Branchentool oder Standardplattform?

Produktionsprozesse und Supply-Chains softwaregestützt optimieren

Wie lässt sich die Produktion effizienter gestalten? Über welche Wege erzielen wir die kostengünstigste Supply Chain? Diese Frage muss sich jedes Fertigungsunternehmen immer wieder aufs Neue stellen. Es gilt: Ob mit branchenspezifischen Spezialtools oder über offene Plattformen – die Entscheidung bemisst sich an der Komplexität der Anforderungen.

Gerade wenn es um branchenübliche Aufgaben geht, stehen oft bereits fertig ausgearbeitete Softwaresysteme zur Verfügung. Daneben besteht die Möglichkeit, sich über Standardplattformen eine eigene, maßgeschneiderte Lösung zusammenzustellen. Doch wann ist welche Wahl die bessere?

Branchenspezifische Spezialtools

Auf dem Markt gibt es eine ganze Reihe branchenspezifischer fertiger Softwaretools zur Produktionsoptimierung und Ermittlung kostengünstigster Supply Chains. Dank vorgefertigter Tabellen ist die Einarbeitungszeit hier extrem kurz, so dass in kurzer Zeit bereits die ersten Lösungsvorschläge berechnet werden können. Diese lassen sich dann untersuchen und anpassen. So gelangt man zu immer genaueren und realistischeren Produktions- und Transportplanungen.

Vorteil solcher Tools ist die geringe Einarbeitungszeit. In der Regel ist bereits jahrelange Erfahrung darüber eingeflossen, was ein Benutzer tatsächlich benötigt und wie diese Daten am besten dargestellt werden. Die Kehrseite der Medaille: Es handelt sich bei diesen Softwaretools zumeist um geschlossene Systeme. Individuelle Anpassungen sind daher nur in einem begrenzten Rahmen möglich.

Anzeige

Standardplattformen für Optimierungslösungen

Neben fertigen Branchentools bietet sich als Alternative die Nutzung einer Plattform an, auf deren Basis man maßgeschneiderte Optimierungslösungen für die eigene Problemstellung entwickeln kann. Diese können unterschiedliche Fragestellungen untersuchen wie z.B. Transportrouten-, Produktions- oder Warenlageroptimierung. Dazu werden individuell entwickelte mathematische Modelle benötigt, die von erfahrenen Mathematikern erstellt werden. Ein integrierter Rechenkern dient der Lösung der modellierten Fragestellung. Schnittstellen zwischen der bestehenden IT-Umgebung und dem Optimierungstool sorgen dafür, dass sowohl die Eingabedaten als auch der vom Tool ermittelte Lösungsvorschlag, welche fachlichen Entscheidungen aus mathematischer Sicht getroffen werden sollten, sinnvoll weiterverarbeitet werden können – entweder im Hintergrund, beispielsweise mit Hilfe von Datenbanken und Webservices, oder mit Hilfe einer grafischen Oberfläche, die der Benutzer manuell bedienen und somit direkt Einfluss auf die Daten nehmen kann. Auch für solche grafischen Oberflächen stehen Standardmittel für Tabellen und Grafiken bereit. Weitere Anforderungen können u.a. durch selbst entwickelten Code ergänzt werden.

Hierdurch kann auf jede noch so einzigartige Fragestellung eingegangen werden. Es ist ein offenes System, Anpassungen am Modell sind dabei jederzeit möglich. Allerdings muss ein Unternehmen dafür das komplette mathematische Modell zunächst entwickeln. Ein einfaches Installieren und Loslegen ist hier nicht so ohne weiteres möglich und die Entwicklungszeit daher deutlich länger als bei branchenspezifischen Spezialtools.

Welche Wahl ist die richtige?

In vielen Fällen ist tatsächlich das Branchentool mit seinen vorgefertigten Möglichkeiten die bessere Wahl. Die Anschaffungskosten sind meist höher, aber man spart sich den Entwicklungsaufwand und sieht bereits im Vorfeld, wie das Tool aussieht und wie man es bedienen kann – gerade für fachliche Nutzer ein nicht zu unterschätzender Aspekt.

Je komplexer die Anforderungen allerdings werden, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass diese nicht mehr komplett vom Branchentool abgedeckt werden können. Dies muss zunächst noch kein KO-Kriterium sein: Oft kann man die Anforderungen durch weitere Tabellen abdecken, die ebenfalls schon im Tool enthalten sind, aber ursprünglich für andere Zwecke gedacht waren. Damit steigt allerdings der Schulungsaufwand, die Bedienung ist nicht mehr so intuitiv wie zu Beginn. Irgendwann kann es geschehen, dass man auch mit diesem Trick nicht mehr weiterkommt, und sich entscheiden muss, ob eine neue Anforderung mit berücksichtigt werden muss oder ob sie nur ein netter Zusatz wäre.

Spätestens hier lohnt es sich, über eine Lösung mit Hilfe der Standardplattform nachzudenken. Natürlich benötigt sie am Anfang einen höheren Entwicklungsaufwand, sorgt damit aber dafür, dass das Tool am Ende genau so funktioniert wie gewünscht und dabei gleichzeitig intuitiv zu bedienen ist – möglicherweise sogar intuitiver als eine Branchenlösung, da nur genau die Datenfelder enthalten sind, die auch wirklich benötigt werden. Solche Standardplattformen unterscheiden sich dabei von einer kompletten Eigenentwicklung dadurch, dass man hier eher konfigurieren muss und sich der reine Programmieraufwand in Grenzen hält. Beispielsweise muss man einem mathematischen Modell nur beibringen, wie die einzelnen KPI zueinander in Verbindung stehen und wie sie berechnet werden. Einen eigenen Algorithmus, wie man dann an die beste Lösung gelangt, muss man hingegen nicht selbst programmieren, dieser ist Teil der Plattform. Auch die Tabellen und grafische Auswertungen sind bei Standardanforderungen mit wenigen Mausklicks einzustellen, sodass das neue Tool sich einfach an die eigenen Anforderungen anpassen lässt.

Auch Kombinationen sind zwischen beiden Ansätzen sind möglich wie etwa mit der Lösung XPO der X-INTEGRATE. Sie baut auf einer Standardplattform auf (IBM Decision Optimization Center), beinhaltet aber bereits viele Funktionen, die später im Betrieb benötigt werden. Somit bieten sie einen schnellen Einstieg und ermöglichen gleichzeitig, das Tool an spezielle Bedürfnisse anzupassen. Marc Arnoldussen, Optimization & SCM Engineer bei X-INTEGRATE/kf

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Software

Lantek und HSG Laser kooperieren weltweit

Lantek und die HSG Laser Group haben einen weltweiten Kooperationsvertrag unterschrieben. Das chinesische Unternehmen wird Software von Lantek in seine High-End-Faserlaser-Schneidmaschinen integrieren, eine Unternehmenssparte mit dem größten...

mehr...

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem SCOPE Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite