Outsourcing vs.Cloud

Den idealen Mix für die IT finden

Der jüngste Cloud-Monitor, erstellt von Bitkom Research im Auftrag der KPMG AG, sagt, dass im Jahr 2015 erstmals eine Mehrheit der Unternehmen in Deutschland Cloud Computing einsetzt. Das klassische Outsourcing (aus dem Rechenzentrum, RZ) hat damit aber nicht ausgedient. Es zeichnet sich ein Betriebs-Mix bei der Unternehmens-IT ab. Eine Orientierungshilfe.

Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung rückt die IT mehr denn je in das Zentrum der Wertschöpfungsketten. Konzepte wie Smart Factory, Industrie 4.0 oder IoT (Internet of Things) oder neue Tätigkeitsfelder wie die Aufgabe eines Smart Gateway-Administrators im Zuge der digitalen Energiewende, führen zu zusätzlichen Anforderungen. Unternehmen stehen unter einem hohen Anpassungsdruck, ihre IT(-Infrastruktur) auf den neuesten Stand zu halten und die Leistungskapazität flexibel anzupassen. Die technische Evolution – insbesondere die verbesserten Möglichkeiten der Netzinfrastrukturen und Internet-Vernetzung – schufen in den vergangenen Jahren beste Voraussetzungen für das Cloud Computing, also den Bezug von IT-Leistungen als Service über das Internet.

Im vergangenen Jahr hat erstmals eine Mehrheit der Unternehmen in Deutschland Cloud Computing eingesetzt, registriert der aktuelle Bitkom-Cloud-Monitor im Auftrag der KPMG. Die Technologie verspricht enorme Effizienzgewinne und dient häufig als Basis neuer Automatisierungskonzepte und Produktionsprozessmodelle in Industrie 4.0. Angesichts positiver Betriebserfahrung, gerade auch im privaten Bereich im Kontext der Smartphone-Nutzung, stellt sich schnell die Frage, ob Cloud Computing nicht das technisch überlegene, in jedem Fall wirtschaftlichere Bezugsmodell für die Unternehmens-IT im Vergleich zum traditionellen Outsourcing/Rechenzentrums (RZ)-Betrieb darstellt.

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Je nach dem: Standard oder individuell
Wie so häufig im Leben, kann auf diese Frage keine allgemeingültige Antwort formuliert werden. Es kommt im konkreten Fall stets auf den individuellen Zuschnitt der Anforderungen und Erwartungen an Geschäftsprozesse und IT-Applikationen an. Eine erste Orientierungshilfe über die prinzipielle Sourcing-Eignung eines Prozesse und IT-Infrastruktur lässt sich anhand dieser Dimensionen ausloten:

  • strategischer Wertbeitrag,
  • Standardisierung des Leistungsumfangs,
  • Planbarkeit des Ressourcen-Bedarfs,
  • Service-Tiefe.

Dabei wird sich schnell die Erkenntnis einstellen, dass eine Cloud-Strategie nicht für alle Aufgaben eine ideale Lösung darstellt. Ein Blick auf die jeweiligen Stärken und Grenzen der unterschiedlichen Betreiber- und Sourcing-Konzepte macht dies transparent.

Cloud-Sourcing für standardisierte IT-Leistung
Das Modell des Cloud Computing bedeutet ein flexibler, schneller und gleichermaßen standardisierter Leistungsbezug bei sich änderndem Bedarf. Die Abrechnung erfolgt nach Inanspruchnahme. Die Vorteile für die Kosten eines Anwenderunternehmens sind offensichtlich. Aus Investitionskosten (Capex – Capital expenditure) werden Betriebskosten (Opex – Operational expenditure). Die Notwendigkeit in Infrastruktur und neue Technik zu investieren, verlagert sich auf die Dienstleister. Dadurch reduzieren sich die Betriebskosten, da für Spitzenlasten keine IT-Ressourcen mehr auf Vorrat vorgehalten werden müssen. Auch der Personalaufwand verringert sich, da der Bedarf an IT-bezogenem Experten-Knowhow und der Umfang von Administrationstätigkeiten zurückgehen.

Das Modell des Cloud Computing funktioniert allerdings nur für standardisierte Leistungen. Es liegt in der Natur der Sache, dass Standardisierung und individueller Zuschnitt im Spannungsverhältnis zueinander stehen. Denn ein Cloud-Anbieter muss einen großen Nutzerkreis ansprechen, um das Investment in die hochskalierbare Infrastruktur zu rechtfertigen. Diese Prämisse lässt sich vergleichsweise einfach für den einschlägigen standardmäßigen IT-Unterbau durchhalten. Für Anwendungen mit einem geringeren strategischen Charakter wie beispielsweise Office-Tools oder Unternehmenssoftware wie Vertriebssteuerung oder Finanzen mit weniger firmenspezifischen Anforderungen funktioniert Cloud Computing gut.

