Software

„Ein Durchbruch für die Blechbearbeitungsindustrie“

Die Autoform Engineering GmbH, spezialisiert auf Softwarelösungen für die Blechumformung, stellte jüngst die neuste Version Autoform plus R4 vor. Die Entwicklung der Software folgte der Vision eines Systems der ganzheitlichen digitalen Prozessplanung. Es soll den Anwender dazu befähigen, alle Planungsaspekte des Blechteils wie Funktion, Qualität, Durchlaufzeit und Kosten zu quantifizieren und zu evaluieren. Der PLM IT Report sprach mit CEO Dr. Waldemar Kubli und Marketing Direktor Dr. Markus Thomma über das bislang größte Entwicklungsprojekt von Autoform Engineering.



PLM IT Report: Ihr Software-Angebot reicht weit über die Simulation hinaus...


Thomma: Richtig – es geht heute nicht mehr rein um die Prozesssimulation und die Schlüsse, die man daraus zieht, die im Wesentlichen auf die Kriterien Machbarkeit und Qualität Antwort geben. Mit einher geht die ganze Kostenproblematik: In diesem Zuge berechnen wir, was ein Blechteil in der Produktion kostet. Unsere Software gibt aber auch darüber Auskunft, was zum Beispiel die Herstellung eines Werkzeugs kostet. Auf dieser Basis decken wir nicht nur die Simulation, sondern weit mehr ab. Der Einsatz unserer Software begrenzt sich nicht mehr nur auf die Methodenplanung, sondern ist heute auch möglich in der Blechteilentwicklung, in der Planung, im Werkzeugbau und im Tryout. Einzelne Kunden setzen unsere Software auch im Presswerk ein, um dort die laufende Produktion ständig zu verbessern.

Anzeige


PLM IT Report: Ihre Software Autoform plus R4 folgt der Vision eines Systems der ganzheitlichen digitalen Prozessplanung. Was können wir uns darunter vorstellen?


Kubli: Bereits die Entwicklung des ersten Software-Releases folgte der Vision eines Systems der ganzheitlichen digitalen Prozessplanung. Dieses erlaubt den Anwendern alle Planungsaspekte des Blechteils wie Funktion, Qualität, Durchlaufzeit und Kosten zu quantifizieren und zu evaluieren. Damit wird die Software quasi zum Cockpit, um Entscheidungen hinsichtlich der Auslegung des Umformprozesses zu treffen – dies unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte. Die absolut neu und ergonomisch konzipierte Benutzeroberfläche integriert diese Aspekte und ermöglicht den Anwendern einen neuen Grad an Wettbewerbsfähigkeit.


PLM IT Report: Sie rücken mit diesem Produkt nach eigener Aussage die gesamte Prozesskette in den Vordergrund. Was war der Auslöser?


Kubli: Die Bedürfnisse unserer Kunden. Es zeigte sich, dass es nicht reicht, sich nur auf einen Aspekt zu konzentrieren. Die Systeme und die Anforderungen sind mehrdimensional. Dementsprechend muss auch ein Hilfsmittel wie unsere Software diese Mehrdimensionalität aufnehmen und Antworten zu ganz unterschiedlichen Fragestellungen liefern können. Wenn man sich die Prozesskette anschaut, dann spielen diese Fragen ständig eine Rolle. Was sich verändert ist die Gewichtung. In der frühen Phase liegt der Fokus mehr auf der Funktion eines Bauteils, in der Planungsphase macht man sich verstärkt Gedanken über die Kosten, und später dann, in der Umsetzungsphase, gewinnen qualitative Aspekte an Bedeutung.


PLM IT Report: Was sind die Highlights? Wo sehen Sie den größten Nutzen?


Thomma: Autoform plus R4 erlaubt eine vollständige, quantitative Analyse der Bauteilstückkosten, da sich der finanzielle Aufwand für Material, Produktion und Werkzeuge zu jedem Zeitpunkt des Planungsprozesses bestimmen lässt. Darüber hinaus lassen sich Simulationsresultate noch schneller und einfacher als je zuvor interpretieren. Die halbautomatische Identifikation von so genannten Issues erleichtert und beschleunigt zudem das Erkennen von möglichen Umformproblemen, ihre Art und Lage. Außerdem zeichnet sich Autoform plus R4 durch die komplette Integration von Autoform-Sigma aus. Dies ermöglicht den Ingenieuren, Umformprobleme systematisch zu lösen und den Umformprozess zu verbessern.


