Smart Industry

Finden statt suchen

Seit der Einführung einer softwaregestützten Werkzeugverwaltung hat ein Spezialist für Radiologie-Geräte seine Werkzeugbestände fest im Griff. Das Ergebnis: Werkzeugbestand, Werkzeugkosten und der Aufwand für die Suche nach Werkzeugen wurden drastisch reduziert.
In der CAD-Konstruktion nutzt Bernd Steidten nun die Werkzeugdatenbank, um geeignete Werkzeuge zu finden. Eine direkte CAD/CAM-Schnittstelle ist in Planung.

Wenn Bernd Steidten heute im Werkzeuglager seines Produktionsbereichs steht, fallen ihm sofort drei Dinge ein: „Es war undurchschaubar, viel zu aufwändig und extrem unkomfortabel. Jetzt sieht es ganz anders aus.“ Er spricht von der Werkzeugorganisation, die mehr als ein Jahrzehnt auf Excel-Basis durchgeführt wurde und heute von zeitgemäßer Industriesoftware übernommen wird. Bernd Steidten ist in der NC-Programmierung und verantwortlich für die Werkzeugorganisation bei einem der weltweit führenden Hersteller von Röntgengeräten und anderen spezialisierten Geräten für die Radiologie, der Agfa-Gevaert HealthCare GmbH.

Im Laufe der Jahre war Bernd Steidten die undurchschaubare Werkzeugverwaltung immer mehr ein Dorn im Auge: „Keiner wusste genau, welche Werkzeuge wo sind.“ Wenn ein Mitarbeiter ein Werkzeug benötigte, bediente er sich bisher einfach im Werkzeuglager. Zwar gab es die zentrale Werkzeugliste in Excel, Werkzeugbuchungen wurden allerdings nur mangelhaft dokumentiert oder Werkzeuge erst gar nicht mehr zurückgegeben. „Je mehr Werkzeuge hinzukamen, desto undurchschaubarer wurden die Liste. Sie war einfach unkomfortabel für die Mitarbeiter“, beschreibt Steidten. Für den Toolmanagement-Verantwortlichen war es also unvermeidlich, dass der Überblick über die Werkzeuge irgendwann komplett verlorengehen würde. „Wenn man ein spezielles Werkzeug benötigte, musste man von Maschine zu Maschine gehen und es suchen. Beim Rüsten haben wir so unnötige Zeit mit der Suche nach dem passenden Werkzeug verschwendet“, schildert Steidten die Ausgangssituation.

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„Es musste sich etwas ändern“, so Steidten. Kurzerhand habe er sich online in verschiedene Angebot eingelesen, eine Lösung stach besonders heraus, ergänzt er: Die Werkzeugverwaltung EVOtools des schwäbischen Softwareherstellers EVO Informationssysteme. „EVO ist mir auf der Homepage unseres Werkzeuglieferanten Hoffmann Group aufgefallen“, erinnert sich Steidten. „Ich habe gleich mit meinem damaligen Gebietsvertriebsleiter von Hoffmann, Herrn Reichelt, in Verbindung gesetzt und mich über die spezielle Hoffmann-Edition informiert.“

Nicht nur aus Kostengründen kamen andere Anbieter letztlich nicht in Frage: „Wettbewerber verlangen zwischen 15.000 und 20.000 Euro für eine Werkzeugverwaltung, bei EVO sind es nur 495 Euro für eine Lizenz. Das ist bei der Kosten-Nutzen-Betrachtung einfach konkurrenzlos.“ Und er ergänzt: „Außerdem war deren Funktionsumfang der anderen Lösungen fast schon zu viel für uns.“

Mitwachsendes Baukastenprinzip

Als Einstiegsversion setzt Agfa nun die Hoffmann-Edition der Werkzeugverwaltung ein. „Mir war es wichtig, dass wir nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Wir möchten die Werkzeugorganisation strukturiert optimieren. Dazu gehört es, an der Wurzel anzufangen und sich dann – nach und nach – nach oben durchzuarbeiten“, erläutert Bernd Steidten die Entscheidung. EVOtools lässt sich nach dem Baukastenprinzip ausbauen, was es für Bernd Steidten sicherstellt, dass die Software immer mit seinen Anforderungen mitwächst und sukzessive ausgebaut werden kann.

„Wir suchen nicht, wir finden!“. Bernd Steidten hat endlich Struktur im Werkzeugbestand.

