Verbundprojekt „Smarte Dienstleistungs-Fabrik“

Big Data unternehmensübergreifend nutzbar machen

Riesige Datenmengen werden täglich in Unternehmen produziert – und die Menge wächst weiter und weiter. Das Verbundprojekt „Smarte Dienstleistungs-Fabrik“ hat das Ziel, diese Masse der Daten sicher und transparent einzusetzen und über Unternehmensgrenzen hinweg nachhaltig zu nutzen.

Stefan Müller, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung (links), übergab den Zuwendungsbescheid zum Förderprojekt "Smarte Dienstleistungs-Fabrik" an Prof. Dr.-Ing. Peter Gutzmer, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands und Vorstand Technologie Schaeffler AG (rechts), und Schaeffler-Ingenieur Dr. Dennis Arnhold (Mitte) aus dem Projektteam

Schaeffler ist dabei Projektpartner zusammen mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS mit seiner in Nürnberg ansässigen Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS als Partner, und Siemens. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert mit diesem Projekt im Rahmen des Forschungsprogramms „Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen“ die Entwicklung digitaler Dienstleistungen und Geschäftsmodelle aus Daten der industriellen Produktion.

Stefan Müller, Bundestagsabgeordneter für Erlangen und Erlangen-Höchstadt sowie Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, übergab den Zuwendungsbescheid an das Schaeffler-Projektteam. „Mit dem Projekt möchten wir zum intelligenten Umgang mit großen und oft heterogenen Datenmengen beitragen und der Wirtschaft dadurch neue Möglichkeiten bieten. Wir freuen uns, dass sich Schaeffler als globaler Technologiekonzern an dem Projekt beteiligt“, sagte Müller.

Prof. Dr.-Ing. Peter Gutzmer, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands und Vorstand Technologie der Schaeffler AG, sieht in der zunehmenden Digitalisierung von Produkten und Prozessen einen zentralen Technologietrend. „Unsere Mitarbeit in diesem Projekt bietet die große Chance, in einem frühen Stadium mit kompetenten Schlüsselpartnern die Digitalisierung und Vernetzung von Produkt, Maschine, Produktionssystem und Informations-Technologie weiter voranzutreiben, um so unseren technologischen Führungsanspruch zu behaupten.“

Industrielle Werkzeuge, Werkzeugmaschinen und Produktionsanlagen, ebenso wie zahlreiche im Produktionsprozess entstehende Werkstücke sowie Produktions- und Dienstleistungs­prozesse mit Anbindung an entsprechende Informationssysteme erzeugen bereits heute kontinuierlich große Datenmengen. In sogenannten „Data Clouds“ werden diese Daten bei den Unternehmen gesammelt und gebündelt. Das Problem ist, dass ein Datenaustausch zwischen produzierenden Unternehmen, Maschinenherstellern oder Logistikern für eine Dienstleistungsentwicklung an einem einfachen und sicheren Vorgehen scheitert. Abhilfe soll die „Smarte Dienstleistungs-Fabrik“ schaffen, die alle erlangten Kenntnisse in der Cloud sicher und kundengerecht zur Verfügung stellt. Ziel der Smarten Dienstleistungs-Fabrik ist es, produktionsnah neue Innovationen, Produktideen und insbesondere Dienstleistungen zu generieren und diese gemeinsam produktiv und professionell zu gestalten. So könnte beispielsweise ein Instandhaltungs-Unternehmen das Produktwissen über Maschinenkomponenten von Schaeffler in verschlüsselter Form erwerben, beziehungsweise bei jeder Verwendung dafür bezahlen. Dieses Wissen wird dann mit weiteren Erkenntnissen anderer Komponentenhersteller zur vorausschauenden Instandhaltung für eine komplette Maschine angeboten.

Schaeffler-Ingenieur Dr. Dennis Arnhold aus dem Bereich Produktionsprozesse Digitale Fabrik: „Daten sind ‚das neue Gold‘. Wie man es schürft und es nachhaltig verwendet, ist noch nicht klar, insbesondere wenn die Daten unternehmensübergreifend genutzt werden sollen. Mit dem neuen Projekt wollen wir Standards und Methoden dazu erarbeiten. Zudem soll ermittelt werden, welcher Wert aus den gewonnenen Daten geschaffen werden kann. Eine sichere und transparente Nutzung der wertvollen Daten muss dabei aber immer gewährleistet werden.“

Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sollen davon profitieren, denn oft fehlt hier das nötige Know-how. Vorteile aus den im Projekt entstandenen Entwicklungen und Anwendungen ziehen Softwarehäuser, Wartungsfirmen oder auch Unternehmen wie Schaeffler, die diese Daten und darauf basierende Dienstleistungen nutzen, um unter anderem ihre Produktqualität noch weiter zu verbessern.

Auch für Oliver Jung, Schaeffler-Vorstand Produktion, Logistik und Einkauf, hat das Projekt eine hohe Bedeutung. Unter dem Stichwort Industrie 4.0 müsse auch Schaeffler auf Veränderungen in der Prozesslandschaft reagieren. Die großen Datenmengen, die in der Produktion erzeugt werden – wie Qualitätsdaten oder Logistik-Bewegungsdaten – gilt es sinnvoll einzusetzen. Mit einer vorbeugenden Instandhaltung kann beispielsweise auf Maschinenstillstände frühzeitig mit Maßnahmen reagiert werden.

Das Projekt unter Leitung von Prof. Dr. Kathrin Möslein (FAU) wird vom BMBF über eine Laufzeit von vier Jahren mit rund 1,6 Millionen Euro gefördert und startete im August 2015.

Schaeffler ist momentan an 27 öffentlich geförderten Forschungsprojekten beteiligt, 21 davon in Deutschland. Für das Unternehmen, das derzeit auf Platz zwei in der Statistik der Patentanmeldungen in Deutschland rangiert, ist Forschung und Entwicklung Zukunftsarbeit und -sicherung. kf

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