Internet of Things

Andreas Mühlbauer,

Vier Regeln, die Sie bei IoT-Projekten beachten sollten

Viele Unternehmen zögern noch bei der Umsetzung von IoT-Projekten. Sie verrennen sich in technischen Überlegungen, statt sich auf das zu fokussieren, worauf es eigentlich ankommt: Mit angemessenem Aufwand schnell einen wirtschaftlichen Nutzen zu erzielen. Mehr Mut ist gefragt. Die folgenden vier Tipps helfen dabei.

1. Proof of Value: Nach dem betriebswirtschaftlichen Nutzwert fragen

Viele Unternehmen zögern noch bei der Umsetzung von IoT-Projekten - doch Mut ist gefragt. © Pixabay

Unternehmen beginnen ein IoT-Projekt häufig mit einem "Proof of Concept", um die technische Machbarkeit zu prüfen. Was sie dabei verkennen: Die Basistechnologie ist heute so weit fortgeschritten, dass sie kein limitierender Faktor mehr ist. Man braucht sich darüber gar nicht so sehr den Kopf zu zerbrechen.

Viel wichtiger ist die Frage, welchen betriebswirtschaftlichen Nutzen ein IoT-Projekt bringt. Deshalb sollte in einem kontrollierbaren produktiven Umfeld ein Proof of Value erfolgen. Dabei steht auf den ersten Blick meist die Steigerung der Prozesseffizienz im Vordergrund.

Ebenso wichtig sind aber die Fragen: Was kann ich tun, um den Kundennutzen zu erhöhen? Wie kann ich datengetriebene Dienstleistungen als zusätzliches Geschäftsmodell aufbauen? Schon im Proof of Value sollte man überlegen, auf welche Bereiche sich ein IoT-Projekt noch auswirken kann.

Dabei ist es wichtig, die gesamte Wertschöpfungskette zu betrachten. Wenn ein Kompressoren-Hersteller zum Beispiel künftig keine Maschinen mehr verkauft, sondern Druckluft als Dienstleistung anbietet, muss er auch seine Rechnungsstellung ändern – neue Geschäftsmodelle können somit auch angestammte administrative Prozesse stark verändern.

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2. Es ist ja "nur" Software: Schnell mit Minimalansatz starten

Den wirtschaftlichen Nutzen eines IoT-Projekts kann man nicht am Schreibtisch oder in einer Laborumgebung ermitteln. Für den Proof of Value müssen Unternehmen ihr IoT-Szenario in die Praxis umsetzen. Dafür reicht zunächst ein minimaler Funktionsumfang, der sogenannte "Minimum Viable Product"-Ansatz (MVP).

Wer gleich alle denkbaren Funktionen zum Start ausliefern will, blockiert sich nur selbst und verliert wertvolle Zeit. IoT-Anwendungen sind zum großen Teil Software-basiert. Das bedeutet: Man kann sie auch im laufenden Betrieb noch ändern, erweitern und an die aktuellen Bedürfnisse anpassen. Ein MVP muss im ersten Schritt nur das können, was zwingend nötig ist, um Nutzwert zu schaffen. Dadurch können Unternehmen ihr IoT-Projekt schneller in die Praxis überführen und erste Erfahrungen sammeln. Sie erhalten zügig Rückmeldung von ihren Anwendern und können auf Basis dieses Feedbacks Anpassungen und Änderungen vornehmen.

So ist die Chance viel größer, möglichst schnell eine IoT-basierte Lösung zu entwickeln, die gut bei den Kunden ankommt. Außerdem hat der Minimalansatz noch einen weiteren Vorteil: Sollte die IoT-getriebene Innovation nicht den gewünschten Mehrwert liefern, sind nicht gleich große Summen verloren, sondern die Kosten bleiben überschaubar.

3. Teamplayer gefragt: Ein Ökosystem nutzen

IoT-Projekte sind kein Ein-Personen-Spiel. Sie erfordern Zusammenarbeit in vielen verschiedenen Sektoren. So benötigen Unternehmen nicht nur eine IoT-Plattform, sondern auch die geeignete Sensorik, um Daten abzugreifen. Sie müssen mit Retrofitting alte Maschinen IoT-fähig machen und benötigen eine geeignete Analytics-Lösung.

Außerdem brauchen sie jemanden, der die Infrastruktur für die Datenübertragung bereitstellt. All dies kann ein einzelner Hersteller oder Dienstleister alleine nicht leisten. Vielmehr ist ein Netzwerk an kompetenten Partnern gefragt. Ein guter IoT-Plattform-Anbieter bringt ein solches Ökosystem gleich mit und kann geeignete Partner empfehlen. Das hat den Vorteil, dass die Projektteilnehmer schon häufig zusammengearbeitet haben und gut aufeinander eingespielt sind. Außerdem sparen sich Unternehmen viel Zeit und Kosten beim Auswahlprozess.

4. Make or buy: Horizontale Technik kaufen, vertikale Anwendungen selbst entwickeln

Bei der technischen Umsetzung ihrer IoT-Projekte stehen Unternehmen vor der Frage: Was soll ich kaufen und was besser selber entwickeln? Grundsätzlich empfiehlt es sich, die horizontale Technologieinfrastruktur, also die IoT-Plattform für das Device Management oder das Edge Computing, einzukaufen. Hier gibt es bereits hocheffektive Lösungen am Markt, sodass man das Rad nicht selbst neu erfinden muss.

Die vertikale Anwendung sollte man auf dieser Infrastruktur dann selbst aufbauen, da sie geistiges Eigentum des einzelnen Unternehmens ist, mit dem es sich von der Konkurrenz differenziert und sich nachhaltige Wettbewerbsvorteile verschaffen kann.

Mehr Mut zum Risiko

Eins ist klar: Wie jedes neue Produkt, das man auf den Markt bringt, kann auch eine IoT-basierte Innovation scheitern. Unternehmen dürfen jedoch nicht den Fehler machen, gleich wieder ganz auszusteigen. Die Erfahrungen sind wertvoll für die Zukunft.

Empfehlenswert ist es, ein Portfolio aus IoT Use Cases in unterschiedlichen Bereichen – zum Beispiel Service, Logistik, Neue Produkte, Fertigung - aufzubauen und in verschiedene Richtungen zu experimentieren.

Oliver Edinger ist Leiter des Internet of Things Competence Centers für Deutschland, Österreich und die Schweiz. © Software AG

Nur wer sich traut, Fehler zu machen, kann Innovationen hervorbringen. Entscheidend ist, dass man die Fehler schnell macht und sie auch schnell wieder korrigiert. Unternehmen müssen im Hinblick auf IoT-Projekte mutiger werden, wenn sie das Potenziel von IoT zu ihrem Wettbewerbsvorteil nutzen wollen.

Oliver Edinger, Leiter des Internet of Things Competence Centers für Deutschland, Österreich und die Schweiz der Software AG / am

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