Software

„Spritzgießsimulation kann klar und simpel sein“

Einfach zu bedienen: So lautet der Entwicklungsleitsatz der Spritzgießsimulations-Software Simpoe. Vier aufeinander aufbauende Bausteine ermöglichten dem Kunden genau zu wählen, wie viel Simulation er benötige – und das in einem Kostenrahmen, der sich auch bei seltener Verwendung vertreten ließe, sagt Simpoe-Deutschland-Geschäftsführer Frank Will. Rechtzeitig zur Fakuma bietet das Unternehmen nun auch die Integrationen in Creo Elements/Pro und Solid Edge per Single-Window-Technologie.
„Wir erhalten immer wieder ein positives Feedback von den Kunden“, sagt Frank Will, Geschäftsführer der Simpoe GmbH, der seit seinem Studium im Bereich Simulation tätig ist. „Aufgrund der Nachfrage von jungen Ingenieuren haben wir auch das Add-on Tool Box entwickelt, das Hilfestellungen gibt, wie Probleme beseitigt werden können.“ (Bilder: Simpoe)

CCR: Herr Will, wo liegen die Stärken Ihrer Spritzgieß-Simulationssoftware und wo sehen Sie die Unterschiede zu bekannteren Produkten?

Will: Simpoe deckt den gesamten rheologischen Prozess ab – von der Füllung über den Nachdruck bis zum klassischen Verzug, inklusive einer realen 3D-Kühlung. Da gibt es keine Unterschiede zu den großen Wettbewerbern oder anderen Systemen. Das wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo die ambitionierten Werkzeugmacher sitzen, auch gefordert. Der große Unterschied liegt in der Einfachheit der Bedienung und in der Integration in die verschiedenen CAD-Module. Per Single-Window-Technologie muss der Konstrukteur sein SolidWorks oder Creo nicht verlassen, sondern er geht von der Konstruktion einfach in die Berechnung über. Dadurch haben wir keine Genauigkeitsverluste durch Hilfsformate wie STL, sondern wir arbeiten mit nativen CAD-Daten.

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CCR: Zur Fakuma und zur Euromold haben Sie nun neue Integrationen in Creo Elements/Pro und Solid Edge angekündigt? Welche anderen gibt es?

Will: Die SolidWorks-Integration ist fertig, dort haben wir einen Gold-Partner-Status, und zur Zeit arbeiten wir an einer Integration in Unigraphics beziehungsweise NX.

CCR: In welcher Weise profitiert der Anwender vom Einsatz Ihrer Software?

Will: Es geht darum, Fertigungsprobleme schon frühzeitig im Entwicklungsprozess aufzudecken, so lange noch kein Werkzeug vorhanden ist. Das ist viel billiger, als bis zu den ersten Abmusterungen zu warten und dann erst die Fehler zu entdecken. Mit Simpoe lässt sich ein normaler Nachbearbeitungsprozess im Werkzeugbau von drei bis fünf Zyklen auf zwei bis drei herunterdrücken. Damit kann man eine Menge Geld sparen. Auf Null lassen sich die Nachbearbeitungszyklen allerdings auch per Simulation nicht drücken − zaubern können wir nicht.

CCR: Wer sollte sich mit der Simpoe-Software auseinander setzen?

Will: Jeder, der mit der Gestaltung von Kunststoffteilen oder der Kunststoffverarbeitung zu tun hat. Die heutige Produktkomplexität macht es selbst alten Spritzmeistern fast unmöglich, vorherzusagen, ob sich ein Werkzeug richtig füllt oder nicht. Dazu kommt, dass heute sehr viele Produkte Designware sind und die Ansprüche steigen. Da dürfen keine Bindenähte sichtbar sein, keine Schlieren auf der Oberfläche. Einige Nachbehandlungen, wie etwa das Galvanisieren, legen diese Fehler des Herstellungsprozesses gnadenlos offen. Das lässt sich durch die Simulation größtenteils vermeiden.

CCR: Lohnt sich der Einsatz der Software, wenn ein Konstrukteur sie nur zwei, drei Mal im Jahr benutzt? Kann er sie dann richtig anwenden?

Will: Wir haben ein Produkt entwickelt, das eine große Klarheit aufweist. So kann auch jemand, der es nur selten einsetzt, intuitiv und einfach damit umgehen – ohne dass er sich jeweils neu schulen lassen muss. Das Programm leitet den Anwender quasi selbstständig zum nächsten Schritt. Zusätzlich gestalten wir die Handbücher so, dass selbst jemand ohne rheologische Kenntnisse erfolgreich eine Vernetzung durchführen oder Randbedingungen definieren kann. Die Ergebnisinterpretation erfordert dann natürlich Fachkenntnisse, die wir in unseren Schulungen und im Support vermitteln.

CCR: In welchem Rahmen bewegen sich die Lizenzgebühren?

Will: Sie starten bei 2.500 Euro für unser Startpaket, den Xplorer, und gehen rauf bis zu 30.000 Euro – diese Preisgestaltung verschafft uns vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, die dem Preis-Leistungs-Verhältnis die höchste Priorität in der Entscheidungsmatrix einräumen, einen Vorteil. Wie unsere Software ist auch unsere Preisstruktur ganz einfach. Wir wollen keine Angebotsliste, die an eine lange Pergamentrolle aus dem alten Ägypten erinnert und kundenspezifisch angepasst wird. Und wenn wir bei einer Beratung feststellen, dass es sinnvoller ist, einen Dienstleister heranzuziehen, dann sagen wir das auch klar und deutlich. Mit aller Gewalt Software zu verkaufen, macht keinen Sinn. Wir orientieren uns übrigens bewusst sehr an dem Geschäftsmodell von SolidWorks. Die haben in den neunziger Jahren einen guten Produktkern gehabt und alles andere objektorientiert hinzugekauft. So machen wir das auch. Auch was die Vertriebskanäle angeht ist SolidWorks mit seiner sehr flachen Struktur unser Vorbild. Bei Simpoe ist nur eine kleine Gruppe für Vertrieb und Support im deutschsprachigen Raum zuständig. Ansonsten arbeiten wir stark mit freien Resellern zusammen, wie Camtex oder jetzt neu auch der Pontor GmbH. So haben wir einen wesentlich kleineren Wasserkopf und können dadurch günstiger anbieten.

CCR: Ihre Software besteht aus vier aufeinander aufbauenden Bausteinen. Was kann welcher?

Will: Das Startpaket ist der Xplorer. Mit ihm kann man das Füllbild analysieren, Bindenähte oder Entlüftungspositionen erkennen und eine generelle Machbarkeit prüfen. Simpoe Engineer gibt zusätzlich Auskunft über Nachdrück- oder Restkühlzeiten. Damit lassen sich auch Zykluszeiten bewerten, die ja heute schon in der Angebotsphase eine große Rolle spielen. Wer auch noch den Verzug betrachten möchte, benötigt das Manufacturing-Modul und unser größtes Paket, das Tooling, bietet zusätzlich den Bereich 3D-Kühlung, egal ob Sie klassische Kühlbohrungen oder formnahe Kühlung einsetzen. Die Software wird übrigens immer komplett ausgeliefert. Über den Lizenzstring wird dann definiert, welche Funktionalitäten dem Kunden zur Verfügung stehen. Er kann dadurch auch ganz einfach mehr Funktionalitäten aktivieren, wenn er sie später doch benötigt.

CCR: Und der Result Adviser im Post-Processing nimmt den Kunden die Angst vor der Konfrontation mit den Ergebnissen?

Will: Ja, der führt Sie durch die Ergebnisse und weist auf Schwachstellen hin. Treten irgendwo im System zum Beispiel zu hohe Scherraten auf, öffnet sich ein Fenster, in dem gemäß dem Materialhersteller die Grenzwerte aufgeführt sind. Die maßgeblichen Ergebnisparameter werden hervorgehoben und auf Ursachen und Auswirkungen wird hingewiesen.

CCR: Zudem bieten Sie ein Add-on Tool Box an, das sich vor allem an Jungingenieure richtet?

Will: Gerade junge Anwender haben oft eine Software nachgefragt, mit deren Hilfe man Fehler diagnostizieren kann und Maßnahmen vorgeschlagen bekommt, diese Fehler zu beseitigen oder zu vermeiden. Auch können Sie für die Angebotsphase die Zykluszeit mit der Tool Box abschätzen, ohne das Modell bereits bearbeitet zu haben. Bei Präsentationen dieser Software sind alle Zuhörer meistens beeindruckt. Eigentlich wird die Toolbox immer mitgekauft.

CCR: Gibt es für Zulieferer bei der Simulation einen ähnlichen Systemzwang wie bei CAD-Systemen?

Will: Nein, das hat Porsche ganz deutlich gezeigt. Als Zulieferer muss man sich bei dem firmeneigenen Rheologiezentrum einmal vorstellen – und wenn die Ergebnisse stimmen, ist es völlig egal, mit welchem System man rechnet.

CCR: Wie viele Lizenzen haben Sie schon im Markt?

Will: Im deutschsprachigen Raum über 100. Durch Fakuma und Euromold schätze ich, dass wir relativ bald in Richtung 200, 250 kommen werden. Simpoe wird zudem auch weltweit vertrieben. Wir haben eigene Niederlassungen in Japan und Korea, Taiwan, China und seit letztem Jahr auch in den USA. Seit 2009 gehören beispielsweise auch ABB und der Automobilzulieferer Kummer zu unseren Kunden, seit letztem Jahr auch Hella.

CCR: Haben Sie als Simpoe Deutschland im französischen Mutterkonzern Einfluss auf die Weiterentwicklung der Software?

Will: Auf jeden Fall, da wir in Deutschland mit den höchsten Ansprüchen konfrontiert sind. Wir sind zudem auch mit Forschungsinstituten in Kontakt und haben etwa einige unserer Technologiebausteine von der Fraunhofer-Gesellschaft übernommen, da dort sehr gute Numeriker und Mathematiker sitzen. Da unsere Software objektorientiert aufgebaut ist, kann man die Einzelbausteine einfach adaptieren. Ob wir sie selbst weiter entwickeln oder am Markt vorhandene Technologien einbinden, wird dann jeweils separat geprüft. Wir wollen eigentlich immer das beste am Markt verfügbare System anbieten.

CCR: Herr Will, vielen Dank für das Gespräch.


Monika Corban,

freie Mitarbeiterin, CAD-CAM REPORT

Simpoe GmbH, Sottrum Tel. 04264/83799-0, http://www.simpoe.de

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