Der CFO in Zeiten der digitalen Transformation

Andreas Mühlbauer,

Interview: Quo vadis, CFO?

Die digitale Transformation beeinflusst vieles – auch die Rolle eines CFO. Doch was ändert sich konkret für den Chief Financial Officer – den Finanzchef eines Unternehmens? Wohin geht die Reise? Und wie können CFOs die Entwicklung steuern? Andreas Mühlbauer sprach darüber mit Heino Erdmann, Commercial Finance Director Central Europe der Sage Group plc und Geschäftsführer der Sage GmbH.
Die digitale Transformation beeinflusst vieles – auch die Rolle eines CFO. © Sage

Herr Erdmann, wie haben sich Ihre Aufgaben verändert und was steht künftig ganz oben auf der Agenda des CFO?

Laut einer Studie von PwC sind 86 Prozent der CFOs überzeugt, dass sie 2025 den größten Wertbeitrag durch die datengestützte strategische Beratung der Geschäftsführung erbringen werden. Diese Einschätzung deckt sich mit dem, was ich in meiner Tätigkeit erlebe und was mir Kollegen aus anderen Unternehmen sagen. Neben Handlungsempfehlungen auf Basis von verfeinerten Datenanalysen gewinnt auch das Management der Qualität von Produkten und Prozessen an Bedeutung. Insgesamt greifen wir CFOs stärker in die Unternehmenssteuerung ein.

Welche sind die wichtigsten Ursachen für den Wandel der Rolle des CFO?

Generell sind es die gleichen Veränderungen, die Unternehmen insgesamt betreffen: Das Aufkommen kognitiver Technologien beziehungsweise künstlicher Intelligenz ist dabei genauso wichtig wie veränderte Kundenbedürfnisse. Gleichzeitig tauchen neue Wettbewerber auf, die teilweise aus ganz anderen Märkten kommen. Außerdem spielen Daten eine immer größere Rolle für den Wert von Unternehmen. All diese Herausforderungen müssen aus mehreren Perspektiven reflektiert werden. Der CEO braucht dazu den CFO als „Sparrings-Partner“ bei der Entscheidungsfindung.

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Welche Anforderungen ergeben sich aus diesen Veränderungen für den CFO?

Mehr als für alle anderen Entscheider steigt der Kosten- und Effizienzdruck. Wer mit der technologischen Entwicklung Schritt halten will, muss investieren. Der CFO soll die Spielräume dafür schaffen. Damit das schneller und effizienter funktioniert, muss er seine klassischen Verantwortungsbereiche Buchhaltung und Controlling zügig digitalisieren. Außerdem soll er den digitalen Wandel des Unternehmens insgesamt mitgestalten.

Wie können CFOs den Spagat meistern, bestehende Aufgaben zu erfüllen und neue mitzugestalten?

Die gute Nachricht hier lautet: Die Digitalisierung, die einerseits zu den Auslösern dieser Entwicklung gehört, liefert uns andererseits die Mittel, sie zu steuern. Es kommt nur darauf an, dass wir unsere digitalen Möglichkeiten erkennen und nutzen. So können wir etwa das Berichtswesen automatisieren. Forecasts auf Basis von KI aktualisieren sich nicht nur selbst, sondern sie gewinnen mit zunehmender Datenmenge an Genauigkeit, weil sie selbstlernende Algorithmen benutzen. Außerdem lassen sich durch konsequente Automatisierung vorhandene Effizienzpotenziale aufdecken, weil Technologien wie Robotic Process Automation ein permanentes Monitoring sämtlicher Abläufe beinhalten.

Und natürlich muss der CFO weiter delegieren. Eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielen personelle Ressourcen, die mit den neuen Technologien vertraut sind. Sicherheit in der Anwendung von KI oder cloudbasierten Tools zum Beispiel ist ein Thema, das hoch spezialisierte Mitarbeiter oder externe Dienstleister erfordert.

Welche konkreten Verbesserungen bieten neue Technologien?

Lassen Sie mich hier drei kurze Beispiele nennen, die heute schon verfügbar sind. Erstens: Cloud-Computing vereinfacht den Aufbau und die Verwaltung der IT-Infrastrukturen. Neue Ressourcen stehen nicht nur schneller bereit, sie sind auch noch kostengünstiger und sicherer als im herkömmlichen On-Premise-Modell. Zweitens: Analytics hilft, Bedarfe zu konkretisieren und die Vielzahl der täglichen Anforderungen an den CFO und sein Team zu priorisieren. Das erhöht die Produktivität.

Und drittens: Die Automatisierung von Routineaufgaben setzt – auch beim CFO selbst – Kapazität frei, die für das Kerngeschäft und neue Aufgaben erforderlich sind.

Welche Hindernisse gilt es zu meistern und wie kann dies gelingen?

Die größte Hürde liegt in dem enormen Zeitdruck, unter dem die Unternehmen insgesamt stehen. Hinzu kommt, dass die bereits genannten Technologien zur Automatisierung und Datenanalyse noch zu wenig genutzt werden. Unternehmen investieren zu viel in bestehende Strukturen und Prozesse und zu wenig in den digitalen Wandel.

Um das zu ändern, muss der CFO zuallererst ein klares Profil des Finanzbereichs entwerfen. Das kann beispielsweise mit klar definierten Zielen zum Automatisierungsgrad operativer Tätigkeiten beginnen. Außerdem müssen wir uns von festgefahrenen Unternehmensstrukturen und Rollen verabschieden – wie etwa der des Buchhalters. Die Finanzbuchhaltung eines typischen mittelständischen Unternehmens ließe sich schon heute komplett automatisieren. Die Technologie dafür ist vorhanden. Aber auch wenn der CFO zunächst nur 30 Prozent der Abläufe im Rechnungswesen automatisiert, wird er zum Vorreiter des Change-Managements im Sinne der digitalen Transformation.

Wenn der Change-Prozess einmal läuft, hat der CFO auch den Freiraum, den er für seine neuen Aufgaben braucht. Um diesen Freiraum effektiv zu nutzen, bieten sich digitale Planungsansätze und Tools an. Predictive Analytics, Process-Mining und Prescriptive-Analytics sind Verfahren, die auf die kontinuierliche Verbesserung der Prozesse ausgerichtet sind. Es liegt in der Verantwortung des CFO, sie konsequent zu nutzen und damit die Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens nachhaltig zu erhöhen. Natürlich braucht es eine enge Zusammenarbeit mit CTO und CIO. Und auch die funktioniert besser, wenn der CFO dank moderner Technologie schnell zuverlässige Analysen präsentieren und erklären kann.

Herr Erdmann, wie nehmen Sie selbst den Wandel der CFO-Rolle wahr?

Als CFO eines Technologieunternehmens bin ich mit diesen Veränderungen natürlich schon länger konfrontiert. Alles, was ich über die neuen Herausforderungen gesagt habe, erlebe ich selbst auch – ebenso wie die positiven Auswirkungen digitaler Prozesse. Und ich freue mich, als CFO die Zukunft des Unternehmens Sage mitzugestalten.

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