„Wir planen auch für die Zukunft, deshalb ist der modulare Aufbau ein entscheidendes Kriterium“, ergänzt Steidten. Die Werkzeugdaten-Kommunikation mit dem CAD/CAM-System und ein angekoppeltes EVO-Datenmanagement für Werkzeugzeichnungen und Datenblätter sind nur einige Punkte, die er für die Zukunft fest im Blick hat. „Besonders eine Option habe ich im Kopf: EVO bietet für sein Datenmanagement EVOjetstream einen NC-Code-Interpreter, mit dem wir einfach Werkzeuglis-ten generieren können“, erklärt Steidten. Dabei denkt er an eine Funktion, die Werkzeuginformationen aus EVOtools mit den Werkzeugaufrufen in NC-Programmen verknüpft und der Werkzeugvorbereitung ein übersichtliche Liste von Komplettwerkzeugen mit deren Komponenten, maßgeschneidert für das nächste Bearbeitungsszenario, an der CNC-Maschine generiert.

Durch die Neueinführung der Werkzeugverwaltung konnte Steidten einen weiteren Missstand beseitigen, der für ihn schon länger problematisch war: Karteileichen. Nach und nach konnte er Altbestände bereinigen und seinen Werkzeugstamm von rund 150 Zerspanungswerkzeugen strukturiert und vollständig in das System übertragen.

Heute sitzt Steidten an seinem Programmier-Arbeitsplatz, an dem er gleichzeitig auch Zugriff auf die Werkzeugdatenbank hat und überwacht mit einem Mausklick die aktuellen Werkzeugbestände. Er zeigt, wie einfach das geht „Ich klicke einmal auf die Lagerbestandsübersicht, suche mein passendes Werkzeug, sehe, wo welches Werkzeug liegt, gehe ans Lager und schon habe ich, was ich brauche. Einfach super. Kein Vergleich zu früher“, sagt er stolz. Durch die Materialdisposition werden fehlende und ausgehende Werkzeuge sofort zuverlässig erkannt. Somit ist sichergestellt, dass Nachbestellungen von Werkzeugen nur dann veranlasst werden, wenn deren Lagerbestand einen gewissen Grenzwert erreicht hat. Früher, berichtet er, wurde ein Werkzeug zwangsläufig neu beschafft, wenn es nicht gefunden wurde. Die Werkzeugkosten für Agfa waren entsprechend hoch. „Durch mehrfach beschaffte Werkzeuge ist auch der Lagerbestand immer weiter gestiegen.“ Was in Hinblick darauf heute anders ist? Dafür hat Bernd Seidten etwas sehr Greifbares parat: Heute stehen zwei Werkzeugschränke weniger im Werkzeuglager. „Das macht sehr deutlich, wie viele Werkzeuge allein durch die entsprechende Lagerbestandsübersicht und strukturierte Dispositionen eingespart werden konnten“, beschreibt Steidten.

Verkürztes Rüsten

Deutlich ins Gewicht fällt auch die Zeiteinsparung bei der Werkzeugsuche. Die Handlager an den Maschinen wurden abgeschafft. Durch das zentrale Werkzeuglager sind alle Werkzeuge schnell an einem Ort greifbar. Ein daraus resultierender Effekt ließ sich sofort erkennen: „Wir laufen nicht mehr ziellos von Maschine zu Maschine. Wir suchen nicht, sondern finden“, erläutert Steidten und ergänzt: „Entsprechend spürbar hat sich die Rüstzeit verkürzt.“

Für Bernd Steidten ist die Software zur Werkzeugorganisation die perfekte Lösung. Nach mehr als einem Jahr Praxiseinsatz des Toolmanagement-Systems blickt er sehr positiv auf die damalige Entscheidung zurück: „Der modulare Aufbau von EVOtools versetzt uns in die Lage, Schritt für Schritt eine effiziente und durchgängige Werkzeugverwaltung aufzubauen. Mit EVOtools konnten wir eine chaotische Lagerhaltung unserer Werkzeuge aufbauen, was uns eine flexible Platzausnutzung und exakte Bestandsführung erlaubt sowie die Auffindbarkeit der Werkzeuge für jeden Mitarbeiter möglich macht. Dank der einfachen und selbsterklärenden Programmbedienung läuft alles völlig reibungslos.“ cs

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