Software

„Fünf Technologien und sechs Wege zu starten“

In einer Datenbank speichert die WSCAD Suite zentral alle Informationen zu Elektro- und Fluidtechnik – und ermöglicht damit ein disziplinübergreifendes Engineering ohne Systembrüche. Über die im Herbst letzten Jahres vorgestellte Software, die gleichzeitig Nachfolger von WSCAD 5.5 und Elektrocad 9 ist, sprach der CAD-CAM REPORT mit Michael Widmann, Leiter Vertrieb & Marketing bei der WSCAD electronic GmbH in Bergkirchen.
Die WSCAD Suite ist eine komplette Neuentwicklung – und nun Unicode-fähig. Übersetzungen in beliebige Sprachen werden auf diese Weise möglich. (Bild: WSCAD)

CCR: Herr Widmann, die WSCAD Suite deckt fünf Technologiefelder ab und ermöglicht ein ganzheitliches Engineering. Wie bildet WSCAD das in der Software ab?

Widmann: Jede der fünf Technologien – von der Schaltplanerstellung in der Elektrotechnik sowie im Fluid-Bereich über die Schaltschrankplanung bis hin zur Elektroinstallationsplanung und Gebäudeautomation – arbeitet in der Regel eigenständig. Betrachtet man diese fünf aber beispielsweise in der Gesamtheit einer Anlage, so erkennt man klare und eindeutige Berührungspunkte der einzelnen Technologien untereinander – die vom Anwender verplanten Betriebsmittel, beispielsweise ein Kompressor mit Druckluft- und Elektroanschluss. Je nach Technologie gibt es Unterschiede nur in der grafischen Darstellung – Informationen wie Betriebsmittelkennzeichen, Artikeldaten oder Funktionstexte sind identisch. Auch die Dokumentenerstellung ist vergleichbar. Das war für uns der Grund, die Software mit einer gemeinsamen Oberfläche und Bedienung für alle fünf Technologiefelder zu erstellen, auf Basis einer zentralen Datenbank für die Engineering-Daten. Für jedes Betriebsmittel sind auf diese Weise nicht nur alle Daten stets online verfügbar, sondern eine Änderung – etwa des Funktionstextes –, wirkt sich sofort auf alle Technologien aus.

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CCR: Die Daten sind also jederzeit konsistent, Mehrfacheingaben als Fehlerquelle ausgeschlossen?

Widmann: Exakt. Noch wichtiger ist, dass auch das möglicherweise fehlerbehaftete Ex- und Importieren der Daten zwischen verschiedenen Spezial-CAD-Produkten entfällt. Ein weiterer Vorteil ist, dass dem Konstrukteur alle Informationen zur Verfügung stehen, er also jederzeit auch die Daten aus den Nachbardisziplinen einsehen kann. Das erleichtert die Zusammenarbeit im Unternehmen.

CCR: Damit können Sie dann mittelfristig auch das Systems Engineering unterstützen – also die aufeinander abgestimmte Entwicklung von Mechanik, Elektro- und Fluidtechnik sowie Software?

Widmann: Den ersten Schritt dahingehend haben wir getan. Denn mit der WSCAD Suite ist es möglich, an einer beliebigen Position zu beginnen. Wir bieten fünf Technologien und sechs Möglichkeiten, mit dem Engineering zu starten. Entweder startet der Anwender in einer der fünf Fachgebiete oder er füllt zunächst die zentrale Datenbank mit Informationen. Beginnt der Nutzer mit dem Engineering in einer der fünf Technologien, entspricht dies der herkömmlichen Vorgehensweise; füllt er zunächst die zentrale Datenbank, so projektiert er – ohne zunächst zu konstruieren. Da wir allerdings nicht alle Aufgaben mit unserer Lösung abdecken können – etwa die Programmierung von Software, welche in einem komplexen System benötigt wird –, ist der nächste Schritt, bidirektionale Schnittstellen zu schaffen. Durch die zentrale Datenhaltung der von uns abgedeckten Technologien sind wir in der Lage, Daten zur Weiterverarbeitung für ein beliebiges System zur Verfügung zu stellen.

CCR: In ähnlicher Weise lässt sich dann auch die Mechanik-Entwicklung ankoppeln?

Widmann: Die Grundlage ist mit der zentralen Datenbank geschaffen – wir sind hier offen in alle Richtungen. Für einen optimalen Workflow stellen wir zudem bereits verschiedene Schnittstellen zur Verfügung. Aktuell ist ein Datenexport zu den CNC-Automaten der Firmen Steinhauer und Kiesling implementiert – interessant für den Schaltschrank-Aufbau –, darüber hinaus erleichtern Schnittstellen zur Kabelkonfektion von CadCabel und Steinhauer den Fertigungsprozess.

CCR: Inwieweit nutzt die WSCAD Suite Programmcode der Vorgänger WSCAD 5.5 und Elektrocad 9?

Widmann: Die Suite ist eine komplette Neuentwicklung – wir sind nun Unicode-fähig und haben die Gelegenheit genutzt, uns von ‚Altlasten‘ zu trennen. Damit haben wir zudem eine wesentlich breitere Basis geschaffen, uns zukünftig an andere Systeme andocken zu können – nicht zuletzt hinsichtlich der Programmierschnittstellen. Ein Plus für den Anwender ist übrigens, dass wir auch hinsichtlich der Bedienung wesentlich mehr Standardabläufe nutzen – die Bedienung ist einfacher geworden, was uns auch unsere Kunden bestätigen. Sorgen bezüglich der Altdatenübernahme muss sich aber keiner machen: Schaltpläne, Bibliotheken oder Stammdaten lassen sich übernehmen.

CCR: Müssen denn Anwender von WSCAD 5.5 und Elektrocad 9 jetzt zur Suite wechseln?

Widmann: Die Suite löst beide Produkte ab – aber wir pflegen beide natürlich noch weiter. Unsere Kunden können zudem im Rahmen eines normalen Updates zur WSCAD Suite wechseln. Sie erhalten dann den gleichen Leistungsumfang wie zuvor, denn die Suite ist ja modular aufgebaut. Die fünf Module – entsprechend den fünf Technologien – lassen sich individuell nutzen und bündeln, entsprechende Varianten bieten wir auch Neukunden zum Kauf an. Zur Hannover Messe stellen wir zudem WSCAD Cabinet Engineering als Einzelplatzsystem vor. Interessant sind übrigens auch Änderungen beim Lizensierungsmodell der Suite bezüglich der Floating-Lizenzen: Der Kunde kann künftig einen Arbeitsplatz aus dem Netzwerk lösen – wenn er beispielsweise zum Kunden fährt. Sollte der USB-Stick mit der Lizenz verloren gehen, ist das aber kein Beinbruch: Vier Wochen nach dem Auslösen wird die Lizenz automatisch wieder im Netzwerk aktiviert – und ist damit wieder verfügbar.

CCR: Welche Rolle spielt bei WSCAD der Bereich Services?

Widmann: Viele sehen uns als reinen Software-Hersteller, aber wir bieten auch Services an. Wir verstehen uns als Lösungsanbieter für die Dokumentationserstellung und bieten dem Kunden mit unserer CAD-Software, den über Deutschland verteilten Trainingszentren – keines ist weiter als 200 Kilometer entfernt – und der umfangreichen Servicepalette eine Komplettlösung im Engineering. Neben der Projektbegleitung digitalisieren wir auch vorhandene Pläne aus Fremdsystemen, so dass der Kunde diese ohne Datenverlust intelligent weiterbearbeiten kann.

CCR: Herr Widmann, vielen Dank für das Gespräch.


Interview: Michael Corban, CAD-CAM REPORT

WSCAD electronic GmbH, Bergkirchen Tel. 08131/3627-0, http://www.wscad.com Hannover Messe: Halle 7, Stand F28

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