Individualität eher im Outsourcing/RZ-Betrieb
Auf der Ebene der Fachanwendungen, die unternehmenskritische Prozesse abbilden, ist in der Regel aber mehr Individualität gefragt. Das kann bereits dazu führen, dass die benötigte Server-Größe mit den virtuellen Standard-Ressourcen der Cloud nicht darstellbar ist. Noch häufiger sind es aber die Anpassungs- oder Konfigurationswünsche einschließlich der Schnittstellen zu anderen Anwendungen, die zu einem höheren Support- und Servicebedarf führen, die eine Migration in die Cloud schon aus wirtschaftlichen Gründen ausschließen.

Grundsätzlich gilt, alle Vorteile, die für die Cloud gelten, lassen sich auch für das Outsourcing anführen, als da sind: Verminderte Investitionsrisiken, flexiblere Bezahlung, reduzierte Fix-Kosten oder Entlastung von Routine-Tätigkeiten. Es sind überzeugende Argumente, den Betrieb der eigenen IT in die Verantwortung eines Dienstleisters zu überführen.

Im Vergleich zum Cloud-Modell besteht jedoch ein feiner maßgeblicher Unterschied: Outsourcing stellt ein an den individuellen Bedürfnissen des Unternehmens ausgerichtetes Leistungsangebot dar. Eine solche Ausrichtung ist von Vorteil für den individuellen Zuschnitt der Anwendungen und begleitenden Services. Bei ungeplanten Mehr- oder Minderbedarfen kann es allerdings zu Unzufriedenheit auf der einen oder anderen Seite führen. In Folge müssen der ursprüngliche Leistungsumfang und damit die Kosten-Kalkulation mitunter neu verhandelt werden.

Schwarz oder weiß…?
Die Entscheidung pro Cloud-Computing oder Outsourcing/RZ-Services lässt sich allein fall- und situationsbezogen fällen. Schließlich ist die (Wirtschafts-)Welt noch nie ausschließlich schwarzweiß gewesen.

Als Daumenregel darf gelten:

  • Sind Standardleistungen gefordert und keine bzw. wenige Anpassungen nachgefragt, lautet die Entscheidung pro Cloud.
  • Sind mehr Individualität in Anwendungen und Supporttiefe sowie branchenbezogene Betriebsvorgaben und Zertifizierungsstandards gefordert, ist Outsourcing/RZ-Betrieb das wirtschaftlichere Modell.

Koexistenz statt Konfrontation!
Daneben ist jede Form des Mix und der Koexistenz zwischen beiden Extrem-Polen denk- und machbar. Das liegt unter anderem darin begründet, dass beide Betriebskonzepte ihre Stärken nicht mehr zwangsläufig exklusiv für sich verbuchen dürfen. Die bei Cloud Computing nachgefragten Eigenschaften der schnellen Bereitstellung (über Self-Services) und der verbrauchsgerechten Abrechnung wird auch im traditionellen Outsourcing geboten, wenn ein Dienstleister in den Aufbau von RZ-Automatisierung investiert.

Umgekehrt können Unternehmen nun für den Betrieb unternehmenskritischer Anwendungen die Ressourcen einer öffentlichen Cloud wie Amazon Web Services (AWS) in Anspruch nehmen, ohne Abstriche in der Service-Qualität zu machen. Als Partner von Amazon hat zum Beispiel die BTC AG Service-Angebote für AWS definiert, die sich im Leistungszuschnitt an den Business-Ansprüchen orientieren und beim Thema Agilität und Bezugsflexibilität den Cloud-Vorteilen entsprechen.

Cloud-Varianten
Mit dem Begriff des Cloud Computing werden unterschiedliche Angebotstypen adressiert, die sich letztendlich an den logischen Ebenen der IT-Leistungserstellung orientieren. Das „As a Service“-Angebot differenziert nach Infrastruktur (CPU, Speicher etc.), Plattform (Middleware, Entwicklungsumgebungen) sowie Software und Prozesse (Anwendungen und Geschäftsprozesse). Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch auf die Unterscheidung Public Cloud (öffentlich zugängliches Leistungsangebot) Private Cloud (organisationsinterne bzw. exklusiv zugeordnete Cloud-Services) Hybrid Cloud (Kombination öffentliche und firmenexklusive Ressourcen) hingewiesen.

Das Modell des Cloud Computing beruht auf dem Prinzip der Standardisierung von Leistungen. Es liegt in der Natur der Sache, dass Standardisierung und individueller Zuschnitt im Spannungsverhältnis zueinander stehen. Entsprechend breit besetzt ist das Angebot für grundlegende IT-Services. Dagegen wird die Auswahl auf der Ebene der Anwendungen deutlich dünner. Das gilt insbesondere für unternehmenskritische Anwendungen, die sich infolge eines individuellen Zuschnitts in der Konfiguration und Integration mit Drittprogrammen (Schnittstellenproblematik) einer Standardisierung entziehen oder sie zumindest erschweren. Für Anwendungen mit einem geringeren strategischen Charakter wie beispielsweise Office-Tools, oder Unternehmenssoftware wie Vertriebssteuerung oder Finanzen mit weniger firmenspezifischen Anforderungen gilt diese Einschränkung dagegen nicht.

Norbert Rosebrock, BTC / kf

BTC IT Services GmbH, Telefon: 0441/36 12-0, www.btc-it-services.com

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