Software

Fliegende Objekte in Orlando


in Jubiläum feierte Solidworks mit seinem Anwendertreffen im Januar in Orlando/USA: die Solidworks World fand im 15. Jahr statt. Wie kaum ein anderer Anbieter von Software für die Produktentwicklung versteht es der Pionier von 3D-CAD für PC seine Anwender und Partner mit seinen jährlichen Treffen zu mobilisieren und für Engineering zu begeistern. Im Mittelpunkt standen dieses Jahr die neue Version der 3D-Lösung sowie viele interessante Vorträge von Kunden.


Viele kamen aus Kälte und Schnee nach Florida, das bereits im Januar mit frühsommerlichen Temperaturen aufwarten kann. Rund 4.500 Kunden und Partner folgten der Einladung und trafen sich vom 21. bis 23. Januar 2013 in Orlando. Im 15. Jahr kann man bereits von einem traditionellen Treffen sprechen, denn Solidworks - inzwischen ein Geschäftsbereich des französischen Unternehmens Dassault Systèmes (DS) - startete bereits 1999 mit seinen User Meetings.

Die Dimensionen sind heute gewaltig: Rund 4.500 Teilnehmer aus der ganzen Welt reisten an; davon etwa 100 Partnerunternehmen, die sich in der Partner Pavilion präsentierten. Auf dieser „kleinen Messe“ sind sämtliche Lösungen rund um die Solidworks-Produktfamilie zu finden.

Ein typischer Solidworks-World-Tag startet immer mit der General Session: CEO Bertrand Sicot begrüßt hier die Teilnehmer und berichtet über Neuigkeiten. Im Dezember 2012 konnten der 3D-Anbieter eine wichtige Hürde nehmen: Zwei Millionen Anwender nutzen inzwischen weltweit die CAD-Software. Der Hersteller konnte laut eigener Aussage innerhalb von vier Jahren die Anwenderzahl verdoppeln. Auch beim Nachwuchs ist man aktiv: rund 2,5 Millionen Schüler und Studenten sammeln heute rund um die Welt erste Erfahrungen mit einer CAD-Software von Solidworks.

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Eine große Rolle spielen die Community-Aktivitäten. Waren in den vergangenen Jahren mehrere Web-Plattformen ein Treffpunkt für Anwender, soll nun auf der Website http://my.solidworks.com eine Anlaufstelle alle zusammenbringen, die sich austauschen möchten. Wer dort nach Problemlösungen oder Tipps sucht, wird nun mit der Dassault-Suchmaschine Exalead schnell fündig. Auch Inhalte von Twitter, Youtube oder eine Onlinehilfe sind dort eingebunden. Weitere Angebote wie eine Knowledge Base und 3D Content Central sollen bald folgen.

Mechanical Conceptual: Von der Idee zur Konstruktion

Dassault Systèmes setzt seit einiger Zeit auf die „3D Experience“ genannte Strategie. Man spricht nicht mehr von Produkten oder Techniken wie PLM, CAD oder PDM, sondern stellt die „3D Experience“ in den Vordergrund. Dahinter verbirgt sich (jedoch noch immer) eine Produktpalette. Dass der Austausch zwischen den französischen und amerikanischen Entwicklern inzwischen auf Hochtouren läuft, belegen neue Produkte wie Mechanical Conceptual. Mit der Online-Applikation sollen sich Produktideen schneller und einfacher skizzieren und darstellen lassen. Statt CAD-Entwürfe bis ins Detail auszufeilen, können so Verantwortliche aus den Bereichen Produktentwicklung, Marketing oder Vertrieb sehr schnell Ideen umsetzen, präsentieren und weiterentwickeln. Im Gespräch mit Kunden kann auf mobilen Endgeräten direkt gezeigt werden, in welche Richtung eine neue Entwicklung gehen kann. Oder auch Änderungen können noch während des Gesprächs umgesetzt werden. Mechanical Conceptual basiert auf der V6-Technologie und damit auf einem einheitlichen Datenmodell, das eine weitergehende Nutzung der Daten in anderen Anwendungen ermöglichen soll.

Ein Mechanikvogel begeistert

Solidworks verzichtete dieses Jahr zum ersten Mal auf prominente Gäste. In der Vergangenheit erzählten auf großer Bühne Persönlichkeiten wie Leonard Nimoy (Mr. Spock), Steve Wozniak (einer der Apple-Gründer) bis hin zu dem Milliardär Richard Branson über ihre Verbindung zum Engineering und interessante Projekte. In Orlando hingegen wussten Techniker zu begeistern: Einen ersten Höhepunkt steuerte Professor Vijay Kumar der University of Pennsylvania/USA bei, der seine Forschungen zu autonomen Quadrocoptern präsentierte. Zu welchen Flugleistungen die kleinen Flugroboter fähig sind, versetzte viele in Staunen.