PLM IT Report: Welche Vorteile hat der Anwender hiervon?


Kubli: Die von Grund auf neu entwickelte, dem aktuellen Stand der Technik entsprechende Benutzeroberfläche hat nicht nur ein komplett frisches Erscheinungsbild, sondern steigert auch die Produktivität und unterstützt bestmöglich die Benutzerergonomie sowie die ganzheitliche digitale Prozessplanung. Die Autoform plus-Benutzeroberfläche ist zudem eine vollkommen native Windows Anwendung. Dadurch ermöglichen wir unseren Kunden, in ihrer gewohnten IT-Umgebung zu arbeiten und ihre administrativen Betriebskosten zu senken. Die Version bietet lückenlose, schrittweise Funktionalitäten, um einen konsistenten und wiederholbaren Arbeitsablauf entlang der gesamten Prozesskette der Blechumformung sicherzustellen.


PLM IT Report: Wie waren die Reaktionen Ihrer Zielgruppen bei den bereits durchgeführten Präsentationen?


Thomma: Wir haben die Software im ersten Schritt in 16 verschiedenen Ländern im Rahmen von 32 speziell vorbereiteten Anlässen rund um den Globus vorgestellt. Dabei konnten sich unsere Kunden persönlich vom Potenzial der neuen Version überzeugen und die Bedeutung für ihren Arbeitsalltag abschätzen. Die positiven Reaktionen bestätigen uns, dass unsere Software sowohl als Industriestandard anerkannt ist, als auch dass die Implementierung der Software zu signifikanten Produktivitätssteigerungen in der Blechumformindustrie führt.


PLM IT Report: Autoform plus R4 ist Ihr bisher größtes Projekt in der Software-Entwicklung. Welche Produkt-Neuheiten haben Sie noch in der Pipeline?


Kubli: Wir starteten das Projekt bereits 2006 mit einem kleinen Kern-Team, das Grundsatzentscheidungen über die zukünftige Software-Architektur getroffen hat. Ab 2008 ist das Team von Jahr zu Jahr massiv gewachsen. Letztlich sind in das Projekt über 150 Mannjahre eingeflossen – eine Riesen-Investition für eine Firma unserer Größe. Parallel haben wir auch ein neues Softwaremodul, Autoform-Process Designer for Catia lanciert. Dieser ist ein Bestandteil von Autoform plus R4, voll in Catia integriert und erlaubt dem Wirkflächenkonstrukteur sehr schnell Flächen in CAD-Qualität zu erstellen. In Kürze bringen wir eine neue Version von Autoform-One Step for Catia auf den Markt. Im Vergleich zur bisherigen Version haben wir darin insbesondere die Nesting-Funktionalität wesentlich erweitert. Zurzeit arbeiten wir natürlich auch an der Version R5.


PLM IT Report: Autoform ist spezialisiert auf Simulationssoftware für die Blechumformung. Wo sehen Sie innerhalb Ihres Wettbewerbsumfelds Ihre Vorteile?


Thomma: Mit Blick auf die Benutzer sind hier sicherlich die Bedienfreundlichkeit und Effizienz zuallererst zu nennen. Die Geschwindigkeit der Berechnung und die Genauigkeit der Resultate sind weitere Vorteile der Autoform-Software. Ein weiterer Faktor sind die „Total-Cost-of-Ownership“, also was kostet mich der Einsatz der Autoform-Produkte hinsichtlich Software, Hardware, Manpower, der Qualifikation und dem Schulungsaufwand der Benutzer – auch hier sehen wir uns führend. Ein wichtiger Punkt ist zudem die Ganzheitlichkeit unseres Systems, welches es dem Benutzer erlaubt, den Fokus nicht nur auf den Qualitätsaspekt der herzustellenden Blechteile zu legen, sondern auch die Dimensionen Kosten, Bauteilfunktion sowie Zeiten generell zu berücksichtigen.


