Smart Industry

Wissen auf Knopfdruck

Oliver Brauer, München

Die Conweaver-Technologie ermöglicht die automatische Integration und Erschließung der Unternehmensdaten, dabei gehen die semantischen Kontexte der erfassten Daten in deren Vernetzung mit ein und können auf diese Weise für eine effiziente Suche genutzt werden.
Um Unternehmenswissen verfügbar und auffindbar zu machen, sind die logische Integration von Daten- und Dokumentbeständen sowie eine intelligente Suche notwendig. Für die Fraunhofer-Gesellschaft wurde durch Wissensmanagement das Know-how ihres Unternehmens auf einen Klick abrufbar. Innerhalb von nur wenigen Monaten wurde durch den Partner Conweaver ein semantisches Wissensnetz aufgebaut, das die Ressource Wissen erschließt.

„Herzlich Willkommen bei der Fraunhofer-Gesellschaft, was kann ich für Sie tun?“ Jeder Anrufer in der Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft hat ein anderes Anliegen. Hier handelt es sich meist um Erstkontakte, die wissen möchten: Wer ist bei Fraunhofer der richtige Ansprechpartner für mein Vorhaben? Keine leichte Aufgabe für die Münchner Leitstelle. Schließlich ist die Fraunhofer-Gesellschaft dezentral organisiert: Insgesamt 59 Institute verteilen sich bundesweit, weitere Niederlassungen sind über die ganze Welt verstreut. Mit einem Forschungsbudget von jährlich etwa 1,6 Milliarden Euro arbeiten rund 17.000 Mitarbeiter an einer Themenpalette, die umfangreicher nicht sein könnte: Von Adaptronik über Mikroelektronik bis Werkstoffoptimierung. Das forschungsgetriebene Umfeld sorgt dafür, dass ständig neue Themen auf die Agenda kommen, die von flexibel agierenden Spezialisten-Teams bearbeitet werden. Zudem erfordern die Anfragen von Presse, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft rasche Antworten.

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Auch der interne Informationsbedarf ist hoch. Ob Analysen, bereits vorhandene Kompetenzfelder oder thematische Zusammenhänge für Projektkonsortien: Die Expertisen der innovationsgetriebenen, komplexen Organisation müssen schnell, einfach und umfassend verfügbar sein und je nach Fragestellung thematisch aufbereitet werden.

Bereits seit 2007 beschäftigt sich eine eigene Abteilung für Wissensmanagement mit der Frage, wie vorhandenes Know-how auffindbar gemacht und vernetzt werden kann. Die anvisierte Lösung war eine interne Recherchemöglichkeit, für die es folgende Vorgaben gab: Aufgrund der Komplexität der Inhalte bei gleichzeitiger Unterschiedlichkeit der Anfragen sollte die Aufbereitung der Wissensressourcen so weit wie möglich unabhängig von menschlicher Katalogisierung sein.

Wissensmanagement für die Fraunhofer-Gesellschaft

Weder personelle Profilpflege, noch manuelle Aufbereitung (wie etwa Schlagwörter) wurden als sinnvolle Lösungen erachtet. Vielmehr entschied sich das Projektteam für die Anforderung, automatische Daten-Bereitstellung mittels einer semantischen Suche umzusetzen. „Für uns war es entscheidend, dass wir eine langfristige Recherche-Unterstützung aufbauen, die das Fraunhofer-Wissen als Ganzes im Fokus hat“, sagt Projektverantwortliche Astrid Jancke. „Das Wissen der Organisation so aufzubereiten, dass es für die unterschiedlichsten Anforderungen schnell und präzise auffindbar wird, war unser Ziel.“

Nach umfangreichen Markt-Sondierungen wurde die Firma Conweaver GmbH mit dieser Aufgabe betraut. Conweaver ging 2007 aus dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD hervor. Begleitet wird die Firma von Fraunhofer Venture, einer Abteilung der Fraunhofer-Gesellschaft, die sich aktiv um Ausgründungen aus den Instituten kümmert. „Wir sind von der technologischen Kompetenz des Teams absolut überzeugt“, so Peter Wittmann, zuständiger Mitarbeiter bei Fraunhofer Venture.
Ausschlaggebend für die Auftragserteilung war aber nicht die „Fraunhofer-Kinderstube“, vielmehr hatte sich das Spin-off bereits eine beachtliche Referenzliste (unter anderem Bilfinger Berger) erworben. „Gerade weil wir in komplexen, internationalen Unternehmensstrukturen schon erfolgreiche Wissensmanagementlösungen realisiert haben, konnten wir Fraunhofer davon überzeugen, uns ihre Datenlandschaft anzuvertrauen“, erklärt Dr. Thomas Kamps, Geschäftsführer von Conweaver.

Conweaver verwendet semantische Integrations- und Suchtechnologien, die kundenspezifisch konfiguriert werden. Damit lassen sich alle vorhandenen betriebsinternen Informationen zusammentragen: Ob Server, spezielle Datenbanken, Einzelrechner oder CD-Roms – das gesamte Wissen wird in einem Wissensnetz miteinander verknüpft. Wichtig ist dabei, den Sprung von der theoretischen Verfügbarkeit der Daten hin zum raschen Zugriff auf sinnvolle und tatsächlich relevante Informationen zu schaffen.

Das erklärte Ziel hierbei: „Wir bringen die Inhalte zum User, ohne jede Barriere. Unser Interface ist so einfach bedienbar wie herkömmliche Suchmaschinen. Mit nur einer Eingabe löst der Benutzer eine semantische Suche über das gesamte organisationseigene Wissen aus. Die wirklich relevanten Informationen werden damit identifiziert und dann übersichtlich dargestellt“, erläutert Kamps die Vorteile des Systems.

Die Conweaver-Software repräsentiert das Unternehmenswissen in Form eines semantischen Wissensnetzes. So werden die Beziehungen zwischen Fach- und Faktenwissen beziehungsweise Geschäftsobjekten (beispielsweise Projekte, Abteilungen, Dokumente oder Experten) indexiert. Dies gelingt deshalb so umfassend, da thematisch und kontextuell ähnliche Geschäftsobjekte assoziiert und klassifiziert werden können.

Jedes Wissensnetz ist das Ergebnis eines speziellen Analyseprozesses, der unterschiedlichste Verfahren datenspezifisch, flexibel und individuell einsetzt. Die Aktualisierung des Netzes und seiner Inhalte erfolgt automatisch – es passt sich in regelmäßigen Abständen an die Veränderungen in den Daten an.

Die angewandte Technik ermöglicht eine einheitliche intelligente Suche, egal wo im Unternehmen die Informationen tatsächlich abgelegt sind. Die Anwendung nutzt die semantischen Relationen und kontextuellen Beschreibungen der Geschäftsobjekte aus, um eine mehrsprachige und formulierungsunabhängige Recherche durchzuführen. Dank des Wissensnetzes ist die Software zudem in der Lage, Rückschlüsse auf implizites Wissen zu ziehen. Die semantische Wissensrepräsentation liefert anschließend thematisch aufbereitete und strukturierte Ergebnisse. Neben den in Kategorien angezeigten Recherche-Treffern werden auch Empfehlungen zu inhaltlich ähnlichen Dokumenten oder Fakteneinträgen angeboten.

Wissen in Unternehmen erschließen

Der Einsatz von Conweaver unterstützt heute das Wissensmanagement in der Fraunhofer-Gesellschaft wesentlich. Damit ist auch eine wirtschaftliche Komponente verbunden: Fraunhofer-Institute müssen ein Drittel ihres Budgets durch Industrieaufträge decken – keinesfalls handelt es sich um den „forschenden Elfenbeinturm“. Das interne Wissensmanagement hilft somit auch dabei, Forschungsaufträge in möglichst rascher Zeit zu akquirieren und durchzuführen.

Folgendes Szenario ist denkbar: Ein Vertreter eines Industrieunternehmens wendet sich an die Abteilung „Strategie und Programme“ der Fraunhofer-Gesellschaft, um einen Ansprechpartner für eine konkrete Problemstellung zu bekommen: In der Industrieanlage des Kunden sollen Rohre auf ihre Oberflächenqualität überprüft werden. Nach der Suchanfrage bietet Conweaver diese Informationen an: Eine Liste aller Institute mit Kompetenzen im Bereich Oberflächenprüfung, eine Aufzählung sämtlicher Projekte, die sich mit Oberflächenprüfung beschäftigen, eine Auswahl assoziierter beziehungsweise thematisch ähnlicher Begriffe sowie ein Verzeichnis relevanter Publikationen, nach Aktualität sortiert.

Die Einträge lassen sich zur Verfeinerung der Suche auswählen oder liefern nach Anklicken direkt den jeweiligen Datensatz.

Experten sind sich einig: Das Wissensmanagement im Unternehmen ist von zentraler Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit. Nur wer über den schnellen und effektiven Zugriff auf das gesammelte Know-how und die Kompetenzen seiner Firma oder Organisation verfügt, kann auf Anfragen schnell reagieren und Aufträge qualifiziert bearbeiten. Semantic Enterprise Search ist eine effiziente Antwort auf wachsende Datenmengen und fortschreitende Spezialisierung von Mitarbeitern. Unter Verwendung semantisch vernetzter Informationen kann qualifiziertes Personal bestmöglich zusammengestellt werden; Mitarbeiter bekommen das betriebliche Expertenwissen optimal aufbereitet. „Mitdenkende“ Recherche-Tools bestimmen daher die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen entscheidend mit. -sg-

Conweaver GmbH, Darmstadt Tel. 06151/155-660, http://www.conweaver.de

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