Beifallsstürme ernteten zwei Vertreter der deutschen Firma Festo: Mit der Initiative „Bionic Learning Network“ gelang es einem Forschungsverbund von Festo mit Hochschulen, Instituten und Entwicklungsfirmen, biologische Prinzipien auf die Technik zu übertragen. Das Ergebnis schwebte über den Köpfen des fassungslo

sen Publikums: der SmartBird. Das ultraleichte Flugmodell fliegt wie ein Vogel. Seine Flügel schlagen dabei nicht nur auf und ab, sondern verdrehen sich gezielt. Dies geschieht durch einen aktiven Gelenktorsionsantrieb, der in Verbindung mit einer komplexen Regelung bisher unerreichte Wirkungsgrade im Flugbetrieb realisiert. Damit gelang Festo erstmals eine energieeffiziente, technische Adaption des natürlichen Vorbilds. Ein Video hierzu sowie weitere Information zu dieser Initiative sind hier abrufbar: http://www.festo.com/cms/de_corp/11369_11439.htm#id_11439. Dass deutsche Technik stehende Ovationen verbuchen konnte, erfüllte nicht nur die Festo-Mitarbeiter mit Stolz.

Elektrifizieren und Simulieren

In der aktuellen Version 21 dürften zwei Neuerungen für einiges Interesse am Markt sorgen: Solidworks Electrical und Plastics. Solidworks Electrical beinhaltet ein Konstruktionswerkzeug für 2D-Schemas auf Systemebene und eine leistungsfähige Zusatzanwendung für die Konstruktionsanwendung zur 3D-Elektromodellierung, die in Echtzeit verknüpft sind. Bei der Konstruktion elektrischer Systeme suchen Unternehmen oft nach Ansatzpunkten, um die Gesamtleistung ihrer Abteilungen zu verbessern. Das neue Werkzeug soll Ingenieure und Konstrukteure bei der Planung elektrischer Systeme unterstützen und diese elektrikbezogenen Aspekte in die mechanischen Gesamt-3D-Modelle integrieren.

Drei Stufen beziehungsweise Module kann der Anwender erwerben: Electrical als 2D-CAD-Lösung für die Architektur elektrischer Systeme und die Planung. Oder Electrical 3D als Zusatzanwendung für die CAD-Anwendung, welche die 2D-Schemas auf Systemebene mit in Solidworks entworfenen 3D-Modellen verbindet. Und die umfangreichste Version: Electrical Professional. Diese vereint die Funktionen von Electrical und Electrical 3D in einer einzigen Anwendung und richtet sich an Anwender, die sowohl im 2D- als auch im 3D-Bereich zur Entwicklung elektrischer Systeme tätig sind.

Interessant für Formenbauer dürfte das neue Modul Plastics sein. Damit wird die Simulation von Spritzgussvorgängen während der Konstruktionsphase zur Identifizierung potentieller Probleme ermöglicht, noch bevor das Teil in die Produktion geht und kostenintensive Fehler und Nacharbeiten entstehen. Das Programm ist vollständig in die 3D-CAD-Software integriert, so dass Teilekonstrukteure und Formenbauer in der vertrauten Arbeitsumgebung bleiben können. Mit Plastics sollen die Konstrukteure zudem in der Lage sein, Änderungen an der Teilegeometrie, der Form, dem Material oder den Verarbeitungsbedingungen zur Vereinfachung des Herstellungsprozesses zu simulieren. Die Software basiert auf der Technologie der Simpoe SAS. Das Programm wird in zwei Paketen angeboten: Plastics Professional und Premium.

Blick auf 2014

Die General Session am dritten Tag gibt traditionell einen Ausblick auf die kommende Version, also Solidworks 2014. Wer hier eine trockene Präsentation erwartet hatte, wurde angenehm überrascht: Großes Entertainment-Kino im Stil eines TV-Shopping-Kanals bildete den Rahmen für die Funktionen der neuen Version. Product Marketing Manager Jeremy Regnerus, sowie weitere Solidworks-Mitarbeiter, offenbarten hier echte Entertainerqualitäten. Ob alle angekündigten Neuheiten in Version 2014 umgesetzt werden, wird das nächste Anwendertreffen im Januar 2014 in San Diego zeigen.


Stefan Graf


Solidworks Deutschland GmbH, München, Tel. 089/960948-400, http://www.solidworks.de

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