PLM IT Report: Sie geben an, auch Planungsaspekte wie Durchlaufzeit und Kosten evaluieren zu können. Kann eine Software wirklich in der Lage sein, solche Aspekte präzise zu simulieren – neben den rein technischen Fragestellungen?


Thomma: Die Frage ist, wie man „präzise“ definiert. Eine Simulation per se ist nur so präzise wie das Modell, das dahinter steckt. Egal, ob man den Prozess oder die Qualität simulieren oder Aussagen zu den Kosten machen möchte – letztendlich steckt immer ein Modell dahinter, und die Aussagen werden nur so gut wie das Modell. Wir sind diesbezüglich aber auf einem sehr guten Weg. Zumal es auch immer eine Frage der Alternativen ist: Wenn ich heute zum Teil übliche Kostenkalkulationen sehe, nicht selten basierend auf Informationen aus persönlichen Notizbüchlein, dann ist unser Ansatz sicherlich der wesentlich bessere. Denn er nimmt als Basis die Geometrie eines herzustellenden Bauteils und leitet von den automatisch identifizierten Geometriemerkmalen systematisch Kosten ab. Diese lassen sich dann auch jederzeit reproduzieren.


PLM IT Report: Welche neuen Produkte und Weiterentwicklungen stehen in absehbarer Zeit an?


Kubli: Wir sehen vor allem folgende vier Trends respektive Anforderungen: Zum einen die Genauigkeit, die ein wichtiges Bestreben in der Industrie darstellt. Zweitens die Datendurchgängigkeit – am besten als eine integrierte Software-Lösung, ohne unnötige, die Arbeit erschwerende Schnittstellen. Im Weiteren werden Standards immer wichtiger – nicht nur in der Konstruktion, sondern auch im Engineering; und zwar sollen Standards auch möglichst einfach gelebt werden können im Geschäftsverhältnis Kunde-Lieferant. Und schließlich Funktion: Software muss den neuen Anforderungen der Industrie gerecht werden und rein funktional das Anforderungsspektrum abdecken können. -sg-


Autoform Engineering Deutschland GmbH, Dortmund, Tel. 0231/9742-320, http://www.autoform.de

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Simulation

FluiDyna stärkt Altair

Altair hat die in Deutschland ansässige FluiDyna GmbH, ein auf NVIDIA CUDA und GPU-basierende Strömungsmechanik und numerische Simulation spezialisiertes Unternehmen, übernommen.

mehr...
Anzeige

IT-Solutions

Vereinfachter Konstruktionsprozess

Das neue Engineeringtool von Item ist intuitiv zu bedienen und vereinfacht den Konstruktionsprozess im Maschinen- und Betriebsmittelbau. Die Software unterstützt Anwender dabei von der 3D-Konstruktion über den CAD-Entwurf, die Montageanleitung und...

mehr...

Autonomes Fahren

Neue Simulationslösung von Siemens

Siemens hat auf dem Siemens U.S. Innovation Day in Chicago eine wegweisende Lösung für die Entwicklung autonomer Fahrzeuge angekündigt. Als Teil des Simcenter-Portfolios verringert die neue Lösung nicht nur den Bedarf an umfangreichen physikalischen...

mehr...

IT-Solutions

Entwicklertools für WMR und HoloLens

Mit der Freigabe des SPP Unitypackag rundet CAD Software Solutions das Spare Parts Place Toolkit ab. Somit steht das schlanke und hochperformante SPP Dateiformat auch Entwicklern für HoloLens und WMR-Apps (Windows Mixed Reality) offen.

mehr...

IT-Solutions

Topologieoptimierung trifft KI

Berechnung und Simulation in unmittelbarer Reichweite des Konstrukteurs, diesen Trend hin zu tief integrierten CAD-CAE-Prozessketten unterstützt Dassault Systèmes Solidworks und DPS Software bereits seit Jahren.

mehr...

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem SCOPE Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite