ITK-Lösungen, Sondermaschinenbau

Vom Kabel befreit

Kommunikation auf Basis der WLAN-Technik: Ein kabelloses Funknetzwerk erleichtert beim Sondermaschinenbauer Weil Engineering die Programmierung der Steuerungen an den auszuliefernden Fertigungsanlagen erheblich. Ein weiterer Vorteil ist die einfachere Wareneingangserfassung via Barcode.

Firewall ein Muss: Gerade beim Betrieb von WLAN-Lösungen in Unternehmen sind zuverlässige Sicherheitsmaßnahmen äußerst wichtig.

„Das Programmieren unserer Maschinensteuerungen ohne ständigen Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk ist wie Geländewagen fahren mit nur fünf Litern Benzin“, scherzt Patrick Senger, der bei der Weil Engineering GmbH (WE) für Elektroinstallation und Programmierung zuständig ist. „Man fährt an und ist gerade warm geworden, da benötigt man schon wieder eine Zapfsäule, weil wichtiger Input fehlt.“ Senger weiß, wovon er spricht, denn als Programmierer ist er bei dem mittelständischen Maschinenbauer im südbadischen Müllheim für die Steuerungsimplementierung an den neuen Produktionsanlagen verantwortlich.

Für diese Tätigkeit haben er und seine Kollegen keinen festen Arbeitsplatz – sie arbeiten dort, wo die von den Kunden bestellten Rohrbearbeitungsmaschinen in der Montagehalle gerade stehen. Das Know-how des Unternehmens liegt in der Entwicklung, Konstruktion und Inbetriebnahme von Fertigungslösungen und Anwendungen für die Blechbearbeitung. 1987 als Unternehmen für Messtechnik- und Qualitätssicherungssysteme für Blechdosen gegründet, wurde bereits 1990 mit einer Fass-Schweißanlage die erste Sondermaschine entwickelt und gebaut. In der Folge entstand ein breites Programm an Maschinen und Peripheriegeräten: Diese reichen vom Maschinen- über Heizungs- und Lüftungsbau bis hin zur Automobil- und Zuliefererindustrie sowie zur Haushaltsgeräteproduktion. Die Produktion der Bauteile wird von externen Zulieferern erledigt und bei WE erfolgt dann die Montage der einzelnen Module zu der gewünschten Maschine wie in einem Baukastensystem. Herzstück ist dabei die Speicherprogrammierbare Steuerung (SPS), die vor der Inbetriebnahme entsprechend eingerichtet werden muss. Dazu schließen sich die Steuerungsspezialisten mit ihren portablen Rechnern heute in diesem, morgen in jenem Teil der Halle an die SPS der auszuliefernden Maschinen an. Doch gleichzeitig ist bei ihrer Arbeit die Kommunikation mit dem zentralen Server des Unternehmens erforderlich, die über das Lokale Netz erfolgt. Da die Halle nicht verkabelt ist, war dafür früher ein erheblicher Aufwand notwendig. Etwa bei einem Datenabgleich oder einer Sicherung der Programme sowie beim Empfangen und Senden einer E-Mail. Da mussten die Experten ihr Programmiergerät unter den Arm nehmen und damit zum nächsten Netzwerkanschluss laufen. Von dort aus erfolgte dann der Zugriff auf den Server. Nachdem die anstehende Aufgabe erledigt war, konnte die Arbeit an der jeweiligen Maschine weitergehen. Heutzutage eigentlich ein unhaltbarer Zustand. Denn inzwischen gibt es mit der WLAN-Technologie (Wireless Local Area Network) eine kostengünstige Möglichkeit, auch im industriellen Umfeld drahtlose Funknetze für den Datenaustausch aufzubauen.

Anzeige

Zunächst waren die Verantwortlichen bei WE unentschlossen, ob sie für den Zugriff auf das Datennetz nun die Halle komplett verkabeln oder ein WLAN aufbauen sollten. Noch während dieser Überlegungen kam zusätzlich der Wunsch auf, die Wareneingangserfassung mit Barcode-Lesegeräten abzuwickeln. Da diese ebenfalls über Funk mit dem zentralen IT-System kommunizieren, schien auch deshalb eine WLAN-Lösung als die sinnvollere Alternative.Umgesetzt werden sollte sie von Siemens Enterprise Communications, da bereits ein Schnurlos-Telefonsystem von diesem Anbieter bei Weil Engineering erfolgreich im Einsatz ist. Bevor allerdings der Wireless Controller, die Zugangspunkte (Access Points) und die notwendige Konvergenzsoftware zur Steuerung des Ganzen installiert werden konnte, war eine Ausleuchtung des Betriebsgeländes erforderlich. Denn um ein Grundstück oder ein Gebäude optimal mit Funktechnik abdecken zu können, müssen jeweils die örtlichen Gegebenheiten genau berücksichtigt werden. So befindet sich in der Montagehalle beispielsweise ein kleines Hochregallager – hier mussten in jedem Gang jeweils die entsprechenden Signalstärken gemessen werden. Auch die Programmierer-Arbeitsplätze in der Halle wurden bei der Inspektion besonders berücksichtigt. Dadurch wurde herausgefunden, an welchen Stellen die Access Points in optimaler Weise zu positionieren sind.

Letztlich kam die Messung zu dem Ergebnis, dass drei Zugangspunkte notwendig sind, um den Serverzugriff der Programmierer und den Einsatz von Barcode-Scannern für die Warenwirtschaft ohne Probleme zu ermöglichen. Die genaue Dimensionierung einer solchen Installation ist dabei immer eine Gratwanderung. Denn einerseits soll die Erreichbarkeit der mobilen Endgeräte gesichert sein, und andererseits muss verhindert werden, dass firmenfremde Personen von außen auf das Netzwerk zugreifen können. Da allerdings bei einem kabellosen Netz die Daten über die Luft übertragen werden, stellt der Zaun um das Firmengelände keine natürliche Grenze dar. Deshalb sind besondere Sicherheitsmaßnahmen notwendig. Zu diesem Zweck wurde eine dynamische Verschlüsselung realisiert, die jede Verbindung zwischen einem Endgerät und einem Access Point mit einem neuen Schlüssel codiert. Durch dessen kurze Gültigkeitsdauer hat ein eventueller Angreifer keine Chance, den Code zu entziffern.

Immer in Kontakt

Der Nutzen des drahtlosen Funknetzes ist heute auch in der Materialwirtschaft unübersehbar: Ankommende und ausgehende Maschinenteile werden nun mit mobilen Scannern via Barcode registriert, sodass der Teilebestand im zentralen Warenwirtschaftssystem tagesaktuell dokumentiert ist und jederzeit abgefragt werden kann. Denn fehlen zu Montagebeginn relevante Bauteile, verlängert das unter Umständen die Lieferzeiten des Maschinenbauers. Früher wurden die Materiallieferungen schriftlich registriert und die Lieferscheine in Papierform im Haus weitergegeben, bevor sie in das Materialwirtschaftssystem eingepflegt wurden. Das konnte schon mal zwei oder drei Tage dauern.

Heute dagegen lässt sich sofort feststellen, ob alle benötigten Bauteile am Lager sind, und gegebenenfalls kann fehlendes Material bestellt werden, bevor die Montage beginnt. Gleichzeitig wird der bisher notwendige zeit- und kostenintensive manuelle Erfassungsaufwand eingespart. Durch die Optimierung dieses Workflows lässt sich die Montage ohne Unterbrechungen durchführen, und der Hersteller kann seinen Kunden die gewünschten Maschinen schneller zur Verfügung stellen.

Die Verkürzung der Wege und Wartezeiten für die Steuerungsprogrammierer steigert die Produktivität ebenfalls beträchtlich. Patrick Senger und seine Kollegen können heute wesentlich effizienter und flexibler arbeiten, was für das Unternehmen erhebliche Kosteneinsparungen mit sich bringt. Zudem verfügen die Mitarbeiter nun über aktuellere Informationen als früher, da sie jederzeit auf den Server zugreifen können.

Überdies wurden die Sicherheitsrisiken verringert, da die Steuerungsspezialisten heute auch in der Montagehalle sofort wichtige Daten auf dem Server abspeichern können und damit nicht warten müssen, bis sie am Ende des Arbeitstages in ihr Büro zurückkehren. Programmierer Senger jedenfalls freut sich über die neu gewonnene Freiheit. Statt öfter seine Arbeit an der Maschine unterbrechen zu müssen, um Daten vom Server zu holen oder dort zu sichern, kann er sich nun voll auf seine Aufgabe konzentrieren. „Der regelmäßige Gang zur Zapfsäule ist heute überflüssig, denn mein Tank ist immer voll“, schmunzelt er.

Stefan Graf / graf@hoppenstedt.de

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Sondermaschinenbau

Unikate für XXL-Bauteile

Sicherheitsrelevante Großbauteile in Nutzfahrzeugen, wie etwa Achsträger oder Getriebewellen, müssen trotz ihrer Größe, hohem Gewicht und mitunter schwierig zu zerspanender Werkstoffe präzise in engen Toleranzfeldern wirtschaftlich produziert werden...

mehr...
Anzeige

Software

Servicegeschäft durchgängig organisieren

Ams Solution zeigte auf der Cebit, wie Sondermaschinen- und Anlagenbauer ihr Servicegeschäft durchgängig organisieren können. Dazu hat das Beratungs- und Softwarehaus die Ticketing-Lösung "Serviceportal" und die mobile Zeiterfassung "Mobile Time"...

mehr...
Anzeige

Rundtaktmaschine

Alles läuft rund

bei Tisora Sondermaschinen. Etwa 60 Prozent ihres Umsatzes erziehlen die Chemnitzer mit Eigenentwicklungen, wie zum Beispiel die Rundtaktmaschine zur kompletten spanenden Bearbeitung von Winkelstücken.

mehr...

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem SCOPE Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite