicherheitsanforderungen, die für Produktentwicklung und Product Lifecycle Management relevant sind. Dazu gehört die sichere Massendatenverwaltung, etwa die Speicherung von Stücklisten oder Konstruktionszeichnungen in verschiedenen Versionsständen. Selbst bei einem so unscheinbaren Teil wie dem Außenspiegel eines Autos gibt es viele Varianten, wodurch Unmengen von Daten anfallen, die miteinander verknüpft und gegebenenfalls modifiziert werden müssen.

Es handelt sich hierbei immer um geistiges Eigentum und Betriebsgeheimnisse – dafür muss ein Cloud-Anbieter die höchstmögliche Datensicherheit bieten, um jeden unbefugten Zugriff zu verhindern“, verdeutlicht Frank Strecker, verantwortlich für das Cloud-Geschäft im Konzern Deutsche Telekom. Dabei sieht er die Deutsche Telekom im Vorteil gegenüber US-amerikanischen Anbietern: „Die Ergebnisse des Bitkom Cloud Monitor 2016 legen den Schluss nahe, dass viele Unternehmen weiterhin Zugriffe US-amerikanischer Nachrichtendienste und Behörden auf Cloud-Daten befürchten und daher Cloud-Diensten aus den USA skeptisch gegenüberstehen.“

Zum Einstieg in die Open Telekom Cloud melden Unternehmenskunden sich unter cloud.telekom.de an und richten eine Virtual Private Cloud (VPC) ein. Damit reservieren sie einen eigenen IP-Adressbereich innerhalb der Cloud, unterbinden von vornherein unerlaubte Zugriffe und vergeben Rechte für autorisierte Mitarbeiter. Der Zugriff erfolgt dann via Self-Service-Portal oder über programmierbare Schnittstellen (API), insbesondere wenn unternehmenseigene IT-Systeme angebunden werden sollen.

Anbieterunabhängig dank Open-Stack
Die einzelnen Cloud-Services werden durch Open-Stack-Module zur Verfügung gestellt, darunter Nova (Elastic Cloud Server), Cinder (Elastic Volume und Backup Service) und Keystone (Identity and Access Management). Elastic Load Balancer und Auto Scaling Service erlauben dynamische Anpassungen von Ressourcen, beispielsweise für bestimmte Tageszeiten oder im Falle plötzlicher Lastspitzen. Greift ein Unternehmen via API auf Auto Scaling oder Load Balancer zu, kann es die Skalierung und Lastverteilung mithilfe von Skripten auch automatisieren.

Zu den Vorzügen dieser Open-Stack-Architektur gehört ihre offene, anbieterübergreifende Schnittstelle. Auf diese Weise lässt sich der gefürchtete Vendor-Lock-in vermeiden – ein Umzug zu einem anderen Anbieter von Cloud-Diensten ist jederzeit möglich. Zudem sieht das Bezahlmodell der Open Telekom Cloud keine Mindestvertragslaufzeiten oder die Mindestabnahme von Ressourcen vor.

Virtuelle CPUs und virtueller RAM werden aus den Hardware-Pools im Rechenzentrum bereitgestellt. Beim Betriebssystem haben Anwender die Wahl zwischen Linux, Oracle Linux, Suse und Windows oder der Ablage eines eigenen Images, dessen Management sie in Eigenverantwortung betreiben. Computing-Server sind von 1 bis 32 vCPUs erhältlich, Arbeitsspeicher von einem bis 128 GB RAM. Aus diesen Basiskomponenten ergeben sich 28 Kombinationsmöglichkeiten für verschiedene Einsatzzwecke, die so genannten „Flavors“. Hinzu kommt eine HPC-Hochleistungsoption namens „High Performance Flavor“ mit maximal 32 vCPUs mit jeweils 64 GB RAM.

Speichern ohne Grenzen
Block Storage ist in Größen zwischen 40 GB und 32 TB verfügbar. Bis zu zehn Volume-Service-Festplatten mit maximal 32 TB je Server sind möglich. Zusätzlich ermöglicht ein optionaler Volume-Backup-Service inkrementelles Speichern und die schnelle Wiederherstellung von Daten. Als zweite Option steht Object Storage bereit. In dieser Variante können Dateien mit Größen von bis zu 50 Terabyte abgelegt werden. Object Storage ist langsamer, jedoch deutlich günstiger und deshalb besonders für Archivierungszwecke geeignet.

Last but not least steht Cloud-Kunden neuerdings eine Cloud Container Engine (CCE) zur Verfügung. Damit lassen sich auf Knopfdruck komplette Applikationslandschaften und virtuelle Maschinen von einer Cloud in die andere verschieben – etwa von Amazon Web Services auf die Open Telekom Cloud. Seit ihrer Einführung im März 2016 hat sich die Open Telekom Cloud offensichtlich am Markt etabliert. So greift beispielsweise das renommierte Forschungsinstitut Cern in der Schweiz auf 1.000 Virtuelle Maschinen und 500 TB Storage aus der Open Telekom Cloud zurück. Im Schnitt kommen laut Telekom jeden Monat 40 neue Unternehmen als Nutzer hinzu. Daher sollen die Kapazitäten der beiden Rechenzentren bis 2018 noch einmal um 150 Prozent erhöht werden.

Stefan Graf

Deutsche Telekom, Bonn, Tel. 0800/33 04444, www.cloud.telekom.de

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